Gespräch mit Richard Oetker über Coppenrath & Wiese
„Dieses Unternehmen ist mir ans Herz gewachsen“

Tecklenburger Land -

Eigentlich gibt Richard Oetker keine Interviews. Für dieses Gespräch hat er aber eine der sehr seltenen Ausnahmen gemacht. Verständlich wird das, wenn man eine kurze Episode aus seinem erfüllten Berufsleben in den Blick nimmt. Oetker – Familienunternehmer alter Schule und über viele Jahre hinweg Lenker eines milliardenschweren Weltkonzerns mit über 26 000 Mitarbeitern – hat bei seinem offiziellen Abschied eine Begebenheit geschildert, die sich ihm tief eingeprägt hat.

Donnerstag, 22.03.2018, 07:03 Uhr

Richard Oetker: Ich bin ganz offiziell im Ruhestand. Aber ich bin Gott sei Dank hier noch Beiratsvorsitzender. Foto: Heinrich Weßling

Er wird nie vergessen, wie er bei der Betriebsversammlung von Coppenrath & Wiese im März 2015 Standing Ovations von den Mitarbeitern erhalten hat. Das geschah, nachdem er der Belegschaft mitgeteilt hatte, dass der Tiefkühltortenhersteller nun zur Oetker-Familie gehört.

Für alle Cowi-Mitarbeiter war der Kauf durch Oetker gefühlt wie eine Erlösung. Keine Heuschrecke, kein Finanzinvestor, kein Mega-Konzern von irgendwo weit weg. Nein – Oetker aus Bielefeld gleich nebenan. Ein tief bewegender, unvergesslicher Moment. „Also ehrlich gesagt, hätte ich damit nie gerechnet“, erinnert sich Oetker, „die Mitarbeiter kannten bestimmt die Marke, meinen Familiennamen und ein bisschen Hintergrund. Vielleicht hatte Oma auch mal ein Backbuch von Dr. Oetker. Aber dass es so weit reicht, dass, wenn man als Käufer zum ersten Mal in der Firma auftritt, die Belegschaft aufsteht und applaudiert, dass ich so positiv empfangen wurde, so ein Erlebnis hat man wirklich nicht alle Tage.“

Die Vorgeschichte

Natürlich hat die Verbindung Oetker-Cowi eine Vorgeschichte. Schon fast eine Historie. So schildert Richard Oetker, dass in der 1970er und -80er Jahren auch in Bielefeld erkannt worden ist, dass sich durch das Engagement von Coppenrath & Wiese ein neuer Markt für Tiefkühl-Torten entwickelt. Oetker war damals vor rund 50 Jahren nur im „Trockenbereich“ aktiv, stellte Produkte für die Hausfrau zum selber Backen her.

Der entstehende Markt tiefgekühlter Torten aber betraf auch die Oetker-Kunden, nämlich diejenigen, die gerne Kuchen essen. „Wir mussten damals darüber nachdenken, ob wir nicht auch in diesen Markt gehen sollten. Wir haben mal einen Ausflug gemacht“, schildert Richard Oetker, „es ist ja allgemein bekannt, dass wir mal die Schwarzwald-Konditorei hatten. Aber da waren wir nicht so erfolgreich wie Coppenrath & Wiese. Wir haben sie bewundert und ehrlich gesagt auch beneidet.“

Natürlich sind Wettbewerber, sind Unternehmer im gleichen Markt immer irgendwie auch persönlich bekannt. Richard Oetker hat Aloys Coppenrath und auch Josef Wiese in den 1980er Jahren kennen gelernt. Man sprach damals über mögliche Kooperationen beim Einkauf und sogar über gemeinsame Produkte: „Die beiden Herren waren mir sehr sympathisch, aber die Gespräche sind eingeschlafen.“

Positive Kaufentscheidung

Dennoch: Freundliche Kontakte zwischen den Häusern gab es über die Jahrzehnte hinweg eigentlich immer, man traf sich auf den einschlägigen Messen. Richard Oetker und Aloys Coppenrath trafen sich im Jahr 2013 noch einmal: „Er war nur wenige Tage vor seinem Tod bei mir zu Hause“, erinnert sich Oetker. Man sprach über Kooperationen, sprach über den türkischen Markt und darüber, ob Oetker in der Türkei Cowi-Produkte vertreiben könnte.

Es kam – bekanntlich – anders. Cowi stand ab 2014 zum Verkauf. Eine Chance für viele Interessenten, auch die Oetker-Gruppe zeigte Interesse an einem Kauf des Experten für Tiefkühl-Torten und -Backwaren: „Basis dafür ist immer der Gedanke, dass man geschäftlich Erfolg haben muss“, sagt Richard Oetker, „aus rein emotionalen Gründen geht man nicht an eine derartig große Akquisition. Schließlich geht man ja ein großes Risiko ein. Man muss sich ausrechnen, ob man am Markt langfristig Erfolg haben kann, ob sich die Unternehmen ergänzen, ob die Unternehmens-Kulturen zusammen passen und man Synergien erzielen kann. Und letzten Endes muss der Kaufpreis noch stimmen.“

Viele der Überlegungen müssen positiv gelaufen sein, schließlich fiel im Hause Oetker eine positive Kaufentscheidung. Wie Richard Oetker betont, ging es dabei nicht darum, unbedingt ein Familienunternehmen zu erhalten. Oetker wollte Cowi auch nicht um jeden Preis haben: „Um jeden Preis ist gefährlich“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Ein echter Cowi-Fan

Eineinhalb Jahre hat sich das Verkaufsdrama um Coppenrath & Wiese hingezogen. Namhafte Interessenten waren im Spiel, von Private Equity-Finanzinvestoren bis zu Riesen-Konzernen wie Nestlé oder Ex-Großbäcker Heiner Kamps gab es Bieter. Das Rennen gemacht hat Oetker: „Wir hatten ein Angebot abgegeben, dann aber längere Zeit von der Familie Coppenrath oder deren beauftragten Beratern nichts gehört. Eigentlich war ich schon traurig, dass wir nicht berücksichtigt werden.“

Die letztendliche Kaufentscheidung, das betont der ehemalige Geschäftsführer des Weltkonzerns Oetker, der mit über elf Milliarden Euro Umsatz in der Top-Liga der Global Player spielte, hat nicht er persönlich getroffen: „Nein, Coppenrath & Wiese zu kaufen, das habe ich nicht alleine entschieden. Wir sind so organisiert, dass solche Dinge niemand alleine entscheidet. Das ist auch richtig so!“ Keinen Zweifel lässt Oetker aber auf Nachfrage daran, dass ihm dieser Firmenkauf schon besonders wichtig war: „Ich habe das auf alle Fälle forciert, ja, das stimmt.“

Kein Wunder, schließlich ist der Mann aus Bielefeld ein echter Cowi-Fan: „Das wirklich Tolle ist der Erfolg am Markt mit qualitativ hochwertigen Produkten zu guten Preisen. Und diese Produkte kommen ja nicht einfach aus irgendeiner Maschine, sondern es stehen sehr viele Menschen dahinter. Es muss also wohl vieles stimmen mit diesen Menschen, die Firmenkultur muss funktionieren. Das ist das i-Tüpfelchen und das ist schon ganz besonders wertvoll. Glauben Sie ja nicht, dass das überall so ist ...“ Der Faktor Mensch, das Miteinander im Betrieb, es spielt wohl eine sehr große Rolle für Richard Oetker.

Weiterer Wachstum

Der Beiratsvorsitzende hält sich übrigens aus dem operativen Geschäft heraus, Andreas Wallmeyer und Peter Schmidt (er kam vor zwei Jahren aus Bielefeld nach Mettingen) als Geschäftsführer haben freie Hand. Unternehmerische Eigenständigkeit lautet das Schlagwort, Unabhängigkeit vom großen Oetker-Konzern ist versprochen.

„Der Grund dafür ist ganz einfach“, erklärt Richard Oetker, „Coppenrath & Wiese hat gezeigt, dass ihr Modell außerordentlich erfolgreich ist am Markt. Warum soll man also ein funktionierendes, erfolgreiches Unternehmen ändern ? Ganz im Gegenteil: Wir als Oetker-Gruppe sind erfolgreich, aber wir haben auch gesagt, dass wir ja noch was von dem System Cowi – wie Sie immer sagen – lernen können. Wir wollen uns ergänzen, wo immer wir uns ergänzen können. Zum Beispiel bei der Internationalisierung des Geschäftes.“

Natürlich ist nach wie vor nicht bekannt, wie hoch der Kaufpreis für Coppenrath & Wiese gewesen ist. Hinlänglich bekannt ist aber, dass der Investitionsstau aus den Zeiten vor dem Verkauf nachhaltig behoben worden ist: Über 140 Millionen Euro sind seit dem Kauf in den massiven Wachstumskurs des Unternehmens gesteckt worden.

Und so wundert nicht, dass der Blick in die Glaskugel, den Richard Oetker zum Ende des Gespräches hin wagt, positiv ausfällt: „Ja, die Zukunft wird sein – und da bin ich sicher ! – dass Coppenrath & Wiese weiter wachsen wird. Wir haben hier einfach gute Produkte, gute Ideen und es sind noch so viele Themen in der Pipeline, Innovationen, die Erfolg versprechend sind ... Je mehr Konsumenten wir beglücken können, umso besser geht es dem Standort hier in Mettingen.“

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