RVM testet Schrankenbetrieb
Wie sich Auto, Rad und Zug vertragen

Mettingen -

Nur in der Vorstellung rollten am Mittwoch Personenzüge auf der Tecklenburger Nordbahn von Osnabrück nach Recke. Die RVM schloss dafür fahrplanmäßig alle 30 Minuten die Bahnübergänge an der Niergenburger Straße und an der Hügelstraße. Damit wollte das Verkehrsunternehmen testen, wie sich der Bahnverkehr im Falle der Reaktivierung der Nordbahn auf den Straßenverkehr auswirkt.

Mittwoch, 21.03.2018, 17:50 Uhr

Wenn der Bahnübergang geschlossen ist: Die RVM teste am Mittwochmorgen, wie sich die mögliche Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn auf den Straßenverkehr auswirkt. Besonders an der Nierenburger Straße ist kurz vor Schulbeginn viel los. Foto: Oliver Langemeyer

Als die RVM-Mitarbeiter gegen 7.50 Uhr den Bahnübergang an der Nierenburger Straße testweise sperren, wird es eng. Auf der Bahnhofstraße staut sich der Verkehr Richtung Westerkappelner Straße, auf der Gegenfahrbahn ebenfalls. Hinzu kommen viele Radfahrer auf dem Weg zur Schule. Auf der Nierenburger Straße steht ein Lastwagen vor der rot blinkenden Signalanlage, dahinter weitere Autos.

Wären auf der Strecke der Tecklenburger Nordbahn wieder Personenzüge unterwegs, käme der nächste Zug laut Fahrplan allerdings erst wieder vier Minuten später. Zu diesem Zeitpunkt sieht die Verkehrssituation schon entspannter aus.

Johann Ubben, Bereichsleiter Eisenbahn bei der Regionalverkehr Münsterland GmbH (RVM), ist daher zufrieden mit den ersten Testergebnissen. „Der Verkehr an der Nierenburger Straße ist mit Bahn nicht schlimmer als ohne“, resümiert er. Hans-Ulrich Sieker und Hubert Focke von der Bürgerinitiative für Verkehrsentflechtung sehen das anders. Sie halten den Test für unrealistisch.

Der Schrankentest: Wie sich Auto, Rad und Zug vertragen, wenn auf der Strecke der Tecklenburger Nordbahn zwischen Recke und Osnabrück Personenzüge im Halbstundentakt rollen. Das hat die RVM am Mittwoch an den Bahnübergängen Nierenburger Straße und Hügelstraße getestet. Besonders interessant war die simulierte Zugfahrt, als um 6.25 Uhr (Zug von Recke nach Osnabrück) und um 6.33 Uhr (Zug in die Gegenrichtung) der Übergang an der Hügelstraße geschlossen wird. Dann ist Schichtwechsel bei Coppenrath&Wiese.

Zudem sind dort zahlreiche Busse (Forsmann) und Laster unterwegs. Zweiter kritischer Punkt ist die Nierenburger Straße in der Zeit von 7.30 und 8 Uhr. Auch dort stellten die RVM-Mitarbeiter die Bahnampeln auf Rot. Die Schließzeiten hatte Johann Ubben unter Berücksichtigung aller Parameter berechnet. Dazu gehören unter anderem die unterstellte Zuggeschwindigkeit von 80 km/h sowie die Länge der Schranken. Daraus ergibt sich, dass der Übergang an der Hügelstraße für 32 und der an der Nierenburger Straße für 36 Sekunden geschlossen werden muss. Die Zeiten fielen etwas kürzer aus, als zunächst kalkuliert.

Erstes Fazit der RVM: An der Hügelstraße registrierten die Mitarbeiter eine Störung des Verkehrs. Beim Zug um kurz vor sieben bildete sich ein Rückstau bis auf den Kreisverkehr. Der Kreisel war nach Messung von Ubben für 13 Sekunden nicht passierbar. „Ob das schlimm ist, liegt im Auge des Betrachters. Ich halte das nicht für tragisch.“ Allerdings müsse im Planfeststellungsverfahren berücksichtigt werden, dass der Abstand von den Bahngleisen auf der anderen Seite zur Kreuzung Hügelstraße/Hansastraße etwas zu knapp bemessen sei.

An der Nierenburger Straße ist das Verkehrsaufkommen schon größer: Vor allem beim Schulverkehr ab 7.45 Uhr. Dort nahmen die RVM-Leute Rückstaus auf der Bahnhofstraße bis zur Kreuzung Westerkappelner Straße zur Kenntnis. Deshalb müsse die Ampelschaltung am Stark-Karree in die Planung einbezogen werden, sagte Ubben. Sonst könne die vorgeschaltete Ampelanlage an Nierenburger Straße wirkungslos werden. Sie gewährleistet, dass Autos den Bahnübergang rechtzeitig verlassen können. Das sei sicherlich auch ein Thema für die Planfeststellung im weiteren Verfahren.

Das sagen die Nordbahn-Kritiker: Nur zwei Bahnübergänge bei den Schließzeiten in den Blick zu nehmen, reicht aus Sicht von Hans-Ulrich Sieker und Hubert Focke nicht aus. Der Autofahrer komme, wenn er von der Neuenkirchener Straße aus Richtung Bahnhofstraße fahre, von einem Rückstau in den nächsten. Zudem berücksichtige die RVM nicht den zusätzlichen Verkehr, der durch die Zubringerbusse zum geplanten Bahnhof am Hallenbad entstehe.

Zudem sei der Bahnübergang an der Nierenburger Straße trotz geplanter Schranke für Schüler, die dort mit dem Rad unterwegs sind, viel zu unsicher, kritisierte Sieker. Ohnehin hätte sich ein unabhängiger Sicherheitsingenieur die Bahnübergänge im Vorfeld des Tests ansehen müssen. Die Bürgerinitiative hält ihre Variante, anstelle der Nordbahn eine Straßenverbindung von der Nierenburger Straße zur Hügelstraße zu schaffen und damit die Schnellbuslinie der S10 zu erhalten, für besser.

Diskussion an den Gleisen: Bürgermeisterin Christina Rählmann schaute sich den Testbetrieb während der Hauptverkehrszeiten ebenfalls an. Zusammen mit RVM-Eisenbahner Ubben und den Bahnkritikern entwickelte sich rasch eine lebhafte, aber sachliche Diskussion am Rand der Gleise. Die Bahn beeinflusse den Autoverkehr immer nur an einer Stelle, versicherte Ubben. Denn der Zug sei grundsätzlich schneller unterwegs.

So geht es weiter: Die RVM wertet in den kommenden Tagen die Daten der Testläufe aus. Von 5 bis 18 Uhr haben die Mitarbeiter die Auswirkungen der geschlossenen Bahnübergänge auf den Straßenverkehr beobachtet und die Größe der Rückstaus notiert. Zudem haben sie das gesamte Verkehrsaufkommen über den Tag hinweg aufgenommen. Die Ergebnisse will die RVM während einer der nächsten Sitzungen des Bauausschusses vorstellen. Den Vertretern der Bürgerinitiative „Verkehrsentflechtung in Mettingen“ sicherte RVM-Bereichsleiter Johann Ubben zu, einen Prüfingenieur zu beauftragen. Der Fachmann soll ein Gutachten dazu erstellen, wie sich der Zugbetrieb an allen Mettinger Bahnübergängen auf den Straßenverkehr auswirkt.

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