Gemeindearchivar Reinhard Brahm verabschiedet
Mit 80 Jahren in den Ruhestand

Metelen -

Reinhard Brahm ist im Ruhestand. Wenige Tage vor seinem 80. Geburtstag wurde der umtriebige Gemeindearchivar und Denkmalpfleger von seinen Kollegen herzlich verabschiedet. Brahms Forschungen im Rahmen seiner Tätigkeit brachten viele neue Erkenntnisse über die Historie des Ortes. Daneben engagierte sich der persönlich zurückhaltende Literaturliebhaber künstlerisch, für Schüler und für die Erinnerungskultur.

Donnerstag, 22.03.2018, 06:03 Uhr

Mit einem Präsent und den besten Wünschen für den Ruhestand verabschiedete Metelens Bürgermeister Gregor Krabbe (r.) den langjährigen Gemeindearchivar und Denkmalpfleger Reinhard Brahm.                                 Foto: Dieter Huge sive Huwe

Reinhard Brahm den Metelenern beschreiben zu wollen ist ein wenig, wie Eulen nach Athen tragen. In vielen Haushalten steht mindestens eine seiner zahlreichen Veröffentlichungen über die Vechtegemeinde im Bücherregal, und mit vielen Initiativen und Aktionen weckte er auch das Interesse der jungen Generation für den Ort. Dennoch gibt es etliche Metelener, die mit dem Namen zunächst kein Gesicht verbinden können. Denn Brahm hat sich nie in den Vordergrund gedrängt.

Das wurde auch bei seiner Verabschiedung aus den Diensten der Gemeinde deutlich, zu der Bürgermeister Gregor Krabbe Brahm, dessen Familie und die Kollegen der Verwaltung ins Alte Amtshaus geladen hatte. Brahm hat vielen Metelenern die Geschichte ihres Ortes näher gebracht, das wurde in Krabbes Darstellung des Wirkens von Reinhard Brahm für Metelen deutlich. „Gemeindearchivar und Denkmalpfleger“ lautete die Arbeitsbeschreibung für die Stelle, die Brahm vor drei Jahrzehnten im Rathaus antrat, nachdem er sich im Jahr 1988 erste Verdienste im Rahmen einer AB-Maßnahme für die Planungen für die 1100-Jahr-Feier erworben hatte.

„Reinhard hat dabei mehr geleistet, also nur die Aktenbestände zu organisieren“, beschrieb Krabbe die Gabe Brahms, die Historie Metelens der Außenwelt darzustellen. Dabei lernte er viele Metelener kennen und schaffte es bisweilen, auch tief in einzelnen Familienhistorien zu forschen. Die Geschichte der Menschen im Ort darzustellen war Brahm ein Anliegen. Daneben veröffentlichte er Beiträge zur Orts- und Wirtschaftsgeschichte, kümmerte sich in seiner Funktion als örtlicher Denkmalpfleger beispielsweise um die Unterschutzstellung des Sägewerks an Plagemanns Mühle oder um den Erhalt des Hauses Kirsch.

Doch Brahms Wirken ging über das hinaus, was in seinem Arbeitsvertrag stand. In der Künstlergruppe „Tungen­slag“ war er aktiv, organisierte ein Sendgerichts-Schauspiel in der Stiftskirche, holte die Aktion Stolpersteine in den Ort, war gleich begeistert, als sich die Ortsarchive auf Kreisebene präsentieren sollten.

Und er hat die Gabe, junge Menschen für Metelen zu begeistern. Im offenen Ganztag der Grundschule unternahm er mit den Schülern kleine und große Erkundungen des Ortes, baute auch mal ein wenig Mathematik mit ein, als es etwa galt, mit einfachen Mitteln die Höhe des Kirchturms zu bestimmen. „Das geht mit der Förster-Methode“, war der angehende Ruheständler immer noch begeistert von den pfiffigen Schülern, als ein Foto dieser Aktion auf der Leinwand erschien.

Die Kollegen hatten eine Fotoschau zusammengestellt, in der die Vielfalt des Wirkens von Brahm innerhalb der vergangenen drei Jahrzehnte deutlich wurde. „Das war nicht Beruf, sondern Berufung für dich“, attestierte ihm auch Angelika Pier vom Personalrat großes Engagement. Dieses endete auch nicht im Jahr 2003, als er mit 65 in Pension gehen konnte. Brahm machte weiter, mit Arbeitsverträgen, bis jetzt – wenige Tage vor seinem 80. Geburtstag.

Und Brahm selber? Der hörte inmitten seiner Familie aufmerksam zu, schmunzelte bisweilen verschmitzt, wie es seine Art ist, und ergriff zum Ende des offiziellen Teils das Wort – allerdings erst, als er dazu aufgefordert wurde. Und er verabschiedete sich schließlich ganz unprätentiös: „Was soll ich noch sagen? Ach ja – Schluss!“

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