Standortsuche für das Gemeindearchiv
In den Katakomben des Rathauses

Metelen -

Die Frage, wie die alten Urkunden und Akten der Gemeinde sachgemäß archiviert werden können, beschäftigt Verwaltung und Politik schon länger. Mit der Beauftragung eines Büros, das die ehemalige Dienstwohnung im Alten Amtshaus untersucht, wird es jetzt konkreter.

Mittwoch, 31.01.2018, 06:01 Uhr

Zwischen penibler Ordnung und provisorischer Unterbringung präsentiert sich das Gemeindearchiv Metelens im Untergeschoss des Rathauses.
Zwischen penibler Ordnung und provisorischer Unterbringung präsentiert sich das Gemeindearchiv Metelens im Untergeschoss des Rathauses. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Es gibt Räume des Archivs der Gemeinde Metelen, da reihen sich Aktenordner und Dokumentenboxen in vorbildlicher Ordnung wie die Zinnsoldaten auf ihren Regalen aneinander. Es gibt aber auch Kammern, in denen der Vergleich mit dem Platz unter dem Sofa der imaginären Familie Hempel keinesfalls aus der Luft gegriffen ist. Die Kommune sucht seit Jahren nach einer Lösung für dieses Dilemma. Und diese könnte im Alten Amtshaus liegen.

Zum derzeitigen Archiv: Das findet sich unter dem Rathaus in den Kellerräumen der ehemaligen Sparkasse. Nicht zu übersehen ist die Panzertür des früheren Tresors – oder vielleicht doch? Denn der erste Blick in den zentralen Raum, einst der Vorraum zur „Schatzkammer“ des Geldinstituts, lässt den unbedarften Besucher erstaunen. Hier steht mitten im Raum ein alter, hölzerner Webstuhl, um den sich so manches Textilmuseum reißen würde. Darauf und darunter Kisten und Kartons, einzelne Fotos, ein Druck, in einer Ecke sogar eine Krippenfigur neben einem Ständer, in dem hoffentlich ausrangierte amtliche Stempel lagern, als würden sie auf den nächsten Diensttag warten.

Doch der erste Eindruck täuscht, denn in seitlichen Räumen sind Akten und Dokumentenboxen fein säuberlich beschriftet auf Metallregalen aufgereiht. Sie verraten einiges über das Gewicht der Last der vielen Jahre, in denen das Archiv immer weiter wuchs. Mitten in diesen Regalmetern steht ein Luftentfeuchter, der dafür sorgen soll, dass Schimmel keine Chance hat.

Nur wenige Schritte weiter, im einstigen Toilettenbereich des Kassen-Kellers, stapeln sich Bananenkartons, in denen die Tageszeitungen des Ortes gesammelt untergebracht sind.

Auch dem Laien wird schnell deutlich, dass die Unterbringung des Archivgutes der Kommune, das zu einem Bruchteil sogar etliche Jahrhunderte alt ist, so keineswegs optimal gelöst ist.

Erste Schritte, um die Bestände zu digitalisieren, unternahm Gemeindearchivar Reinhard Brahm bereits vor Jahren. Daneben findet sich eine grobe Auflistung der Bestände auch im Internet auf der Seite der Archive in Nordrhein-Westfalen. In die Tiefe geht diese Auflistung allerdings nicht. Immerhin findet der interessierte User dort aber grob, was in dem Gemeindearchiv alles gesammelt wurde und wird: Neben den Akten aus Verwaltung und Rat sind dies Urkunden, sogenanntes nichtkommunales Schriftgut, Dokumente des Vogelpark- und des Verkehrsvereins und auch so seltsam anmutende Bestände wie Unterlagen der einstigen Holzschuhmacherei Wenning-Struck.

Wer sich für Akten aus diesem Archiv interessiert, ist bei Reinhard Brahm gut aufgehoben. Der Gemeindearchivar kennt sich in den Katakomben des Rathauses aus und findet entsprechend schnell auch die gesuchten Unterlagen. Doch Brahm wird noch in diesem Quartal aus dem Dienst der Gemeinde ausscheiden. Eine Nachfolgerin ist bereits gefunden. Sie wird sich künftig auch um das Gemeindearchiv kümmern.

Die ehemalige Dienstwohnung im Alten Amtshaus will die Verwaltung künftig für ihr Archiv nutzen. Gemeindedirektor Wilhelm Budde nutzte das Obergeschoss des historischen Hauses einst als Wohnung. Der Charme der 1970-er Jahre ist in den Räumen unter dem Dach des Amtshauses auch heute noch erkennbar. Die Gemeinde hatte in der Vergangenheit lediglich Dachgauben, die einst für die Nutzung als Wohnraum eingebaut worden waren, zurückgebaut.

Mehrere Ortstermine mit dem Archivamt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) ergaben, dass die Räume grundsätzlich für die Unterbringung des Archivs geeignet sind. Die Frage ist nur, ob das Haus auch die schwere Last der Regale und Akten trägt. Ein Architekturbüro aus Steinfurt prüft derzeit die Statik. Die UWG-Fraktion hatte im Zuge der Haushaltsplanberatungen entsprechende Schritte für die Unterbringung des Gemeindearchivs gefordert.

Im Zuge des Ausbaus des Obergeschosses sollen auch Büroräume entstehen, erläuterte Andreas Joost aus dem Hauptamt der Gemeindeverwaltung auf Anfrage.

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