Hilfe für Afrika
96-Jährige strickt für Aidskranke

Metelen -

Sie ist 96 Jahre alt, hat 23 Urenkel und ein großes Hobby: Stricken. Anne Lewing stellt ihre Fertigkeiten mit Nadeln und Garn seit einiger Zeit in den Dienst der guten Sache und strickt Socken für Kinder in Afrika. Klementine Gänsler hat den Kontakt zu Ordensschwestern organisiert.

Samstag, 16.12.2017, 06:12 Uhr

Änne Lewing (M.) strickte in diesem Jahr bereits mehr als 30 Socken für bedürftige Kinder in Südafrika. Maria Schlieben (l.) und Klementine Gänsler danken der 96-Jährigen für deren Unterstützung des Metelener Hilfsprojekts.
Änne Lewing (M.) strickte in diesem Jahr bereits mehr als 30 Socken für bedürftige Kinder in Südafrika. Maria Schlieben (l.) und Klementine Gänsler danken der 96-Jährigen für deren Unterstützung des Metelener Hilfsprojekts. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Urgemütlich ist es in Änne Lewings Stube auf dem Bauernhof. Ein hoher Schrank beherbergt schönes Porzellan und an dem Tisch mit seinen hölzernen Stühlen nehmen immer wieder gerne die vielen Enkel und Urenkel Platz, wenn sie die 96-Jährige besuchen. Die alte Dame sitzt in ihrem weichen Sessel, der gleich am Fenster steht. Es ist ihr Lieblingsplatz. Gleich daneben: das Strickzeug, schnell zu erreichen, denn die Beine wollen nicht mehr so recht.

„Ich habe eigentlich fast immer Strickzeug zur Hand“, berichtet die Seniorin und auch davon, dass sie irgendwie schon immer gestrickt habe. Früher auch Pullover, komplizierteste Muster, für die Kinder, die Familie. Gelernt hatte sie die Handarbeit, wie so viele Frauen ihres Alters, bereits als Kind. Und Freude daran gefunden. Ein Hobby, dass sie ihr ganzes Leben lang begleitet hat.

Dies war auch Klementine Gänsler zu Ohren gekommen. Die Metelenerin engagiert sich seit vielen Jahren für Hilfsprojekte von Ordensschwestern in Südafrika. „Ich habe sie gefragt und seither strickt sie auch dafür“, freut sich Gänsler und auch Maria Schlieben , die ebenfalls im Projekt aktiv ist, über die Unterstützung.

In Änne Lewing fanden sie eine Frau, die es nicht bei ein, zwei Paaren belässt. 30 Paare kamen zusammen, wärmende Fußbekleidung, die in den nächsten Paketen, die Klementine Gänsler zu den Dominikanerschwestern nach Afrika schickt, auf die Reise gehen.

„Wer in der Vorstellung lebt, dass Afrika ja ein heißer Kontinent ist, der irrt. In Südafrika gibt es genauso gut Winter wie bei uns“, erklärt Gänsler. Auch dort sinken die Temperaturen auf bis zu fünf, sechs Grad in der Nacht. Da die Hütten, in denen die Menschen leben, keine Heizungen haben, sind wärmende Socken höchst willkommen.

Dies bestätigen auch die Ordensschwestern aus den vier Missionsstationen, zu denen die Metelenerin Kontakt hat. „Besonders Aidspatienten haben ständig kalte Füße“, weiß Gänsler und berichtet von der Arbeit der Schwestern, die neben Kindergärten und Schulen auch ein Aidshospiz nebst Waisenhaus betreiben sowie daneben auch noch aufsuchende Sozialarbeit leisten.

„Sie sind auf Unterstützung angewiesen“, erklärt Gänsler und schildert, dass nicht nur Änne Lewing, sondern auch noch weitere Frauen aus Metelen fleißig die Stricknadeln klappern lassen, um das Projekt zu unterstützen.

18 Pakete schickte Gänsler allein in diesem Jahr nach Afrika, jedes zehn Kilo schwer, und jedes Mal musste sie 63 Euro fürs Porto berappen. „Ich freue mich, dass es Menschen gibt, die immer mal wieder eine Paketgebühr übernehmen“, sagt Gänsler.

Seit Jahren näht sie Patchworkdecken für Mittellose in Südafrika, und neuerdings auch Schultertaschen für die Kinder. Alles geht in Paketen auf die Reise – der zuverlässigste Weg, damit die Sachen auch ankommen. Jedes Mal mit dabei: Socken. Auch die 30 teils quietschbunten Exemplare in vielen Größen, die in der gemütlichen Stube von Änne Lewing entstanden sind. „Ach, das läuft ja meist so nebenbei“, lacht die Seniorin und verrät, dass sie mitunter zugleich in einem Buch liest und dabei strickt. Nur wenn’s komplizierter wird, etwa bei doppelt gestrickten Hacken, dann schaut sie genauer hin.

Zum Thema

Kontakt: Klementine Gänsler, Telefon 0 25 56/ 77 94.

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