Lesung mit Beate Meißner-Watermann
Von vielfältiger Zerrissenheit

Metelen -

„Der Verlorene“, ein Roman von Hans Ulrich Treichel, stand im Fokus einer Lesung mit Beate Meißner-Watermann. Zwischen den Vorlesehappen suchte sie immer wieder das deutende Gespräch mit den Hörerkreis.

Donnerstag, 14.12.2017, 13:12 Uhr

Las in der Kulturetage: Beate Meißner-Watermann.
Las in der Kulturetage: Beate Meißner-Watermann. Foto: a

„Es ist sicher nicht mein Lieblingsbuch, aber die Vielschichtigkeit der Problemlagen hat mich durchaus beschäftigt.“ Als Beate Meißner-Watermann am Dienstag nach ihrer Lesung in der Kulturetage das Buch „Der Verlorene“ zuklappt, können die Zuhörer ihrer Lesung für die Kulturinitiative Metelen (KIM) diesen Eindruck mit nun etwas kenntnisreicherer Hörerfahrung bestätigen.

Der Roman von Hans Ulrich Treichel ist sicherlich kein literarischer Leckerbissen. Und das ist nicht nur der komplizierten Themenvielfalt zwischen Vertreibung aus dem Osten, Flucht vor „den Russen“, Wiederaufbau im Westen, brüchigem Nachkriegsdeutschland und einer irgendwie sprachlosen Familiensituation geschuldet.Auch wenn Beate Meißner-Watermann zwischen den Vorlesehappen immer wieder das deutende Gespräch mit den Hörerkreis sucht, bleibt die Vorlage zwischen Geschichtserfahrungen und privater Ratlosigkeit nur schwer aufzulösen. Das große Thema Flucht und Vertreibung wird hier eher brennglasartig auf eine innerfamiliäre Problemlage destilliert, in deren Mittelpunkt der auf der Flucht verloren gegangene Bruder Arnold des namenlosen Ich-Erzählers steht. Auch die Hoffnung, Arnold – der jetzt Heinrich heißen soll – viele Jahre später doch noch wiederzufinden, mündet trotz eigenartiger Ähnlichkeitsuntersuchungen, die an Nazi-Deutschland erinnern, nicht in den erhofften Erfolg.

Also beobachtet man den wirtschaftlichen Erfolg des Vaters, der jäh zerplatzt und an dessen Folgen er stirbt, die Mutter noch tiefer in ihre durch keine Kur zu heilende Schwermut versinken lässt und den in dieser vielfältigen Zerrissenheit pubertierende Erzähler – sie alle bleiben irgendwie verloren.

Durch ihre ruhige Lesung und ihr nachhaltiges Nachfragen gelingt es Beate Meißner-Waterkamp, in diese Gemengelage ein wenig Interpretationslicht zu bringen. Und das in einem angenehmen Kultur-Etage-Rahmen.

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