März 1973: Fritz Dieck und sein Coup auf einem Flohmarkt in Essen
Eine Stradivari zum Sonderpreis?

Lienen -

Davon träumt ein jeder Jäger und Sammler: einmal auf dem Flohmarkt den ganz großen Coup landen, aus der Vielzahl der Schätzchen einen echten Schatz heben. Von einem solchen Ereignis berichtet der „Tecklenburger Landbote“ in seiner Ausgabe vom 8. März 1973, wobei die Echtheit des Schatzes zunächst nicht gewiss ist:

Samstag, 02.12.2017, 13:12 Uhr

Nach Fritz Diecks Rückkehr vom Flohmarkt in Essen bekam die geheimnisvolle Geige einen Platz im Tresorraum der Lengericher Stadtsparkasse.
Nach Fritz Diecks Rückkehr vom Flohmarkt in Essen bekam die geheimnisvolle Geige einen Platz im Tresorraum der Lengericher Stadtsparkasse. Foto: Michael Schwakenberg

„Seit geraumer Zeit wird im Tresor der Lengericher Stadtsparkasse ein ungewöhnlicher Wertgegenstand aufbewahrt: Eine alte Geige. Das Musikinstrument soll solange dort bleiben, bis ein Musikexperte aus Hannover wieder gesund ist und feststellen soll, ob es sich hier um eine echte Stradivari-Geige handelt. Da eine echte „Stradivari“ heute bis zu 80 000 DM kosten kann, will der augenblickliche Besitzer ganz sicher gehen, und keinem Einbrecher Anlass geben, in seiner Wohnung einzubrechen, um die Geige zu stehlen. Die Geige gehört heute F. Dieck aus Lienen. Wie kam er zu dem seltenen Stück?

Fritz Dieck ist gelernter Former und besitzt heute eine Fellboutique. Daneben hat der junge Mann eine Schwäche für antike Stücke aller Art. In der vergangenen Woche besuchte er einen Flohmarkt in Essen/Ruhr. da fiel ihm ein Amateur-Händler auf, der eine alte Geige verkaufen wollte. Obwohl F. Dieck nicht viel von Musikinstrumenten versteht, fühlte er sich von der Geige angezogen. Nach kurzem Handel wechselten Geige und Geigenkasten den Besitzer. Blanke 70 DM hat der Mann aus Lienen dafür auf den Tisch geblättert. Er wusste zunächst mit seinem neuen Besitz nicht viel anzufangen. Andere Amateur-Händler kamen hinzu und sahen sich die Geige an. Als die Männer genauer hinsahen, entdeckten sie in der Geige den Namenszug ,Antonius Stradivarius‘ und dazu die Jahreszahl 17. . .

Sofort erkannte einer der Umstehenden, dass es sich hier um ein ungewöhnliches Musikinstrument handeln musste. Er bot zunächst das Mehrfache von 70 DM. Ein anderer hielt dem Besitzer vier Hundertmarkscheine hin.

Das sahen auch die Journalisten. Sie witterten eine Sensation. Noch währen einer der Zeitungsleute sich um einen Experten bemühte, wurden dem Besitzer 100 DM bar auf die Hand geboten. Wenn F. Dieck jetzt zugeschlagenhätte, wäre daraus vielleicht ein glänzendes Geschäft für ihn geworden. Inzwischen war auch der Verkäufer hellhörig geworden. Er wollte das Stück um jeden Preis zurückhaben. Aber das Geschäft war einwandfrei abgeschlossen worden. Böse und bitter enttäuscht zog sich der Mann schließlich zurück. Dass es ic bei der Geige möglicherweise um eine „Stradivari“ handeln könnte, hatten weder der alte noch der neue Besitzer mit ihrem Laienverstand feststellen können.

Dafür tauchte aber nun der von Journalisten herbeigeholte Musiker auf. Er besah sich das Stück sehr genau, klopfte mit dem Finger auf das alte Holz und tat sehr geheimnisvoll. „Selbst auf die Gefahr, dass es sich hier um eine Fälschung handelt, biete ich ihnen 5000 DM.“ Aber F. Dieck aus Lienen wollte nun nicht mehr. Er nahm seinen frisch erworbenen Schatz und machte sich damit auf und davon. Das war leichter gesagt als getan. Plötzlich stand er mit seinem Geigenkasten im Mittelpunkt des Interesses. Blitzlichter flammte auf. Alle wollten den „Mann mit der Geige“ auf einmal fotografieren. „Was werden Sie mit dem Geld anfangen, wenn die Geige echt ist?“ wollte einer wissen. F. Diek winkte ab. Er hatte nur den Wunsch, mit der Geige nach Hause zu kommen und dort in Ruhe nachzudenken.

Zunächst wurde das ungewöhnliche Stück in Sicherheit gebracht. Bis zur Überprüfung durch Experten wird die Spannung im Hause Dieck kaum nachlassen. Aber F. Dieck sagte heute schon, wenn es sich wirklich um einen echte ,Stradivari‘ handeln sollte, die ihm auf so ungewöhnliche Art zugefallen ist, dann will er dem früheren, ahnungslosen Besitzer und Amateur-Händler einen nennenswerten Anteil auszahlen. Aber vorläufig geht das neue Rätselraten weiter.“

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