Erwin Nüßmeyer ist ein Urgestein des MGV „Heimatklang“ Settel
Aus „Lalala“ werden 70 Jahre singen

Lengerich -

Der Lengericher Erwin Nüßmeyer ist so lange im MGV „Heimatklang“ Settel wie die Bundesrepublik alt ist: 70 Jahre. Dafür wird er am Sonntag im „Centralhof“ geehrt.

Freitag, 18.10.2019, 05:45 Uhr aktualisiert: 18.10.2019, 11:06 Uhr
Seit 70 Jahren singt Erwin Nüßmeyer im MGV „Heimatklang“ Settel im zweiten Tenor. Foto: Michael Baar

„Du gehst in den zweiten Tenor.“ Eine klare Ansage von Karl Fiedler an den 17-Jährigen. Der Chorleiter hatte den jungen Mann in der Probenpause zur Seite genommen, ihn vorsingen lassen. „Eigentlich war das nur ein bisschen Lalala“, schmunzelt Erwin Nüßmeyer . 70 Jahre ist das her – und er singt immer noch im zweiten Tenor.

Im Sommer 1950 hatte er seinen alten Schulfreund Werner Rosocha wiedergetroffen. Die jungen Männer unterhalten sich, Werner Rosocha erzählt, dass er dem Männerchor „Heimatklang“ Settel beigetreten war. „Komm doch auch zum Singen“, mit diesen Worten endete das intensive Gespräch, erinnert sich Erwin Nüßmeyer.

Am Dienstag darauf macht er sich auf den Weg zur Gaststätte Beumer-Stöppel, wo der „Heimatklang“ probt – auch heute noch, allerdings montags. „ich habe mich neben einen älteren, erfahrenen Sänger gesetzt und konnte bald mithalten“, erinnert sich der Landwirt an die ersten Probenabende. „Was mir sofort aufgefallen ist, war das gute Miteinander, das allen wichtig war“, blickt Erwin Nüßmeyer im Gespräch mit den WN zurück. „Das ist heute noch so und zeichnet den Verein aus“, stellt er fest.

An seinen ersten Auftritt erinnert er sich noch gut. Das war 1951, der Chor feierte sein 25-jähriges Bestehen. Für Erwin Nüßmeyer waren die Probenabende immer „eine gute Gelegenheit, einmal in der Woche einen Abend Freizeit zu haben“. Dass er so ganz nebenbei das Neueste aus Lengerich erfuhr, „gehörte damals dazu. Fernsehen hatte ja noch keiner und ein Radio auch nicht jeder“.

Nach einem Jahr wird der junge Sänger zum Notenwart bestimmt, 1952 als erster Schriftführer in den Vorstand gewählt. Ein Amt, das er 22 Jahre ausübt. Längst singt er nicht mehr nur im zweiten Tenor, die ersten Solo-Auftritte für ihn stehen an. „Also man stand schon mit dem Chor auf der Bühne, trat nur etwas vor“, beschreibt er, wie das damals ablief. Den Titel seines ersten Solos weiß er nicht mehr, nur „das war irgendwas mit Kolja, Kolja, Kolja“, erzählt er. So wie der 87-Jährige das intoniert, könnte es ein russisches Volkslied gewesen sein. Mit der „Heimatmelodie“ stand er des öfteren als Solist vor dem Chor und erntete viel Applaus.

Mit den Chorleitern, auf Karl Fiedler folgten Horst Müller, Werner Peters und – seit 20 Jahren – Andreas Oeljeklaus, ist er immer gut ausgekommen. Nur als die Probenabende auf den Montag gelegt wurden, hatte er Bedenken. „Ich war skeptisch“, räumt er ein, „aber es hat sich positiv entwickelt.“ Selten ist Erwin Nüßmeyer einer Probe ferngeblieben. „Wenn Heu- und Spargelernte waren, kam das schon mal vor“, erinnert er sich.

Neben dem Singen hat im „Heimatklang“ das plattdeutsche Theaterspiel eine große Tradition. Und auch Erwin Nüßmeyer ließ sich nicht lange bitten und stand auf den Brettern, die die Welt bedeuten sollen. Ob er so den Grundstein legte für die Theater-„Dynastie“ Nüßmeyer? Sein Sohn Hartwig ist seit Jahrzehnten dabei, seine beiden Enkel ebenso und die Schwiegertochter hilft als Souffleuse, wenn der Text mal gerade nicht parat ist.

Auch der Kartenverkauf für die Aufführungen lief durch das Haus Nüßmeyer. Seine Frau Anemie war Erwin Nüßmeyer dabei über Jahrzehnte eine große Stütze. „Im Vorfeld der Aufführungen gab es abends immer eine Telefonkonferenz mit Familie Snethkamp, die ebenfalls Kartenbestellungen entgegennahm“, erzählt er. Da musste dann abgestimmt werden, welche der nummerierten Plätze schon verkauft waren und welche noch zur Verfügung standen.

Eines hat sich für den 87-Jährigen nicht geändert: Die Chorproben sind so etwas wie ein „Pflichttermin“ für ihn. Weil‘s in Fahrgemeinschaft zu Beumer-Stöppel geht, „gibt‘s auch keine Ausrede, nicht mitzukommen“, lacht er.

Ehrungen hat er schon einige erfahren. Am Sonntag, 22. Oktober, steht die nächste an: Bei der Jubilarehrung des Sängerkreises Nordwestfalen im „Centralhof“, Lienener Straße 15, ausgerichtet vom Frauenchor Lengerich, gibt es die Urkunde für 70 Jahre aktives Singen im Chor. Die Veranstaltung beginnt um 10.30 Uhr, Freunde der Chormusik sind willkommen.

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