Eisenbahnbrücke in Hohne
Entscheidung auf 2021 vertagt

Lengerich -

Ende März ist die marode Fußgänger- und Radfahrerbrücke über die Bahnstrecke in Hohne abgerissen worden. Ob ein Neubau kommen wird? Bürger sammeln schon Unterschriften für dieses Vorhaben. Im Planungsausschuss steht man einem Neubau positiv gegenüber. Da die Finanzierung offen ist, soll die Entscheidung vertagt werden.

Samstag, 11.05.2019, 06:22 Uhr aktualisiert: 11.05.2019, 06:30 Uhr
Nach Abriss der Brücke künden nur noch die drei Tragpfeiler vom einstigen Bahnübergang in Hohne. Foto: Michael Baar

Wird die abgerissene Fußgängerbrücke über die Eisenbahnstrecke in Hohne durch einen Neubau ersetzt? Eine erste Antwort hat am Donnerstagabend der Planungsausschuss gegeben. Einstimmig ist die Verwaltung beauftragt worden, entsprechende Planungen vorzubereiten. Ein kleines „aber“ ist in den Beschluss eingebaut worden: Erst im Jahr 2021 sollen die Vorbereitungen wieder aufgenommen werden, entsprechende Finanzmittel im Etat eingeplant werden.

Dass an diesem Aufschub kein Weg vorbeiführt, darin sind sich die vier Fraktionen einig. Die Argumentation des Bürgermeisters teilen sie. „Wir haben in den nächsten Jahren große Projekte zu stemmen“, verweist Wilhelm Möhrke unter anderem auf den Neubau für die Gesamtschule. In zwei Jahren, davon ist er überzeugt, „ist zu erkennen, ob noch Geld für eine Brücke da ist“.

Denn ein Neubau wird rund eine Million Euro kosten. Das verdeutlicht Holger Lange anhand von Planvarianten. Die günstigste Lösung ist über den groben Daumen mit 860 000 Euro eingepreist worden. Zwei weitere Varianten würden 1 130 000 beziehungsweise 980 000 Euro kosten. Der Unterschied zum ersten Vorschlag: „Bei den Versionen 2a und 2b würde auf den Mittelpfeiler verzichtet werden“, erläutert der Fachdienstleiter Straßenbau.

Egal, für welche Lösung sich die Politik entscheidet: „Eine barrierefreie Fußgänger- und Radfahrerbrücke ist nicht zu realisieren“, verweist der Verwaltungs-Fachmann auf die dafür fehlenden Flächen. Was dazu führt, dass Andreas Kuhn gleich einen weiteren Prüfauftrag formuliert. „Barrierefreiheit ist meines Wissens bei Neubauten zwingend vorgeschrieben. Da müsste geklärt werden, ob es eine Ausnahmeregelung gibt“, fordert der SPD-Fraktionsvorsitzende.

Aber auch bei den Kosten sollte noch Einsparpotenzial ausgelotet werden. Jens Kröger hat dabei die Kosten für die erforderlichen Streckensperrungen im Blick. Dafür verlangt die Bahn rund 55 000 Euro, „netto“, wie Holger Lange hinzufügt. „Wenn die Bahn die Gleise im Bahnhof saniert, muss die Strecke doch auch gesperrt werden. Vielleicht könnte man das mit dem Brückenbau kombinieren“, regt der Vorsitzende der FDP-Fraktion an. Auch das soll eruiert werden.

Handlungsbedarf bei zwei Brücken

Die im Sechs-Jahre-Rhythmus stattfindende Brückenhauptuntersuchung hat im vergangenen Jahr das „Aus“ für die Fußgängerbrücke in Hohne bedeutet. Über den Zustand der anderen vier städtischen Brücken über die Bahnstrecke Osnabrück-Münster berichtet Holger Lange, Fachdienstleiter Straßenbau, im Planungsausschuss.Talstraße: Nach der Sanierung in den Jahren 2014/2015 wurden als Mängel Schmutzablagerungen, eine teilweise beschädigte Beschilderung und teilweise Querrisse (kleiner als 0,2 Millimeter) entdeckt. Zustand: Note 2,0. Erforderliche Maßnahmen: keine.Iburger Straße: Mängel: Betonabplatzung mit freiliegender Bewehrung; Rissbildung an Lagersockel und Gesimse; Geländer entspricht nicht den gültigen Vorschriften; Fahrbahnbelag sowie Anschlussfugen teilweise geschädigt. Zustand: 2,8. Erforderliche Maßnahmen: Instandsetzung Überbau, Erneuerung Fahrbahn (kleinflächig), Instandsetzung Fugen in Belag und Kappe, Erneuerung Brüstung, Böschungstreppe und -befestigung.Hohner Damm: Betonabplatzung mit freiliegender Bewehrung; Rissbildung an Lagersockel und Gesimse; mehrfache Abplatzungen an der Kappenoberseite; Geländer entspricht nicht gültigen Vorschriften; Absackungen im Bereich von Bauwerk-Anschlüssen; verrostete Schrauben (auch an der Erdung); Fahrbahnbelag sowie Anschlussfugen stellenweise geschädigt. Zustand: 2,8. Erforderliche Maßnahmen: Instandsetzung Überbau; Erneuerung Fahrbahn (kleinflächig); Instandsetzung Fugen im Belag, Kappe und Kappenfugen; Erneuerung Brüstung/Geländer; Anschluss Schutzplanken; Erneuerung Böschungstreppe und -befestigung.Hohner Mark: Betonabplatzung mit freiliegender Bewehrung; Rissbildung an Lagersockel und Gesimse; mehrfach Abplatzungen an der Kappenoberseite; Geländer entspricht nicht gültigen Vorschriften; Anschluss an Leitplanken nicht kraftschlüssig verbunden; verrostete Schrauben (auch an der Erdung); Fahrbahnbelag sowie Anschlussfugen stellenweise geschädigt. Zustand: 2,8. Erforderliche Maßnahmen: Instandsetzung Überbau; Erneuerung Fahrbahn; Instandsetzung Belag-Fugen, Kappe und Kappenfugen; Erneuerung Brüstung, Berührungsschutz; Anschluss Schutzplanken; Erneuerung Böschungstreppe und -befestigung.Aufgrund dieser Ergebnisse soll die Brücke Hohner Damm als erste saniert werden (Planung 2020, Sanierung 2021). In den Jahren 2022 (Planung) und 2023 (Sanierung) wäre die Brücke Hohner Mark zu sanieren. Mittelfristig müsse auch bei der Brücke Iburger Straße investiert werden, so Holger Lange. Die Kosten für Hohner Damm und Hohner Mark schätzt er vorsichtig auf 500 000 beziehungsweise 550 000 Euro.Die nächste Hauptuntersuchung steht im Jahr 2024 an.

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Dass eine neue Fußgänger- und Radfahrerbrücke in Hohne kommen soll, darüber besteht Konsens. Mit dem Vorbehalt der Kostenfrage. Auch wenn es Ulrich Weiß nach eigenem Bekunden „momentan schwer fällt“. Schließlich sei der Umweg für Radfahrer – rund 500 Meter – kein wirkliches Hindernis, so das Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen.

Am Wunsch der Hohner Bürger nach einer neuen Brücke hat Klaus Reiher nichts auszusetzen. Auch dass diese sich für das Projekt einsetzen, steht für den Fraktionsvorsitzenden der CDU außer Zweifel. Was ihm persönlich sauer aufstößt, ist etwas anderes: Die Sammlung von Unterschriften pro Brückenneubau, um Druck auf den Stadtrat auszuüben. „Wir im Rat haben immer Respekt für die Bürger gezeigt. Wir können alle ohne Druck aus der Bevölkerung entscheiden. Warum ist nicht erstmal das Gespräch gesucht worden?“

Sozialdemokrat Karl-Heinz Horstkotte, der lange Zeit mit Klaus Reiher um das Direktmandat in einem Hohner Wahlkreis gerungen hat, sieht die Sache entspannter: „Es ist legitim, wenn Bürger sich für ihr Viertel einsetzen. In Hohne ist immer schon viel über Eigeninitiative gelaufen, beispielsweise beim Stadionbau.“

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