Eurobahn-Erlebnis eines Fußballfans
Volle Züge und leere Versprechen

Samstag war Derby-Zeit in Münster. Die Preußen erwarteten den VfL Osnabrück und eine Menge Fans, von denen viele mit dem Zug anreisten. Das allerdings konnte seine Tücken haben, wie ein WN-Redakteur am eigenen Leib erfuhr.

Montag, 18.02.2019, 17:05 Uhr aktualisiert: 18.02.2019, 17:13 Uhr
Die RB 66 pendelt im Normalfall zwischen Osnabrück und Münster mit Halt in Lengerich. Foto: Luca Pals

Es ist Frühling im Februar, die Sonne scheint, das Derby Preußen Münster gegen VfL Osnabrück steht bevor, und anschließend soll noch in netter Runde ein Helles genossen werden – es schien so, als ob der Samstag für mich als Fan des Lila-Weißen-Spitzenreiters der 3. Liga ein schöner Tag hätte werden können. Nun, das Spiel war ok und das Bier schmeckte auch. Die Zugreise indes, die hatte es in sich. Aber eigentlich hätte ich es ja ahnen können.

Als Lokalredakteur beschäftige ich mich seit über einem Jahr in schöner Regelmäßigkeit mit der Eurobahn . Der Betreiber der RB 66, die die Stadt mit Münster und Osnabrück verbindet, sorgt immer wieder für Negativ-Schlagzeilen und animiert so manchen WN-Leser, seinen Frust über Verspätungen, ausgefallene Züge und fehlende Informationen per E-Mail oder Telefonat in der Redaktion abzulassen. Am Samstag wurde ich nun zum „Opfer“ des Unternehmens.

Zusammen mit einem Freund sollte es also nach Münster gehen. Der hatte das Zugticket besorgt, wollte allerdings schon in Hasbergen einsteigen. Kurz bevor die Regionalbahn um 11.33 Uhr in Lengerich eintraf, meldete er sich über Handy. Die schlechte Nachricht: Der Zug war überfüllt, Sicherheitspersonal verwehrte ihm und anderen den Zutritt. Die gute Nachricht: Die Wartenden wurden auf eine Sonder-RB 66 verwiesen, die in circa zehn Minuten kommen sollte.

Als der picke-packe volle Zug, der übrigens ziemlich kurz war, in Lengerich ankam, teilten auch mir die an den Türen postierten Leute vom Sicherheitsdienst mit, dass ich doch bitte auf die nächste Verbindung in zehn Minuten warte solle. Viele der Leute drängten sich dennoch in die Regionalbahn. Ich verzichtete, da ich kein Ticket hatte und auf die Aussage auf den Sonderzug vertraute. Es sollte sich zeigen, dass das naiv war.

Nach zehn Minuten kein Zug, aber ein Anruf meines Freundes. Der erzählte, in Hasbergen warte man bislang vergeblich. Nach 15 Minuten der nächste Anruf: Der Zug sei endlich gekommen – und ohne zu halten durch Hasbergen durchgefahren! Wenig später brauste die RB 66 auch in Lengerich an den verdutzten Möchte-gern-Bahnfahrern vorbei. Das i-Tüpfelchen: Diesmal verfügte der Zug über ausreichend Waggons, die bei Weitem nicht voll waren. So viel konnte ich erhaschen, als die Eurobahn durch den Bahnhof raste.

Per Telefonkonferenz brüteten wir nun über einem Notfallplan. Sollten wir uns darauf verlassen, dass uns der nächste Zug – Ankunft in Lengerich 12.33 Uhr – mitnehmen würde? Wir hatten keine Alternative. Ich war mit dem Fahrrad zum Bahnhof gekommen, mein Freund zu Fuß, der schnelle Umstieg aufs Auto daher nicht möglich.

Die nächste RB 66 kam dann pünktlich um kurz nach Halb. Die weitere Anreise verlief glatt, zum Anpfiff schafften wir es passend ins Stadion. Und auch am Abend setzte sich die Eurobahn zurück gen Lengerich/Hasbergen fahrplanmäßig in Bewegung. Doch zu Ende war die Geschichte damit noch nicht: Während ich mich nach dem Aussteigen mit dem Fahrrad auf die letzte Etappe des Heimwegs machte, musste mein Freund zusammen mit ein paar weiteren Eurobahn-Kunden unfreiwillig bis Osnabrück fahren. Die Tür des Waggons war in Hasbergen nicht aufgegangen. Ehe sie an der nächsten waren, hatte sich die RB 66 schon wieder in Gang gesetzt.

Aber was soll‘s, Hauptsache nicht verloren!

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