Verurteilung wegen Nötigung & Sachbeschädigung
Rentner geht nach „Wildwestmanier“ vor

Lengerich/Tecklenburg -

Offenbar weil eine vor ihm fahrende Frau seiner Ansicht nach zu langsam unterwegs war, hat ein 60-jähriger Lengericher im vergangenen Mai auf der Bahnhofstraße zu rabiaten Mitteln gegriffen. Der Fall landete nun vor dem Amtsgericht und endete mit der Verurteilung des Rentners.

Sonntag, 14.10.2018, 17:33 Uhr aktualisiert: 14.10.2018, 19:36 Uhr
  Foto: dpa

Es sei für ihn „völlig unvorstellbar, wie man sich als erwachsener Mann so aufführen kann.“ Mit diesen Worten wandte sich der Richter am Amtsgericht Tecklenburg nach dem Urteilsspruch an den Angeklagten. Er hatte den 60-jährigen Lengericher wegen Nötigung und Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 25 Euro verurteilt und ein zweimonatiges Fahrverbot ausgesprochen. „Der Sachverhalt hat sich mit Abstrichen so ereignet, wie in der Anklage beschrieben“, stellte das Gericht fest.

Demnach hatte der Rentner im Mai in Lengerich eine vor ihm in einem Pkw fahrende junge Frau bedrängt, weil sie seiner Meinung nach zu langsam fuhr. Er überholte, scherte unmittelbar vor ihr ein, bremste und stieg aus, um sie zur Rede zu stellen. Weiter schlug oder trat er gegen den Spiegel auf der Beifahrerseite, sodass dieser aus der Verankerung riss.

"Eigentor" des Anwalts

Zunächst mochte der Mann sich zu den Vorwürfen der Anklage nicht äußern. Erst als sich die heute 19-Jährige aus Telgte scheinbar in Widersprüche verwickelte, rückte sein Verteidiger mit den Aufnahmen der Dashcam heraus, die das Geschehen auf dem östlichen Ende der Bahnhofstraße aus dem Fahrzeug des Angeklagten heraus aufgezeichnet hatte. Was der Anwalt „zur Entlastung des Angeklagten und zur Belastung der Zeugin“ eingeführt hatte, ging aber nach hinten los. „Defensive Fahrweise sieht anders aus“, kommentierte der Richter trocken das, was er da auf dem Laptop des Verteidigers sah.

Das Gericht sah in den Widersprüchen der jungen Frau „keine absichtliche Falschaussage“, vielmehr habe sie das Geschehen anders in Erinnerung gehabt, weil sie „völlig aufgelöst“ gewesen sei. Diesen Eindruck bestätigten Zeugen.

Hohes Maß an Aggressivität

Eine Standpauke des Gerichts, der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung bekam allerdings ein Zeuge, dessen Aussagen sprachlos machten. Der 25-jährige Lengericher war durch mehrfaches Hupen aufmerksam geworden und hinausgegangen. Er verstrickte sich aber derart in Widersprüche, dass die Juristen ihm die Glaubwürdigkeit komplett absprachen. „Wir sind auf Zeugen angewiesen, und wenn sie etwas Wesentliches weglassen, ist das hier im Gericht eine Falschaussage“, erklärte ihm die Staatsanwältin. Auf eine Vereidigung des jungen Mannes wurde gleichwohl verzichtet.

Die Polizeibeamten, die die 19-Jährige zu Hilfe gerufen hatte, bescheinigten dem 60-jährigen Angeklagten, den sie an seiner Wohnadresse antrafen, ein hohes Maß an Aggressivität. „Er war sehr aufgebracht“, erinnerten sie sich. Er habe ihnen das Fahrzeug nicht zeigen und den Vorfall zunächst nicht bestätigen wollen. Auch die Aufnahmen habe er nicht erwähnt.

„Auf dem Video sieht man deutlich, dass es ihnen nicht schnell genug ging“, fasste der Richter das Tatgeschehen zusammen, das er als „Wildwestmanier“ beschrieb.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6121926?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F175%2F
Die Rehkitz-Mama von Warendorf
Während sie Fremden gegenüber misstrauisch sind, haben sie bei ihrer Ziehmutter keine Berührungsängste.
Nachrichten-Ticker