Transidentität Thema bei der AWO
Fremd im eigenen Körper

Lengerich -

Der Fachbereich Jugendarbeit und Sexualpädagogik der Arbeiterwohlfahrt im Unterbezirk Münsterland-Recklinghausen hat aus Anlass seines 30-jährigen Bestehens zu einer Veranstaltung zum Thema Transidentität nach Lengerich eingeladen.

Montag, 19.03.2018, 18:03 Uhr

Informationen aus erster Hand zum Thema Transidentitäten vermittelten Dr. Bernhard Liedl (links) und Jaron T. den Zuhörern im AWO-Begegnungszentrum. Foto: Luca Pals

Geboren wurde er als Frau, nun zeigt seine äußere Erscheinung das Bild eines Mannes: Die Rede ist vom 44-jährigen Jaron T., gebürtig aus Lengerich. Nach seinem Coming-Out im Jahr 2014 unterzog er sich schon bald einer ersten Operation. „Ganz fertig“, sagt er, sei er aber noch nicht. Seine Verwandlung galt als Paradebeispiel für den Fachtag des AWO-Unterbezirks Münsterland-Recklinghausen zum Thema Transidentitäten.

Unter dem Titel „Von Leben zu Leben“ lud die Arbeiterwohlfahrt anlässlich des 30-jährigen Bestehens ihres Fachbereichs Jugendarbeit & Sexualpädagogik in das Lengericher Begegnungszentrum ein. Grund für die zahlreich erschienenen Interessierten war fraglos auch die Prominenz: Als besonderer Gast war Dr. Bernhard Liedl, Chefarzt der Abteilung Rekonstruktive Urogenitalchirurgie München, aus dem Süden der Republik nach Lengerich gekommen. Als international renommierter Spezialist für geschlechtsangleichende Operationen mit über 25-jähriger Erfahrung referierte er vor über 60 Besuchern.

Alexander Daum freute sich über das große wie bunt gemischte Publikum, das von Betroffenen und deren Eltern über Psychotherapeuten der Uniklinik Münster bis zu Menschen reichte, die sich einfach für das Thema interessierten. Der Sexualpädagoge betonte, dass die AWO neben Projekten in Schulen und Vereinen vor allem Beratungen für Betroffene und Eltern sowie Multiplikatoren aus öffentlichen Einrichtungen anbiete. Das vorrangige Ziel sei, „Jugendliche zu befähigen, selbstbewusst und selbstbestimmt mit ihrer Sexualität umzugehen“.

Bernhard Liedl, der im Jahr 2016 knapp 160 Personen operierte und die Patienten vor und nach den Operationen begleitete, beschrieb in seinem Vortrag den Weg vom Mann zur Frau – und andersherum. Eines machte er sofort deutlich: Mit dem Wort „Patient“ könne er sich nicht anfreunden. „Die Menschen, die ich behandle, sind ja nicht krank. Jeder von uns ist anders. Und daher ist es falsch, im Vorfeld festzulegen, wie jemand zu leben hat.“ Der Applaus des Publikums war ihm sicher.

Jaron T. hatte bereits im Vorfeld gesagt: „Es geht, anders als bei homosexuellen Menschen, nicht um die sexuelle Ausrichtung, sondern um die eigenen Identität.“ Daher würde er – wie die AWO auch – den Begriff Transidentität dem der Transsexualität vorziehen.

Die erste Umwandlung auf deutschen Boden habe 1982 stattgefunden, seitdem hätten sich mehr als 22  000 Menschen einer Geschlechtsangleichung unterzogen, nannte Jaron T. Zahlen. Mit dem Aufkommen des Internets sei die Zahl „rasant angestiegen“, da die Informationen sowie die Aufklärung viel besser zu greifen wären. Das sei bei Jaron T. nicht der Fall gewesen.

Mit Beginn der Pubertät habe er gemerkt, dass er auf Frauen stehe, sein Kopf habe sich aber lange gegen diesen Gedanken gewehrt. Einen ersten Sohn bekam er mit 15 Jahren, zog mit 16 aus dem Elternhaus aus und heiratete wenige Jahre später. „Nach außen hin waren wir eine ganz normale Familie“, berichtet er. „Aber ich habe mich nicht wohlgefühlt.“ Der Leichtathlet Balian Buschbaum wurde zu seinem Vorbild. Als Yvonne geboren, verwandelte sie sich in einen Mann. „Da habe ich zum ersten Mal davon gehört.“ Den Mut, sich operieren zu lassen, brachte er aber erst 2014 auf.

Das Jahr, in dem er sich outete, drehte sein Leben auf links. Er unterzog sich einer Therapie und ließ sich im Alter von 38 Jahren von Bernhard Liedl operieren. Aus Erfahrung weiß er: „Sich im ländlichen Raum zu outen ist immer noch viel schwieriger.“ Und man müsse es immer wiederholen: beim Arzt, bei neuen Freunden – man muss sich immer wieder erklären. „Daran muss man sich gewöhnen.“

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