Neue Lösungen für alte Probleme
Neue Lösungen für alte Probleme

Montag, 21.11.2011, 22:50 Uhr

Lengerich - Die Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Diakonischen Werkes im Evangelischen Kirchenkreis Tecklenburg in Lengerich feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen.

30 Jahre, das sind unzählige Beratungsgespräche in 11 014 Familien, 21 102 Ratsuchende, Angehörige und Betroffene, die mit der Beratungsstelle Kontakt aufgenommen haben, viele hundert Fortbildungen, Supervisionen und Vorträge für Schulen und Kindergärten und 30 Jahre Erfahrung in Psychodiagnostik, Verhaltensbeobachtung und Gruppenangeboten.

Seit 1981 unterstützt die Beratungsstelle Eltern in Erziehungsfragen und bei Sorgen rund um die Entwicklung ihrer Kinder. Auch Jugendliche und junge Erwachsene, die Kontaktschwierigkeiten haben oder die oft traurig und deprimiert sind und sich einmal aussprechen wollen finden in der Beratungsstelle kompetente Ansprechpartner.

Die Mitarbeiter der Beratungsstelle sind geschulte Zuhörer und geschickte Fragensteller. Die vertrauensvolle und offene Atmosphäre in der Beratungsstelle helfe den Betroffenen, durch die Berater eigene Haltungen, Gefühle, Einstellungen und Verhaltensmuster zu reflektieren und neues und passendes Verhalten einzuüben. „Wir stehen gemeinsam mit den Familien mitten im Leben und verstehen uns als therapeutische Begleiter. Jeder Ratsuchende gestaltet durch sein Anliegen seinen Beratungsprozess selbst“, sagt Friedrich Thoss , Leiter der Beratungsstelle. Nach einer gemeinsamen Zielabklärung entscheiden Berater und Ratsuchender über den weiteren Weg oder ob möglicherweise weiter verwiesen werden muss.

Friedrich Thoss weiß aus Erfahrung um die Auswirkung der sozialen und gesellschaftlichen Umbrüche in den vergangenen Jahrzehnten im Alltag: „Die raschen Veränderungen und hohen Anforderungen führen Familien mit Kindern oft in schwierige persönliche und berufliche Situationen. Flexibilität, Mobilität, Arbeitslosigkeit, Leistungsdruck und Stress drücken auf das Wohlbefinden vieler Menschen, nicht nur in der Arbeitswelt, auch in der Schule und im Freundeskreis.“ Das hat oft deutliche Folgen für Familien und schafft Probleme, die allein oftmals nicht zu bewältigen sind.

Qualität und Vielfalt von familienbezogenen Angeboten waren und sind nach eigenen Angaben das Markenzeichen der Beratungsstelle. In den Anfangsjahren lag der Fokus der Beratung auf klassischen Angeboten, beispielsweise zu Entwicklungsfragen von Kindern, Beziehungsproblemen in Familien, Überforderungssituationen in den Elternhäusern oder Lern- und Leistungsstörungen.

Heute ist ebenso die Prävention im Fokus. Ein Beispiel ist das Familieninteraktionsprogramm (FIPS). Darin geht es um das rechtzeitige Erkennen und Bearbeiten von Entwicklungskonflikten im Säuglings- und Kleinkindalter und um das Aufzeigen von Hilfen für Eltern. FIPS wurde zunächst von 2001 bis 2008 vom Lions-Club Tecklenburg gefördert. Heute wird das Programm vom Kreis Steinfurt getragen.

Modellcharakter hat auch das Familienhebammenprojekt, das die Beratungsstelle 2009 in enger Zusammenarbeit mit dem Kreis initiierte. Dabei wurden Kinder- und Jugendhilfe sowie das Gesundheitswesen interdisziplinär vernetzt. Über speziell ausgebildete „Familienhebammen“ werden besonders belastete Familien versorgt. Die Beratungsstelle erreicht so Eltern in Krisensituationen, die durch die klassischen Angebote der Kinder- und Jugendhilfe zumeist nicht erreicht werden.

Im Bereich der familienpolitischen Entwicklungen hat die Beratungsstelle stets reagiert und ihre Angebotspalette entsprechend erweitert. In elf Familienzentren ist die Arbeit der Fachkräfte gefragt und wird mindestens einmal im Monat gewährleistet. Ein weiterer Punkt ist die mit dem Caritasverband Ibbenbüren entwickelte und vom Lions-Club Tecklenburg geförderte Erzieherinnen-Fortbildung. Im Blick ist dabei der ab dem Jahr 2013 greifende Rechtsanspruch für jedes Kind ab dem zweiten Lebensjahr auf einen Kindergartenplatz.

Um Jugendlichen den Zugang zur Beratungsstelle zu erleichtern, wird diese Altersgruppe bei der Terminvergabe bevorzugt und erhält innerhalb weniger Tage einen persönlichen Gesprächstermin. Über die Onlineberatung können Jugendliche, aber auch Eltern, unbürokratisch und von zu Hause via PC Fragen stellen, die Fachkräfte schnellstmöglich beantworten.

Friedrich Thoss: „Wir wollen Eltern darin unterstützen, neue Lösungen für manchmal alte Probleme zu finden, damit es nicht zur Trennung kommen muss. Denn von einer Trennung sind meistens die Kinder am stärksten betroffen. Aus diesem Grund halten wir es nach wie vor für wichtig, in Partnerschaftsfragen mit jeweils einem männlichen und einem weiblichen Berater zur Verfügung zu stehen. Dies ist in der heutigen Beratungslandschaft längst nicht mehr selbstverständlich.“

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