Nach zwölf Jahren Kriegsgefangenschaft
Empfang mit Chorälen und Geläut

Ladbergen -

Den Krieg überlebt, aber die Verbrechen der Wehrmacht teuer bezahlt. So erging es vielen deutschen Soldaten, die in russische Gefangenschaft gerieten. Am 17. April 1956 berichtet der „Tecklenburger Landbote“ über die Heimkehr des Paul Gollub, der erst nach zwölf Jahren frei kam:

Dienstag, 02.01.2018, 17:01 Uhr

Obschon er kein Sohn der Gemeinde war, bereitete Ladbergen Paul Gollub nach dessen Heimkehr aus jahrelanger Kriegsgefangenschaft einen herzlichen Empfang.
Obschon er kein Sohn der Gemeinde war, bereitete Ladbergen Paul Gollub nach dessen Heimkehr aus jahrelanger Kriegsgefangenschaft einen herzlichen Empfang. Foto: Michael Schwakenberg

„Am Sonntag kehrte nach fast zwölfjähriger Kriegsgefangenschaft der 35-jährige Paul Gollub aus Antsodehnen, Kreis Ebenrode (Ostpreußen) zu seinem nach Ladbergen verschlagenen Bruder heim. Er war aus nichtigen Gründen zu langjähriger Zwangsarbeit verurteilt worden, wurde aber im Rahmen der Entlassungsaktion als Nichtamnestierter jetzt endlich nach Hause geschickt. Obwohl die Eltern des Heimkehrers in Mecklenburg in der Sowjetzone wohnen, ließ sich Paul Gollub aus verständlichen Gründen nach Westdeutschland entlassen.

Im Jahre 1942 wurde Paul Gollub zum Wehrdienst einberufen. Nach einer Verwundung geriet er im Jahre 1944 im Mittelabschnitt der Ostfront in russische Gefangenschaft. Ab 1946 stand er mit seinen Angehörigen in Postverbindung. 1948 wurde er aus ganz nichtigen Gründen zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt und nach Workuta (im Polarkreis) gebracht, wo er in einer Ziegelei arbeiten musste.

Im Jahre 1950 kam er nach Stalingrad, wo er als Handlanger bei Bauarbeiten eingesetzt wurde. Wegen angeblich unsachgemäßer Arbeit, die allerdings nicht er, sondern andere verschuldet hatten, wurde abermals ein Verfahren gegen ihn eröffnet. Zusammen mit anderen Gefangenen wurde er in zwei Fällen zu je 25 Jahren verurteilt. Praktisch wurden also 75 Jahre Gefängnis beziehungsweise Zwangsarbeit gegen ihn verhängt. (...)

Glücklicherweise schlug auch für Paul Gollub, der sich zuletzt im Entlassungsager Bautzen befand, weit früher die Befreiungsstunde. Um die Mittagszeit des letzten Samstag traf bei seinem Bruder, der seit einiger Zeit in einer Heuer des Hofes Snethkamp in Hölter wohnt, ein Telegramm aus dem Heimkehrerlager Friedland bei Göttingen ein. Paul Gollub war endlich frei und stellte sein baldiges Eintreffen in Ladbergen in Aussicht. (...)

Zum Empfang hatten sich dann am Sonntag gegen 14 Uhr beim Heuerhaus des Hofes Snethkamp Bürgermeister Schulte, Gemeindedirektor Schoppenhorst, der Rat der Gemeinde, Pastor Höhn, der Posaunenchor sowie zahlreiche weitere Gemeindeglieder eingefunden.

Als der Wagen des Bauern Snethkamp – der hatte es sich nicht nehmen lassen, den Heimkehrer vom Bahnhof Lengerich abzuholen – eintraf und Paul Gollub in Begleitung seines Bruders ausstieg, begrüßte ihn der Posaunenchor mit „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“.

Pastor Höhn begrüßte den Heimgekehrten im Namen der evangelischen Kirchengemeinde. Bürgermeister Schulze entbot ihm die Grüße der politischen Gemeinde und überreichte ihm außer einem Geldgeschenk das Buch ,1000 Jahre Ladbergen‘.

Für den BvD sprach dessen Vorsitzender Hoffmann. Mit seinen Grüßen verband der die Hoffnung, dass Gott den Heimkehrer für alles, was er in den verflossenen schweren Jahren erleiden musste, reichlich entschädigen werde.

Nachdem Heimkehrer Gollub mit bewegten Worten für den herzlichen Empfang gedankt hatte, blies der Posaunenchor noch mehrere Choräle. Inzwischen läuteten auch im Dorf die Kirchenglocken dem Heimgekehrten einen Gruß. Nach langen schweren Jahren der Kriegsgefangenschaft durfte Paul Gollub heimkehren. Nicht in seiner ostpreußische Heimat, sondern nach Ladbergen, das ihn aber ebenso herzlich willkommen heißt.

Auch die Heimatzeitung entbietet dem Heimgekehrten einen herzlichen Gruß, verbunden mit den besten Wünschen für die Zukunft.“

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