Was Strom-und Gaskunden jetzt tun sollten
BEV-Pleite trifft auch das Tecklenburger Land

Tecklenburger Land -

Der Energieversorger BEV Bayerische Energieversorgungsgesellschaft mbH mit Sitz in München ist insolvent. Betroffen ist wohl auch eine unbestimmte Zahl von Strom- und Gaskunden im Tecklenburger Land. Was können diese tun ?

Freitag, 01.02.2019, 16:16 Uhr aktualisiert: 01.02.2019, 20:36 Uhr
Auch im Tecklenburger Land hat der insolvente Energieversorger BEV eine unbestimmte Zahl an Strom- und Gaskunden. Die Verbraucherzentrale rät, kein Geld mehr auf die Konten dieses Unternehmens zu überweisen Foto: dpa

Die Verbraucherzentrale rät, kein Geld mehr auf die Konten der BEV zu überweisen. Sepa-Lastschriftmandate, falls die BEV noch welche habe, sollten unverzüglich schriftlich widerrufen werden am besten per Einschreiben. Betroffen seien auch alle Kunden, die von der BEV zu viel bezahltes Geld zurückbekommen müssten. Diese Ansprüche müssten vermutlich im Rahmen des Insolvenzverfahrens gestellt werden. Dafür sei es jetzt noch zu früh, der Insolvenzverwalter werde später dazu informieren, schreibt die Verbraucherzentrale auf ihrer Homepage.

Die Verbraucherschützer teilen außerdem mit, dass die BEV die Kunden nicht mehr weiter beliefern könne. Diese sollten daher dringend einen neuen Strom- und/oder Gasversorger suchen. Bis dahin springe für Strom oder Gas der örtliche Grundversorger ein. Dieser stuft die Betroffenen aber in der Regel in den teuren Grundversorger-Tarif ein. In Westerkappeln, Mettingen und Ibbenbüren ist das die RWE Vertrieb AG, in Lotte sind es die Stadtwerke Osnabrück.

Beschwerden über Geschäftsgebaren

Bei den Stadtwerken Tecklenburger Land hätten sich in den vergangenen Monaten viele BEV-Kunden gemeldet, weil sie große Probleme mit dem Unternehmen gehabt hätten, sagt Vertriebsleiter Marcus Rüdiger . Allein im Dezember hätten zahlreiche BEV-Kunden aus der hiesigen Region vergeblich versucht, von der Bayerischen Energieversorgungsgesellschaft zu den Stadtwerken Tecklenburger Land zu wechseln.

Das habe folgenden Hintergrund, schreiben die Stadtwerke: Im Jahr 2013 sei die BEV in den Strom- und Gasmarkt eingestiegen. Lange habe das Unternehmen im Ranking von einschlägigen Vergleichsportalen im Internet ganz oben gestanden. Doch Kunden hätten sich immer wieder über das Geschäftsgebaren der BEV beschwert.

Das bestätigt auch die Verbraucherzentrale: Guthaben würden einbehalten, Preise seien drastisch erhöht und Preisgarantien sowie Vertragslaufzeiten missachtet worden.

Blick nach Münster

In Münster sind laut einer Pressemitteilung des örtlichen Energieversorgers 1.325 hundert Strom- und Erdgaskunden von der Pleite betroffen. Strom und Erdgas fließen trotzdem ununterbrochen weiter.

Als kommunaler Energieversorger übernehmen die Stadtwerke Münster automatisch die Ersatzversorgung der geprellten Kunden in Münster. Diese Notfallmaßnahme greift dann, wenn ein Anbieter seinen vertraglichen Pflichten nicht mehr nachkommen kann und keinen Strom oder Erdgas mehr liefert, heißt es in der Pressemitteilung.

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Lockangebote mit günstigen Tarifen 

Zunächst waren nach Angaben der Stadtwerke Tecklenburger Land bundesweit bis zu 500 000 Kunden mit günstigen Tarifen gelockt worden. Dann seien drastische Preiserhöhungen gefolgt oder Preisgarantien missachtet worden. „Auch bei uns haben sich viele BEV-Kunden gemeldet, die aufgrund von Preiserhöhungen von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht haben, ihren Vertrag mit der BEV gekündigt haben und zu den Stadtwerken Tecklenburger Land wechseln wollten“, schildert Marcus Rüdiger. „Die BEV hat reihenweise alle Übernahmen abgelehnt mit der Begründung, die Kunden hätten keine Kündigung vorgelegt.“

Nach Einschätzung von Marcus Rüdiger sind die aktuellen Ereignisse exemplarisch für die Branche. „Billiganbieter arbeiten mit kalkulatorisch oftmals fragwürdigen Grundlagen. Statt mit übertriebenen Boni und Billigtarifen zu werben, achten seriöse Anbieter dagegen auch auf Versorgungssicherheit und Kundenservice“, erklärt Rüdiger.

Vorhersehbares Scheitern

Die Pleite war nach Meinung des Vorstandes des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, vorhersehbar. Er fordert von Vergleichsportalen, ihre Rankings an Risiken der Anbieter anzupassen: „Der Fall BEV zeigt erneut, dass es für Verbraucher eine Zumutung ist, zu erkennen, welchem Energieversorger sie trauen können.

Nach TeldaFax, FlexStrom und Care Energy geht wieder ein Anbieter mit fragwürdigem Geschäftsmodell pleite.“ Verbraucher wären nach Meinung Müllers besser geschützt, würden Vergleichsportale beim Ranking der Energieanbieter stärker berücksichtigen müssen, ob diese nur kurzfristig oder dauerhaft günstige Tarife anbieten.

Was die Insolvenz der BEV für die Kunden bedeutet und was sie jetzt tun können beantwortet die Verbraucherzentrale ausführlich auf ihrer Homepage unter:

https://www.verbraucherzentrale.de/aktuelle-meldungen/energie/energieversorger-bev-ist-insolvent-was-das-fuer-kunden-bedeutet-32540

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