Anna-Maria Vossenberg hat zum Leben von Hans Löwenstein recherchiert
Licht ins schwere Schicksal gebracht

Horstmar -

Manchmal müssen lange und auch komplizierte Wege gegangen werden, um ans Ziel zu kommen. Das trifft auf jeden Fall auf die Recherchen zum Leben von Hans Löwenstein zu. Sein Schicksal war bisher nur in einigen Abschnitten bekannt. Mit Hilfe des ITS (International Tracing Service), Bad Arolsen, dem Französischen Roten Kreuz und dem Innenministerium Frankreichs, gelang es Anna-Maria Vossenberg aus Horstmar nach fast dreieinhalbjähriger Recherchen, eine Tochter von Hans Löwenstein ausfindig zu machen.

Donnerstag, 13.06.2019, 20:00 Uhr
Germaine und Maurice Landier retteten das Leben von Hans Löwenstein aus Horstmar. Foto: Geschwister Marie-Colette u. Monique L., Frankreich

Zu Fabienne A. , einer Enkelin von Martha Löwenstein hatte sie bereits seit einigen Jahren Kontakt. Durch ihre Vermittlung erfuhren Fabienne und Elisabeth, die Töchter von Hans Löwenstein , die den Namen ihrer Großmutter trug, dass sie doch noch – wenn auch entfernte – Verwandte hatten. Die Emotionen schlugen auf beiden Seiten – in Belgien und Frankreich – hohe Wellen.

Hans Löwenstein entkam den Verfolgungen der Nationalsozialisten in Deutschland und flüchtete, gemeinsam mit seinem Onkel Bernhard Löwenstein und einem Bruder seiner Mutter, nach Belgien. Dort wurden die drei im Mai 1940 verhaftet und von den belgischen Behörden nach Saint Cyprien, einem französischen Internierungslager, transportiert. Es folgte eine weitere Deportation in das Lager Gurs/Frankreich, dem seinerzeit größten Internierungslager Frankreichs. Im Mai 1942 schrieb Hans vom „Camp de Gurs“ aus ein Telegramm an seine Tante Martha in Belgien. In diesem erkundigte er sich verzweifelt nach seiner Schwester Marianne und seinem Vater, von denen er wusste, dass man sie in das Ghetto Riga deportiert hatte. Sie wurden von dort aus in das KZ Stutthof gebracht und ermordet.

Die Tochter von Hans schickte einige Dokumente und Fotos ihres Vaters nach Horstmar. Auf der Abbildung eines Ausweises war der Ortsname „Yssingeaux“ zu sehen. Vossenberg veranlasste eine Veröffentlichung der bisher bekannten Lebensgeschichte der Familie Löwenstein in der französischen Tagespresse von Yssingeaux und bat um Mithilfe bei der Auffindung der Retter von Hans Löwenstein. Darauf meldeten sich zwei Schwestern, die Hans sofort auf dem veröffentlichten Foto erkannten. Ihre Eltern Germaine und Maurice Landier hatten Hans von Dezember 1942 bis Ende 1943 in ihrem Haus versteckt. Die Eheleute lebten mit ihren acht Kindern in Yssingeaux. Ihre Lebenssituation war nicht einfach. Maurice Landier verdiente den Lebensunterhalt in einem Lebensmittelgeschäft in Saint-Etienne. Während der Woche wohnte er dort zur Miete, lediglich an den Wochenenden fuhr er zu seiner Familie nach Yssingeaux. Der Mann, in dessen Haus er in Saint-Etienne lebte, vertraute ihm eines Tages einen jungen deutschen Juden an: Hans Löwenstein. Maurice nahm Hans mit nach Yssingeaux. Das Haus der Landiers hatte einen Vorder- und einen Seiten-Eingang. Betrat jemand durch den Vordereingang das Haus, flüchtete Hans durch den Seiteneingang und versteckte sich in einem Schuppen, der ebenfalls auf dem Grundstück stand und den man ihm als provisorischen Unterschlupf eingerichtet hatte.

Während seines Aufenthaltes bei der Familie Landier nannte man ihn Monsieur Henri Levet. Die Initialen „H.L.“ sollten an seinen Vor- und Nachnamen erinnern. Hans beschäftigte sich damit, Brennholz für den Ofen zu schneiden und half der Tochter Marie-Claire bei ihren Latein-Hausaufgaben. Marie-Claire hätte zu gerne die deutsche Sprache erlernt und bedrängte Hans, ihr dabei behilflich zu sein. Aber dazu konnte sie ihn nicht überreden.

So blieb Hans zwei Winter lang bei der Familie Landier versteckt, bis er Anfang 1944 durch Vermittlung von Maurice Landier der Resistance beitrat. Dort gab man ihm den Decknamen „Quobus“. Nach dem Krieg ließ er sich in Nizza nieder und war dort bei einem Juwelier angestellt. Später verzog er nach Paris und war dort in einem anderen Juweliergeschäft des gleichen Besitzers tätig. Im März 1956 heiratete Hans, der zwischenzeitlich seinen Vornamen in „Jean“ geändert hatte, eine 17 Jahre jüngere Französin. Im Jahr 1960 kam das einzige Kind der Eheleute, Elisabeth, zur Welt.

Löwenstein starb am 16. November 2003. Er wurde eingeäschert, eine Grabstelle existiert nicht.

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