Das Unbehagen weicht nur langsam
Ein Einbruchsopfer berichtet

Greven -

Wie fühlt man sich, wenn man Opfer eines Einbruchs geworden ist? Ein Betroffener aus Greven berichtet. Die Versicherung beglich den materiellen Schaden, etwa 1500 Euro. Überschaubar. Was blieb: das beklemmende Gefühl, dass jemand im Haus war, der dort nicht hingehört.

Sonntag, 25.08.2019, 10:33 Uhr aktualisiert: 25.08.2019, 12:08 Uhr
So rabiat gehen Einbrecher nicht immer vor. Im Fall des beschriebenen Greveners brauchte die Kripo einige Zeit, um diskrete Einbruchspuren zu finden. Foto: dpa

Dass irgendetwas nicht stimmte, ahnten sie, als sie kurz nach Mitternacht ihr Haus betraten. Sie spürten es, aber sie sahen es (zunächst) nicht. Keine durchwühlten Schubladen, kein Chaos, keine offensichtlichen Einbruchsspuren. „Ganz untypisch eigentlich. Aber es fehlte eine Digitalkamera. Gemerkt haben wir das jedoch erst eine oder eineinhalb Stunden später“, erzählt der Hausbesitzer.  

Und so nahm das junge Paar das Haus näher unter die Lupe. Um festzustellen: Auch ein Sparschwein der Tochter und eine weitere Kamera waren weg. Zunächst zweifelten sie an sich selbst, gingen wieder und wieder die Frage durch: Haben wir die Sachen vielleicht selbst woanders hingeräumt? Die Zweifel wichen schließlich der Gewissheit, dass jemand eingebrochen war. Also wurde mitten in der Nacht die Polizei alarmiert.

Das war am frühen Samstagmorgen, am Freitagabend hatte das junge Paar samt Nachwuchs Freunde besucht. Ganz normal, alles wie immer. Nur, dass bei der Rückkehr ins eigene Haus, freistehend, Autobahnnähe, gewachsenes Viertel, eben nichts mehr ganz normal war.

Die Polizei kam rasch, mochte sich aber nicht festlegen, ob es tatsächlich ein Einbruch war oder sich jemand mit einem Zweitschlüssel Zutritt verschafft hatte. Erst die Kripo am Montag schaffte etwas mehr Gewissheit. Sie fand dezente Einbruchsspuren. Der oder die Täter wurden bis heute nicht ermittelt. „Natürlich nicht“, sagt der Grevener.

Die Versicherung beglich den materiellen Schaden, etwa 1500 Euro. Überschaubar. Was blieb: das beklemmende Gefühl, dass jemand im Haus war, der dort nicht hingehört. „Man hat dann schon Bilder vor Augen, wie jemand durchs Haus geht. Gerade in der ersten Zeit haben wir sehr schlecht geschlafen. Ich habe meine Frau nicht allein zuhause gelassen“, erinnert sich der Familienvater. „Man stellt sich auch vor: Was wäre eigentlich gewesen, wenn wir während des Einbruchs zuhause gewesen wären?“

Bis zur endgültigen Nachricht der Polizei, Wochen nach dem Einbruch, blieben Zweifel bestehen, ob es nicht doch jemand mit einem Zweitschlüssel war. „Das ist eigentlich das Schlimmste, dass man Menschen misstraut, die man kennt. Das herrscht auch bis heute vor, in einem gewissen Maß.“ Selbst jetzt, zwei Jahre später und mit dem Wissen, es waren wildfremde Einbrecher, ertappt sich der junge Familienvater dabei, dass er Sachen wegräumt, wenn sich Freunde oder Bekannte ankündigen oder eine Party im Haus stattfindet. „Furchtbar eigentlich, ich weiß“, sagt er. Aber auch menschlich.

Die Familie zog Konsequenzen, tauschte sofort die Schlösser aus. Jetzt sind Türen und Fenster dran, die neuen bieten einen höheren Einbruchsschutz. Mehr Beleuchtung rund ums Haus soll Einbrecher abschrecken. „Die Sicherheitsberatung der Polizei für den Fall des Falles hatten wir erst nach dem Einbruch. Man denkt ja immer, dass es einen selbst nicht trifft.“ Bis es eben passierte.

Das latente Gefühl der Unsicherheit tritt inzwischen mehr und mehr in den Hintergrund. „Wir müssen nicht mehr permanent darüber nachdenken.“ Aber ganz frei machen kann sich das Paar bis heute nicht. „Wenn man wegfährt, kontrolliert man dreimal, ob man auch abgeschlossen hat.“

Manche Einbruchsopfer empfinden die Vorstellung, dass jemand in den eigenen vier Wänden unterwegs war und privateste Dinge gesehen und angefasst hat, als so belastend, dass sie sogar umziehen müssen. Das stand für das junge Grevener Paar nie zur Debatte. Sie wohnen weiter in ihrem Haus in Greven, freistehend, Autobahnnähe, gewachsenes Viertel. Nun mit mehr Beleuchtung sowie mit neuen Türen und Fenstern.

Sie ziehen einen gewissen Trost daraus, dass es Wildfremde waren. Vermutlich Profis, die rasch drin und rasch wieder weg waren, die keinerlei persönliche Beziehung zur Familie hatten. „Das beruhigt ein bisschen“, sagt er. „Die Vorstellung, dass es jemand gewesen ist, den man kennt, wäre jedenfalls noch viel beunruhigender.“

Worauf die Grevener noch immer hoffnungsvoll warten: auf die Nachricht, dass die geklauten Kameras irgendwo wieder aufgetaucht sind und die Täter gefasst sind.

► Der Name der Familie ist der Redaktion bekannt. Er wird auf Wunsch der Betroffenen nicht genannt.

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