Kirmes: Ein Blick hinter die Kulissen
Familienbetrieb für die Familie

Greven -

„1949 ist mein Vater das erste Mal zur Grevener Kirmes gekommen“, erzählt Ewald Stippich, sein Frühstücksei essend auf der Terrasse seines Wohnwagens. Seine Frau Martina Stippich kocht derweil Kaffee. Die Schausteller mit Herz und Seele reisen gute zehn Monate im Jahr im Münsterland und Sauerland herum. In dieser Zeit seien sie fast jede Woche in einer anderen Stadt.

Freitag, 23.08.2019, 11:16 Uhr aktualisiert: 28.08.2019, 09:40 Uhr
Ewald und Martina Stippich auf ihrer Terrasse – mit Vorfreude auf die Kirmes. Foto: Sina-Marie Hofmann

Ihren festen Wohnsitz haben die Schausteller in Soest, aber ihr Wohnwagen sei „fast wie ein Haus“, erklärt Ewald Stippich . Und mit Blick in den Wohnwagen wird einem klar: in ihm ist alles, was man braucht – und mehr. Von einem unechtem Kamin, über Spülmaschine, Waschmaschine, Wäschetrockner und Fernseher bis hin zu einem modernem Bad.

Ewald Stippich betreibt sein Schaugeschäft seit seinem 16. Lebensjahr. Und wie sollte es anders sein? Ewald und Martina Stippich lernten sich auf der Kirmes kennen und sind nunmehr seit 27 Jahren zusammen. „Nächstes Jahr“, erklärt Martina Stippich, „haben wir Silberhochzeit.“ Auch sie stammt aus einer Schaustellerfamilie. Aus ihrer Familie sind alle Selbstständige Schausteller.

In die Fußstapfen ihrer Eltern getreten ist sie, „weil ich damit groß geworden bin. Ich könnte mir nicht vorstellen, etwas anderes zu machen. Ich stehe gerne in meinem Schießstand, das muss man auch lieben.“

Die Stippichs haben neben dem Schießwagen auch einen Babyflug. „Neu kostet so ein Schießwagen ungefähr 200 000 Euro und ein Babyflug 270 000“, meint Ewald Stippich. Nicht nur das sind Kosten, die man als Schausteller zu tragen hat: Spritgeld, Versicherung, Personal, Platzgebühren und viele weitere Fix- und Nebenkosten sind hoch. Deswegen kann auf der Kirmes auch nicht „billig“ gegessen und gefahren werden. Martina Stippich ergänzt: „Man investiert jedes Jahr.“

Ewald Stippich hat sein Ei fertig ausgelöffelt, als seine Schaustellerkollegen vorbei schauen, um auch einen Kaffee und ein Brötchen abzustauben. Peter Schneider und Willi Höhle, die eine Mandelbrennerei betreiben, der zweite Vorsitzende des Schaustellerverbandes Münsterland, Philipp Heidmann und Wilhelm, alias Willi Stippich, der einen Ausschank betreibt, nehmen am Terrassentisch Platz.

Diese bestärken die Aussagen der Stippichs: „Man muss mit der Zeit gehen“, erklärt Höhle. Die Grevener Kirmes sei für sie hauptsächlich eine Familienkirmes. Alle sind sich einig: „Ein Familienbetrieb für die Familie.“ „Das Schaustellerleben funktioniert nur als Familienbetrieb“, ergänzt Heidmann.

Denn es gebe einen starken Mitarbeitermangel. „Im Moment ist es ein ganz großes Problem, Leute zu bekommen“, erklärt Ewald Stippich. Die meisten Helfer seien Polen und Rumänen gewesen. „Die sind jetzt auch ganz rar geworden“, meint Schausteller Stippich, der selbst nur einen Mitarbeiter aus Deutschland hat. Wieso das so ist? Martina Stippich dazu: „Wenn wir das wüssten.“

Nachdem die Schaustellerkollegen den Frühstücksvorrat leer gefuttert haben, machen sie sich an den Aufbau der Stände.

Unweit vom Wohnwagen der Stippichs baut gerade Albert Ordelman zusammen mit seiner Mannschaft den „Propeller“ (Foto links) auf. Dieser ist ein Unikat – ihn gibt es nur einmal weltweit. Der Propeller habe nun einen Wert von 1,5 Millionen Euro. Und bei so einem riesen Teil kostet eine Jahresprüfung auch mal 5000 Euro. Der aus Apeldoorn in den Niederlanden stammende Albertmann bereist mit seinem Fahrgeschäft das ganze Jahr die Welt: „Wir sind in Deutschland, England und Belgien unterwegs und waren auch schon in Hongkong.“ Für den Aufbau benötige man circa acht Stunden – für den Abbau etwas weniger. Der Propeller dreht sich drei mal um 360 Grad. „Es sieht sehr schlimm aus, geht aber gut zu fahren. Wer einmal damit gefahren ist, fährt auch ein zweites Mal“, sagt Albertmann

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