Debatte um Windenergieflächen in Greven
Festhalten am Bürger-Windpark

Greven -

Für die Bürgerwind Greven GmbH ist das Thema Windräder noch nicht ausgestanden. Die beteiligten Landwirte hoffen weiter auf Unterstützung aus der Politik.

Samstag, 04.05.2019, 07:56 Uhr aktualisiert: 05.05.2019, 15:18 Uhr
Gleich in der Nachbarschaft von Stephan Eilers liegen die Windräder am Vosskotten, die von einer Münchner Gesellschaft betrieben werden. Die Mitglieder der Bürgerwind GmbH (v.l.): Matthias Langkamp, Bernhard Waltersmann, Stephan Eilers, Tobias Werning, Markus Deitermann, Josef Wiethölter und Bernhard Markfort. Foto: Günter Benning

Es geht um Geld, um Risiko, knallharten Markt und Idealismus. Die Dimensionen kann sich jeder vorstellen, der schon mal einen Gebührenbescheid vom Kreis bekommen hat. Auf dem, den die Grevener Bürgerwind GmbH jetzt zu begleichen hatte, stand: 127 000 Euro. Stichtag 29. April.

„Wir hatten natürlich damit gerechnet“, sagt Tobias Werning , einer der beiden Geschäftsführer. Aber das Kapital war aufgebraucht. 950 000 Euro haben die sieben Teilhaber der Windrad-Projektierer seit 2014 in Planungen und Gutachten investiert.

Die 127 000 Euro-Rechnung bezog sich auf Gebühren im Genehmigungsverfahren für Windräder in Greven, das die Bürgerwind GmbH gestoppt hatte. Vor einigen Wochen hatte es der Rat der Stadt abgelehnt, sich noch einmal mit dem Flächennutzungsplan und den möglichen Windenergie-Standorten für Greven zu befassen. Daraufhin habe man die Notbremse gezogen, sagt Eilers .

Aber die sieben Landwirte, die hinter der Gesellschaft stehen, haben nicht aufgegeben. Vor der Ende April drohenden Insolvenz gelang es ihnen, mit Bruno Lammers einen ausgewiesenen Befürworter alternativer Energien ins Boot zu holen.

Der Unternehmer aus Saerbeck (Saertex) verdient sein Geld unter anderem mit Verbundstoffen, die für die Herstellung von Rotoren benötigt werden. Mit Lammers Beteiligung konnte die Gebührenrechnung beglichen werden.

Der Unternehmer, der sich als Investor für erneuerbare Energien etwa im Saerbecker Bioenergiepark engagiert hat, hat Grevens Parteien am 9. Mai zu einem Gespräch über die Chancen eines Windenergieparks eingeladen.

Mit ihm, sind sich Stephan Eilers und Tobias Werning sicher, werden sie ihren Windpark realisieren können, ohne von einem Kernprinzip abzugehen. Sie wollen Bürger als Komandatisten in die Gesellschaft aufnehmen. Wer einen Anteil zeichnet, soll auch am Wind-Gewinn profitieren. „Unser Ziel ist es“, so Werning, „möglichst viele Grevener am wirtschaftlichen Erfolg zu beteiligen.“

In jüngster Zeit habe man Gespräche mit zahlreichen Projektierern für Windparks gesprochen. Die hätten gerne die Vorarbeit der Grevener, etwa die Artenschutzgutachten, eingekauft. „Wenn wir uns zurückziehen“, ist sich Werning sicher, „werden andere die Genehmigungen beantragen.“

Im Markt sei es mittlerweile üblich, dass Windpark-Bauer Anlagen planen und errichten, um sie danach zu verkaufen. Den Profit haben dann auswärtige Geldgeber. Die Bürger vor Ort gehen – außer den Grundstückseignern – leer aus.

Die Signale aus der Politik sind unterschiedlich. Der Grüne Dr. Michael Kösters schlägt sich auf die Seite der Windbauern („bei einigen Standorten hatten wir Bedenken“). SPD-Fraktionschef Dr. Christian Kriegeskotte verteidigt dagegen die Haltung des Rates – „Zum Wohle der Bürger gegen die ungesteuerte Freigabe des Stadtgebiets für Windparks.“ Für ihn gebe es keine „neue Situation“.

„Wir könnten beim Strom mit der Inbetriebnahme des Bürgerwindparks energieautark sein“, sagt Tobias Werning. Mit dem Windkraftpotenzial in Greven könnte man 135 000 Tonnen Kohle einsparen, „das sind 6750 Lkw-Ladungen oder eine Lkw-Schlange von Greven bis Bremen.“

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