Setex arbeitet erneut mit Christo zusammen
Grevener Stoff für den Triumphbogen

Greven -

Wenn Christo im kommenden Frühjahr den Pariser Triumphbogen verhüllt, wird erneut das Grevener Textilunternehmen Setex den dafür nötigen Stoff liefern. Letzte Absprachen müssen allerdings noch getroffen werden. 

Montag, 15.04.2019, 09:11 Uhr aktualisiert: 15.04.2019, 11:59 Uhr
Für Setex-CEO Heiko Wehner und sein Team ist das Projekt Herausforderung und Auszeichnung zugleich. Foto: Günter Benning

Viel verraten darf er nicht. Nur bejahen, dass der Deal unter Dach und Fach ist. Wenn Christo im kommenden Frühjahr den Pariser Triumphbogen verhüllt, wird erneut das Grevener Textilunternehmen Setex den dafür nötigen Stoff liefern, bestätigt Setex-CEO Heiko Wehner . „Es ist ein Stoff, der für Christo und für dieses Projekt exklusiv entwickelt wurde“, sagt der Unternehmens-Chef. „Letzte Optimierungen sind noch im Gange.“ An den konkreten Eigenschaften des Gewebes werde derzeit noch gefeilt. Details dazu will er nicht verraten.

Auch die Farbe das Textil darf Wehner noch nicht preisgeben. Die Nachrichtenagenturen AFP und dpa vermelden jedoch bereits übereinstimmend, dass es ein silberblaues Gewebe sein wird. Ob das wirklich stimmt, wird sich in einigen Wochen zeigen, wenn die Maschinen bei Setex anlaufen. Bis dahin müssten „noch ein paar kreative und optische Fragen“ geklärt werden, so Wehner.

Es braucht noch Absprachen

Wann genau und wie viel Stoff geliefert werden muss, darüber gebe es „noch keine letzten Absprachen“. Man richte sich darauf ein, dass es im dritten Quartal diesen Jahres soweit ist.

Projekte des Künstlers Christo

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  • Das Bild zeigt Paar Christo und Jeanne-Claude im Jahr 2005 bei einer Pressekonferenz im Metropolitan Museum of Art in New York, auf der sie ihre verhüllte Kunst im Central Park in New York City vorstellten. Dort wurden orangene Tore aufgestellt.

    Das Bild zeigt Paar Christo und Jeanne-Claude im Jahr 2005 bei einer Pressekonferenz im Metropolitan Museum of Art in New York, auf der sie ihre verhüllte Kunst im Central Park in New York City vorstellten. Dort wurden orangene Tore aufgestellt.

    Foto: dpa
  • Eines der bekanntesten Werke für Kunst, die im öffentlichen Raum umhüllt wurden, ist die Reichstagsverhüllung. Das Reichstagsgebäude in Berlin wurde von Christo, Jeanne-Claude und 90 professionellen Kletterern vom 17. Juni bis zum 24. Juni 1995 vollständig mit aluminiumbedampftem Polypropylengewebe bedeckt. Fünf Millionen Besucher kamen, um sich das Werk anzusehen.

    Foto: dpa
  • Das Foto zeigt die Kunstausstellung „The Gates“. Im Central Park in New York City wurden 2005 insgesamt 7503 Tore auf einer Strecke von 37 Kilometern aufgestellt, an denen safrangelbe Stoffbahnen herabhingen. Das Genehmigungsverfahren für dieses Kunstwerk zog sich über 25 Jahre hin.

    Foto: dpa
  • Eine begleitende Ausstellung zeigte die Entstehungsgeschichte von Christos Werk „The Gates, Central Park, New York, 1979 to 2005“.

    Foto: Thomas Burmeister
  • Christo und Jeanne-Claude präsentierten 2006 die Entwürfe zu ihrem Projekt „Over the river“ in der Rostocker Kunsthalle: Die Verhüllung des Flusses Arkansas im US-Bundesstaat Colorado. 2009 starb Jeanne-Claude, Christo gab 2012 bekannt, das Projekt verschieben zu müssen. Das Projekt steht immer noch in Planung.

    Foto: dpa
  • Der Kurator und Fotograf Wolfgang Volz in Oberhausen präsentierte 2012 die Skizze die zum Christo-Projekt „Big Air Package“, das der Verpackungskünstler 2010 konzipiert hatte. Die Großinstallation im Gasometer mit einem 90 Meter hohen Luftkissen in dem stillgelegten Gastank symbolisierte die Verletzlichkeit der Atmosphäre.

    Foto: dpa
  • Das „Big Air Package“ Projekt wurde bereits ab 1999 geplant aber erst 2013 realisiert. Das Gasometer hat einen Durchmesser von 68 Metern und ist 1117 Meter hoch. Im aufgeblasenen Zustand erreichte die über fünf Tonnen schwere Skulptur eine Höhe von 90 Metern, einen Durchmesser von 50 Metern und ein Volumen von 177.000 Kubikmetern.

    Foto: dpa
  • Im Gasometer Oberhausen präsentierte Christo in dem 117 Meter hohen Industriedenkmal im Jahr 2013 die Innenraum-Installation „Big Air Package“, die die bisher größte Innenraumskulptur der Welt ist.

    Foto: dpa

Der Verpackungskünstler Christo wird im kommenden April den „Arc de Triomphe“ in Stoff hüllen, voraussichtlich ein Polyamid-Gewebe. Für das 50.Meter hohe, 45 Meter breite und 22 Meter tiefe Denkmal werden die Setex-Mitarbeiter fleißig produzieren müssen. Denn benötigt werden rund 25 000 Quadratmeter (recycelbarer) Stoff, wie kürzlich bei der Präsentation des Projektes bekannt wurde.

Große Freude bei Christo

Vom 6. bis 19. April soll der verhüllte Triumphbogen Touristen aus aller Welt anziehen. „Ich freue mich wie ein kleines Kind“, sagte der 83-Jährige Christo der Pariser Zeitung „Journal du Dimanche“ und versprach ein „außergewöhnliches Schauspiel“.

Die Setex-Mitarbeiter gehen die Herausforderung sportlich an. „Die Mitarbeiter haben bei diesen Projekten immer Glanz in den Augen“, sagt Wehner. Man sei natürlich „glücklich und stolz“, erneut beauftragt worden zu sein. Das spreche für die „vertrauensvolle Zusammenarbeit, die über Jahrzehnte gewachsen ist“, so der Setex-CEO.

"Riesiges Spektakel"

Wenn der Triumphbogen mit Stoff made in Greven verhüllt sei, „werden wieder einige Mitarbeiter dienstlich und sicher ganz viele privat nach Paris fahren“, um sich anzuschauen, was der in Bulgarien geboren und heute in New York lebende Künstler aus dem Grevener Stoff gemacht habe. Wehner erwartet nicht weniger als ein „riesiges Spektakel, das man sich nicht entgehen lassen sollte.“

Setex hatte bereits dahlien-gelbes Polyamid-Gewebe für die begehbaren „Floating Piers“ (Iseo See) geliefert, die 2015 die Weltöffentlichkeit faszinierten.

Fünfte Kooperation

Das Emsdettener Unternehmen Schilgen, 2013 von Setex übernommen, hatte schon Material für frühere Christo-Aktionen geliefert: die Bahnen für die Reichstagsverhüllung in Berlin 1995, die safrangelben Tore 2005 im New Yorker Central Park und das transparente Textil, mit dem Christo in Riehen (Schweiz) 1997 Bäume verpackte.

Der Triumphbogen wird somit die fünfte Kooperation. Laut Medienberichten soll die Aktion insgesamt rund 12 Millionen Euro kosten. Die Arbeit soll ohne jegliche öffentlichen Zuschüsse auskommen. Christo will das Werk unter anderem durch den Verkauf von vorbereitenden Studien, Zeichnungen sowie früheren Werken finanzieren.

Es wird Christos erstes Verhüllungsprojekt seit dem Tod seiner Partnerin und Muse Jean-Claude sein. 1962 hatte das Künstler-Paar bereits eine erste Fotomontage zu dem Projekt veröffentlicht.

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