Urteil gegen Ex-Feuerwehrchef
Diskussion um die Höhe der Bestrafung

Greven -

Nach dem Urteil gegen den ehemalige Chef der Grevener Feuerwehr wegen des Besitzes und der Weitergabe von kinderpornografischen Materials hat eine rege Diskussion über das Strafmaß eingesetzt.

Freitag, 15.03.2019, 21:54 Uhr aktualisiert: 15.03.2019, 22:00 Uhr
Foto: Mike Oelerich

Das Urteil ist gefallen: Der ehemalige Chef der Grevener Feuerwehr wurde wegen des Besitzes und der Weitergabe von kinderpornografischen Materials verurteilt. Im Rahmen eines Strafbefehles wurde eine einjährige Haftstrafe mit dreijähriger Bewährung und eine Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro erlassen. Zusätzlich muss der Familienvater, der jetzt in Emsdetten wohnt, die bereits begonnene psychotherapeutischen Behandlung weiterführen.

Das Urteil führte zu Diskussionen, auch in unserer Redaktion. Ist das Strafmaß ausreichend? Oder ist es viel zu milde ausgefallen? Zwei Kommentare mit einem Pro und Contra.

Strafe ist zu mild

Manch einer beschwört nach solchen Meldungen drastische Maßnahmen herauf. Aber: Wir leben in einem Rechtsstaat, in dem nicht Gleiches mit Gleichem vergolten wird. Allerdings gibt das milde Strafmaß, das dem ehemaligen Grevener Feuerwehrchef wegen des Besitzes und der Weitergabe von Kinderpornografie aufoktroyiert wurde, einem doch zu denken. Denn eines ist klar: Ohne die vielen Männer, die sich diese Bilder und Videos ohne Mitleid anschauen, müssten die Kinder, die dort missbraucht werden, nicht dieses unendliche Leid ertragen.

Jeder, der das konsumiert, hat daran eine große Schuld. Jeder dieser Männer macht sich der schweren Körperverletzung schuldig. Über die psychischen Auswirkungen für die Kinder darf man erst gar nicht nachdenken. Bewährungsstrafe, kleine Geldstrafe – das ist zu wenig.Im Prozess vorher wurde ein junger Mann zu elf Monaten verurteilt, weil er zehn Mal bei einem Verkauf bei Ebay betrogen hatte. Da stimmen einfach die Relationen nicht mehr. (Peter Beckmann)

Therapie statt Haft

Gerade hat ein Gericht die Drahtzieher des Kinderporno-Rings Elysium zu fünf bis zehn Jahren Haft verurteilt. Paragraf 134b StGB nennt für Besitz und Tausch kinderpornografischer Schriften Strafen ab drei Monaten. Er stuft ein. Wenn das Amtsgericht im Verfahren gegen den Ex-Feuerwehrchef ein Jahr auf Bewährung plus Geldbuße erteilt, ist die Schwere der Tat abgestraft. Schwerer wirken für den Familienvater Verlust von Job und Beamtenstatus und soziale Ächtung. Wichtiger als Haft ist für ihn eine Therapie. Die macht er.

Der eigentliche Skandal ist das Wuchern einer oft kriminellen Pornobranche. Sie macht Milliardenumsätze. Erniedrigung und Ausbeutung, nicht nur von Kindern, gehören zum Geschäft. Nicht wenige Nutzer werden süchtig in einer Bilderwelt, die mit ihrer realen Sexualität nichts zu tun hat. Das Thema ist öffentliches Tabu. Gegen Auswüchse helfen aber keine erhobenen Drohfinger, sondern nur Aufklärung, Debatte und Gegenreaktion. (Günter Benning)

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