Ein Besuch bei dem Steinbildhauer Goga Shotadze
Butter und Staub auf dem Brot

Reckenfeld -

In einer neuen Serie stellen wir in mehreren Folgen Berufe vor, die in Greven ausgeübt werden. In dieser Folge geht es um das Berufsbild des Steinbildhauer.

Montag, 25.03.2019, 09:01 Uhr aktualisiert: 25.03.2019, 09:10 Uhr
Goga Shotadze arbeitet mit dem Punktiergerät an der maßstabsgetreuen Abbildung einer Katze. Foto: Felicia Klinger

Mitten in einer ruhigen Siedlung ist das Kreischen einer Kreissäge zu hören. Das Geräusch leitet einen zielsicher zum Steinmetz- und Bildhauerbetrieb Natursteine Häder. Hinter dem kleinen Bürohäuschen staubt es ganz gewaltig. „Hallo“, ruft einer der Mitarbeiter durch seinen Mundschutz hindurch, „ich staub mich mal kurz ab.“ Unter einer dicken Schicht Staub, Mund- und Gehörschutz verbirgt sich ein junger Mann. „So schlimm ist der Staub gar nicht“, erklärt Goga Shotadze, „und irgendwann gewöhnt man sich auch daran.“

Goga Shotadze ist Auszubildender zum Steinmetz- und Bildhauer im dritten Lehrjahr. „Eigentlich eher Bildhauer“, ergänzt er. Die Ausbildung sei zwar anfangs die gleiche, aber man könne sich während der Ausbildungszeit in einem Schwerpunkt spezialisieren. Der Steinmetz arbeitet eher im bautechnischen Bereich, während der Steinbildhauer Skulpturen und Plastiken formt.

„Mich fasziniert die künstlerische Arbeit am Stein“, erklärt der Auszubildende. So sei er auch zu seiner Ausbildungsstelle gekommen. „Ich habe erst vier Semester Bauingenieurwesen studiert“, sagt Shotadze, „aber ich wollte nicht nur die Theorie.“ Der angehende Bildhauer ist ein Anpacker. Er hat große, kraftvolle Hände, mit denen er ab und zu über die Steine streicht. Das Schöne an seinem Beruf sei, selbst etwas gestalten zu können.

Zum Beispiel eine maßstabsgetreue Katze. Ein Übungsstück für die Gesellenprüfung. „Für die Prüfung muss man sehr genau arbeiten“, erklärt er, „sonst arbeite ich gerne Freihand.“ Mit dem Punktiergerät misst der Auszubildende die exakten Proportionen der Katze von einem Gipsmodell ab, um sie dann in den Stein zu übertragen. „Einen Stein muss man lange beobachten, bevor man mit der Arbeit beginnt“, beschreibt der Auszubildende sein Vorgehen, „dann passiert ganz viel in meinem Kopf bis ich die fertige Idee habe.“ Zu gerne würde man ihm beim Denken zuschauen. Doch er spricht bereits weiter.

„Manche denken, wir fertigen nur Grabsteine und Fensterbänke“, sagt Shotadze, „dabei machen wir eigentlich alles, was man mit Steinen so machen kann.“ Er zählt auf: „Treppen, Böden, Brunnen, Bäder, Küchen, Fenstereinfassungen, Mauern.“ Das Spektrum reicht dabei von kleinen filigranen Arbeiten, für die er manchmal nur einen Pinsel benutzt, bis zum Schneiden von großen Steinplatten mit der sechs Meter langen Brückensäge.

Aber am meisten Spaß machen ihm Restaurierungsarbeiten und er zeigt auf eine Jesus-Statue, der eine Hand fehlt. „Hier musste ich mir überlegen, wie der alte Stein der Figur zum neuen Material der Hand passt“, erklärt der Azubi. Bei manchen Aufträgen sei das oft nicht einfach, da es die alten Steinbrüche nicht mehr gebe. Dann mache er sich auf die Suche nach dem richtigen Stein bei anderen Betrieben, im Internet oder auf Baustellen. „Man muss auch mal improvisieren und kreativ sein“, sagt er.

Aber prinzipiell habe ein Steinmetz heute die gleichen Voraussetzungen wie ein Handwerker im elften Jahrhundert. „Wir arbeiten mit den gleichen Techniken, Plänen und Vorgaben“. Schon die Pyramiden der alten Ägypter wurden von Steinmetzen erbaut. Ein altes Gewerbe, das Zukunft hat. Davon ist Goga Shotadze überzeugt. „In der Restaurierung kann eine Maschine einen Handwerker nie ersetzen“, meint er, „dafür sind die Aufgaben zu komplex.“ In der Ausbildung lernt man schließlich auch Baugeschichte von der griechischen Antike bis zum Bauhaus.

Der künstlerisch-historische Aspekt des Berufs ziehe kreative Leute an. „Aber auch die eher technisch Begabten brauchen wir“, ergänzt sein Kollege Ewald Varelmann, „man muss auch Pläne der Statiker korrekt ausführen können.“ Eine gewisse körperliche Kraft sei auch wichtig. „Aber die richtig schweren Sachen nehmen uns Maschinen ab“, sagt Shotadze.

Goga Shotadze tritt wieder an einen weißen Steinsockel und beginnt ihn abzuschleifen. Grinsend sagt er: „Heute Abend gibt es wieder Butter und Staub auf dem Brot“.

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