BEV-Insolvenz
230 Grevener Haushalte betroffen

Greven -

„Bei mir kommt der Strom aus der Steckdose.“ Alter Witz, aber gut. Doch: So manch Grevener macht sich derzeit Gedanken, wo der Strom denn nun wirklich her kommt. Denn: Nach TelDaFax und Flexstrom hat mit der Bayerischen Energieversorgung (BEV) der nächste große Stromanbieter eine Pleite hingelegt und kann seine Kunden nicht mehr beliefern. In Greven sind 150 Strom- und 80 Gas-Kunden betroffen.

Dienstag, 05.02.2019, 07:22 Uhr aktualisiert: 05.02.2019, 07:27 Uhr
Mehrwertsteuer, Ökosteuer, Netzentgelt, EEG-Umlage – der Strompreis setzt sich nur noch zu 15 bis 20 Prozent aus den Beschaffungskosten zusammen. Foto: dpa

Nun: Wirklich Sorgen, dass von jetzt auf gleich der Strom oder das Gas gekappt wird, muss sich kein Grevener machen. „Die ehemaligen Strom- und Gaskunden der BEV in Greven stehen nicht ohne Licht oder Wärme da. Sie werden im Rahmen der sogenannten Ersatzversorgung beliefert“, heißt es in einem Schreiben der Stadtwerke. Eine Versorgungsart, die teuer ist. Deswegen sollte jeder, der betroffen ist, schnell Verträge zu günstigeren Bedingungen abschließen – mit wem auch immer.

Seit der Liberalisierung des Strommarktes im Jahr 1998 haben die Haushalte hierzulande die Möglichkeit, den Stromanbieter zu wechseln. Und das ist etwas, was auch alle Experten empfehlen, allein schon, um einen stärkeren Wettbewerb im Strommarkt zu bekommen. Jedoch kann man davon ausgehen, dass bundesweit nur ein Drittel aller Stromkunden die Möglichkeit zum Anbieter-Wechsel wahrnimmt. „In Greven sind über 80 Prozent aller Haushalte Stadtwerke-Kunden“, verdeutlicht Stadtwerke-Chefin Andrea Lüke .

Vergleicht man aber aktuell die Preise auf den entsprechenden Portalen wie Verivox oder Check24, wird auch schnell klar, dass nennenswerte Einsparungen gegenüber den Preisen der Stadtwerke Greven fast nur in Form von Boni zu erzielen sind und weniger in den Verbrauchspreisen selbst.

Das sagte Volker Walkenfort, Prokurist der Grevener Stadtwerke, schon 2012 voraus. „Der Anteil am Strompreis, der für die Beschaffung aufgewendet wird, wird in Zukunft immer mehr in Richtung 15 bis 20 Prozent rutschen“, war er sich sicher. Mit dem Ergebnis: „Wir als Stromanbieter haben immer weniger Einfluss auf den Preis, die Unterschiede zwischen den Preisen der verschiedenen Anbieter werden künftig wohl nur noch hinter dem Komma ablesbar sein“, so seine nicht gerade ermutigende Prognose.

Na ja, da ist es kein Wunder, dass besonders preiswerte Anbieter irgendwann in Schieflage geraten. BEV jedenfalls wurde vor einem Jahr noch massiv in den beiden großen Vergleichsportalen beworben und bot super günstige Konditionen. „Wir haben uns immer gefragt, wie andere Anbieter das machen. Wir können solche Preise nicht anbieten“, verdeutlichte Lüke.

BEV anscheinend auch nicht. Denn in den vergangenen Wochen wurden versprochene Boni nicht gezahlt oder horrende Preiserhöhungen angekündigt. Bis dann am 29. Januar auf eigenen Antrag ein sogenanntes vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnet wurde.

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