Grevener Worte: „Mutti Halstrup“
Eine fromme Textil-Chefin

Greven -

„Mutti“ hieß mit Vornamen Elisabeth und wurde am 14. August 1882 in Köln als Tochter des Postmeisters Johannes Baptist Volk geboren. 1904 heiratete sie Christoph-Martin Halstrup, einen Blaufärber und Gastwirt, wohnhaft an der Marktstraße im heutigen Gebäude der „Germania Apotheke“.

Sonntag, 19.08.2018, 15:02 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 18.08.2018, 20:02 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 19.08.2018, 15:02 Uhr
Mutti Halstrup in einem Gemäldes des Grevener Malers Wilhelm Palmes aus dem Jahre 1929. Foto: Wilhelm Palmes

Aus dieser Ehe entstammen ihr Sohn Erwin, ihre Tochter Wilma und ihr Sohn Wolfgang.

Ihr Mann gliederte dem von seinem Vater Franz Halstrup übernommenen Manufakturwarengeschäft eine Strickwarenfabrikation an. 1911 verstarb er im Alter von 45 Jahren, so dass seine Frau den Manufakturhandel und die Strickerei allein führen musste.

Im Ersten Weltkrieg wurde die Firma in „Mechanische Strumpfwarenfabrik Franz Halstrup in Greven und Saerbeck“ umbenannt, in dieser Zeit wurden zwischen 20 und 50 Arbeiter beschäftigt. Produziert wurde Unterwäsche. Nach dem Kriege konnte die Firma einen großen Aufschwung verzeichnen. 1921 produzierte man in der Firma bereits mit 76 Handstrickmaschinen, sechs Motorstrickmaschinen, vier Nähmaschinen und acht weiteren Maschinen.

Im Jahre 1923 heiratete Elisabeth Halstrup den Grevener Fabrikanten Franz Cramer, einen Mitinhaber der Textilfabrik „Schründer & Cramer“. Cramer nahm den Namen Franz Cramer-Halstrup an. Elisabeth Cramer-Halstrup blieb die Leiterin der „Strickerei Franz Halstrup“.

1955 wurden mit 550 Beschäftigten täglich 5000 Stück Fertigkleidung produziert. Die Firma hatte den Markennamen „Halstra“ eintragen lassen. Man exportierte nach Skandinavien, Syrien und in den Irak. In den 1960er Jahren wurde der Anschluss an neue Modetrends verpasst, im Dezember 1971 wurde die Firma aufgelöst.

Frau Cramer-Halstrup hat das Ende „ihrer“ Firma nicht erlebt, sie starb am 11. Februar 1967. Sie war in Verhandlungen ein „harter Knochen“, wenn es um ihre Firma ging, und sie suchte wirtschaftlich jeden Vorteil mitzunehmen.

Was ihre Mitarbeiter betraf, so sollte, wenn Frau Cramer-Halstrup in der Fabrik erschien, möglichst nicht geredet, es sollte gearbeitet werden. Sie mochte es nicht so gern, wenn an den mechanischen Strickmaschinen gesungen wurde, trotzdem wurde gesungen. Um der frommen Chefin zu gefallen, wurden auch Kirchenlieder gesungen, so berichten ehemalige Mitarbeiterinnen.

„Mutti“ Cramer-Halstrup war sehr fromm. Sie besuchte jeden Sonntag um 10 Uhr die Messe in St. Martinus. Ihr Chauffeur fuhr sie in einem alten BMW V8 bis vor die Kirche und brachte sie zur Kirchentür. Von dort aus ging sie allein vor bis zur ersten Bank und nahm dort Platz. Nach der Messe erfolgte ihre Rückkehr nach Hause in ihre Villa an der Eschstraße.

Wie von Zeitzeugen berichtet wird, hatte Frau Cramer-Halstrup ein gutes Herz für ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, besonders für die, die in Not geraten waren, aber auch für andere Menschen in Not. So hat sie zum Beispiel einem jungen Mädchen, das bei ihr im Winter 1948 die Zeitungsgebühr für die Westfälischen Nachrichten kassieren wollte, nicht nur wie immer 20 Pfennige Trinkgeld gegeben, sondern auch, „weil es draußen viel zu kalt ist“, warme wollene Unterwäsche geschenkt.

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