Insolvenz Modell Senden e.V.
Probleme türmten sich auf

Senden -

Die Gemeinde Senden hat die Arbeit des Vereins „Modell Senden“ immer geschätzt und begleitet. Als die Schieflage deutlich wurde, sei es aber zu spät für eine Rettung gewesen, beteuert Bürgermeister Sebastian Täger. Die Fördermaßnahmen für Langzeitarbeitslose, die der Verein angeboten hatte, übernehmen offenbar anderer Träger.

Donnerstag, 19.07.2018, 16:04 Uhr

Am Vereinssitz des Modell Senden e.V. stapeln sich Hinterlassenschaften, auch der Insolvenzverwalter muss sichten und aufräumen. Foto: di

Die Krise zeichnete sich ab. „Das kam nicht ganz überraschend“, schildert Bürgermeister Sebastian Täger . Die Schieflage des Vereins Modell Senden e.V. war auch Thema im Rathaus. Allerdings, als die Alarmzeichen stärker wurden, sei es auch schon zu spät gewesen, um noch einen Konsolidierungskurs einzuschlagen. Die Probleme türmten sich bereits auf. Täger bedauert, dass es zum Aus für den Verein gekommen ist, der sich jahrzehntelang für Menschen eingesetzt hat, die dadurch konkrete Hilfe und eine Lobby erhalten haben.

Politik und Verwaltung begleiteten die Arbeit

Politik und Verwaltung waren immer wieder mit dem Thema „Modell Senden/Zentrum Lenz“ befasst. Insofern sei die Bereitschaft aller Parteien groß gewesen, die Arbeit zu unterstützen – auch über den jährlichen Zuschuss in Höhe von gut 30 000 Euro und das Bereitstellen von Räumlichkeiten hinaus. Doch die akute Schieflage war schon zu eklatant. Weshalb dem Verein offenbar nichts anderes übrig blieb, als – wie berichtet – die Reißleine zu ziehen.

Verein selbst äußert sich nicht

Der Verein selbst äußerte sich bisher auf WN-Anfrage nicht dazu, welche Ursachen die zuletzt wohl dramatische Entwicklung ausgelöst haben.

Im Rathaus und im Kreishaus richtet sich der Blick auch bereits mehr in die Zukunft als zurück. Jedenfalls hat die Gemeinde, gemeinsam mit dem Verein Modell Senden, „viel Zeit investiert“, einen neuen Träger für die inhaltliche Arbeit zu finden.

Neue Träger für Maßnahmen in Sicht

Die Suche ist erfolgreich verlaufen. Denn: Das Kolpingwerk wäre bereit, seinen Hut in den Ring zu werfen, wenn der Kreis die Fördermaßnahmen für Langzeitarbeitslose in Senden neu ausschreibt. Das bestätigt Josef Vortmann , Regionalleiter für beruflich Bildung, auf Anfrage unserer Zeitung. Für das Kolpingwerk in der Diözese Münster ist Senden kein unbekanntes Pflaster. Ein Bewerber-Forum wurde in der Stevergemeinde schon angeboten, auch mit dem Projekt „Respekt“, das sich an 15- bis 25-Jährige wendet, war das Kolpingwerk zeitweise in Senden präsent.

Möbelkontor als „Sozialkaufhaus“

Das Aufgabenfeld von „Modell Senden“ bestand darin, Langzeitarbeitslose oder Menschen mit Einschränkungen für das Arbeitsleben fit zu machen. Auf diesem Gebiet sei das Kolpingwerk als Träger vielerorts aktiv. Vortmann hebt hervor, dass die Personen, an die sich die Maßnahmen wenden, aktiviert und stabilisiert werden, dann aber auch das „echte“ Arbeitsleben kennen lernen sollen. Dadurch, dass einige Unternehmer Kolpingsmitglieder seien, könnten den Teilnehmern der Fördermaßnahmen Betriebspraktika angeboten werden. Doch auch ein Sozialkaufhaus, wie von Kolping in Nottuln betrieben, schafft Beschäftigungsperspektiven. Diesen Ansatz hatte das „Modell Senden“ mit dem Möbelkontor umgesetzt. Dass dieses Geschäft so oder in ähnlicher Form wieder eröffnet, könnte sich der Kolping-Regionalleiter gut vorstellen. Die Frage des Standortes sei aber noch nicht geklärt. Vortmann ist aber ohnehin bewusst, dass der Zuschlag für die Fortführung der Fördermaßnahmen noch erteilt werden muss. „Wir wären als Träger ansprechbar“, fasst er die Haltung des Kolpingwerkes zusammen.

Und dabei gilt, dass noch weitere Bewerber ihre Dienste anbieten. Ein zweiter Träger, bestätigt Insolvenzverwalter Thorsten Groeneveld den WN , hat ebenfalls Interesse angemeldet, an die operative Arbeit des Vereins „Modell Senden“ anzuknüpfen. Damit bestehe die Chance, dass die Fördermaßnahmen in Senden nicht dauerhaft ruhen, sondern kurzfristig wieder aufgenommen werden können.

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