Kloster Gerleve
„Wir sind einfach da“

Nottuln -

Im Kloster Gerleve können Männer eine Zeit lang zu Gast sein. Dieses Angebot wird intensiv nachgefragt.

Mittwoch, 03.01.2018, 16:01 Uhr

Hereinspaziert: Bruder Matthäus lädt in die Benediktinerabtei Gerleve ein. Hier kann man zu sich kommen, innere Konflikte klären oder einfach nur den Stress des Alltags hinter sich lassen.
Hereinspaziert: Bruder Matthäus lädt in die Benediktinerabtei Gerleve ein. Hier kann man zu sich kommen, innere Konflikte klären oder einfach nur den Stress des Alltags hinter sich lassen. Foto: Leon Seyock

„Du darfst so sein, wie du bist“ – Das ist die Grundregel für die Gäste des Klosters Gerleve. Und das sind einige. Eine genaue Zahl kann Bruder Matthäus nicht nennen. Aber: „Es sind fast immer alle Zimmer ausgebucht.“ Zehn Einzelzimmer stehen in der Klausur – das ist der nur Ordensmitgliedern vorbehaltene Bereich des Klosters – für zehn Gäste zur Verfügung, ausschließlich für Männer.

Einige bleiben nur wenige Tage, andere mehrere Wochen. Alle suchen Ruhe und Stille. Trotzdem kommen die Menschen mit ganz unterschiedlichen Motiven in die Abtei. So etwa Schüler und Studenten, die sich auf eine Prüfung vorbereiten und in Ruhe lernen möchten. Menschen, denen der Glaube nicht mehr viel bedeutet oder auch Gäste, die Exerzitien machen möchten: „All diesen Menschen bieten wir eine Herberge, egal ob katholisch oder evangelisch“, sagt Bruder Matthäus.

Auch Priester, Politiker oder Bischöfe seien zu Gast. „Die ganze Welt kommt zu uns ins Kloster.“ Oft sind es Menschen, die Brüche in ihrem Leben erlitten haben, zum Beispiel die Trennung vom Partner, den Tod eines geliebten Menschen oder einen Burn-out im Job. Einige möchten sich neu orientieren oder wieder neu zu Gott finden.

Während des Aufenthaltes im Kloster können die Besucher am Tagesablauf der Mönche teilnehmen, „verpflichtend ist nur das gemeinsame Mittag- und Abendessen im Refektorium“, berichtet der Mönch.

Auch hier ist Ruhe geboten: „Bei den Mahlzeiten sprechen wir nicht, und daran müssen sich auch unsere Gäste halten.“ Sonst sei es ihnen freigestellt, wie sie ihren Tag verbringen möchten. Laufen, Joggen, Fahrrad fahren, Malen, Zeichnen oder auch im Internet surfen sind einige der Beschäftigungen, denen die Besucher im Kloster Gerleve nachgehen. „Du darfst so sein, wie du bist“, ist der Leitsatz.

Für die Mönche steht die erste Chorgebetszeit um 5.20 Uhr auf dem Plan. An diesem Tagesablauf können auch die Gäste teilnehmen. Um 12 Uhr laden die Mönche zum Mittagsgebet ein. Um 17.30 Uhr wird dann die Vesper gefeiert und abschließend das Nachtgebet um 20.15 Uhr.

„Durch den Abstand zum Alltäglichen kommen hier viele ins Nachdenken“, sagt Bruder Matthäus. „Dieser Ort ist ein Ort, an dem etwas passieren kann. Die Menschen finden den Raum, um wieder zu sich zu finden und um mit Gott in Berührung zu kommen.“

„Wichtig dabei ist“, so der Bruder, „dass ich ihnen mein Ohr leihe. Wir beobachten die Besucher und hoffen, dass sie Gespräche mit uns führen möchten.“ Die Themen sind dabei so verschieden wie die Menschen und ihre Beweggründe, für einige Tage ins Kloster zu gehen. Sie reichen von Alltagssorgen bis hin zu Suizidgedanken. „Wir sind einfach da.“

Es sei auffällig, dass die Menschen während ihres Aufenthaltes aufbrechen und anders gehen, als sie gekommen sind. Auch Menschen, die sich die Übernachtungskosten nicht leisten können, sind willkommen. „Das kann mit Spenden von anderen Gästen wieder ausgeglichen werden.“

Und abschließend: „Es ist schön, die Menschen begleiten und ihnen Hilfestellungen geben zu können.“

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5397993?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F164%2F
Alleinunfall: Motorradfahrer erleidet schwerste Verletzungen
29-Jähriger zwischen Lengerich und Tecklenburg-Leeden verunglückt: Alleinunfall: Motorradfahrer erleidet schwerste Verletzungen
Nachrichten-Ticker