Mundglasbläser Roland Retzlawski
Ein altes Handwerk ist seine große Leidenschaft

Nottuln -

Er hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt und seine Erfahrung in ungezählten Objekten umgesetzt: Mundglasbläser Roland Retzlawski.

Samstag, 30.12.2017, 08:12 Uhr

Nicht nur die Kerzenhalter (vorne im Bild) hat Roland Retzlawski selbst gestaltet, auch die Objekte, die an seine Arbeit für die physikalische Chemie der Universität Münster erinnern, sind sein Werk.Roland Retzlawski bei seiner Arbeit vor 30 Jahren. Die Schutzbrille erlaubt es dem Glasbläser, in die Flamme zu schauen.
Nicht nur die Kerzenhalter (vorne im Bild) hat Roland Retzlawski selbst gestaltet, auch die Objekte, die an seine Arbeit für die physikalische Chemie der Universität Münster erinnern, sind sein Werk.Roland Retzlawski bei seiner Arbeit vor 30 Jahren. Die Schutzbrille erlaubt es dem Glasbläser, in die Flamme zu schauen. Foto: Helmut Brandes

Im Haus von Roland und Rosi Retzlawski fallen jedem Besucher sofort die zahllosen individuellen Glasobjekte ins Auge, die überall aufgestellt sind. Wie es zu dieser Ansammlung kommt? Die Antwort lautet: Roland Retzlawski ist gelernter Mundglasbläser. Ein alter Beruf, ungewöhnlich in diesen Tagen, aber spannend. Und mit tollen Ergebnissen.

Auch Rosi Retzlawski freut sich über die außergewöhnlichen und individuellen Objekte in der Wohnung. Und wer kann schon von sich behaupten, dass er Kerzenhalter für den Adventskranz besitzt, die der eigene Mann gestaltet und angefertigt hat? Dasselbe gilt für die großen, kunstvoll gestalteten Glasstelen im Wintergarten, die ein wahrer Blickfang sind.

„Wenn wir einen Weihnachtsmarkt oder ein Geschäft mit Dekoartikeln besuchen, zieht es meinen Mann sofort zur Glaskunst“, schmunzelt Rosi Retzlawski. Für einen alten Glasbläser ein Muss. Mit fachmännischem Blick beurteilt der Nottulner nicht nur die Qualität, sondern schwelgt auch in Erinnerungen.

Roland Retzlawski trat 1956 seine Lehre als Mundglasbläser in der Glashütte Nölle und Campe an der Weser an. Danach arbeitete er noch in einigen bekannten Glashütten in Deutschland. Zuletzt war er an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster tätig.

Die Handwerkskunst des Glasbläsers hat eine lange Tradition. Die Technik ist im Allgemeinen die folgende: Das Glas wird bei 1000 Grad im Ofen zum Glühen gebracht und dann herausgenommen. Mit der Glasbläserpfeife wird das weiche Material zunächst in kleine Köbel geblasen. Das sind kugelförmige hohle Glaskörper. Diese werden dann auf einem Ständer abgehangen. Von diesem nimmt sich der Glasbläser die notwendige Menge Glas, die er für sein Endprodukt benötigt. Eine Form aus Birnbaumholz, das zuvor ordentlich gewässert wird, verleiht dem Glas die Grundgestalt. Dann kommt eine Art Holzlöffel in unterschiedlichen Größen ins Spiel. Auf diesem kühlt das Glas etwas ab und kann danach bearbeitet und in Form geblasen werden.

Weihnachtskugeln wurden übrigens nur selten in einer Glashütte angefertigt. Diese waren darauf nicht eingestellt, weil sie Alltagsgegenstände in hohen Stückzahlen produzierten. Weihnachtskugeln stellten Glasbläser meistens in Heimarbeit her. Auch Roland Retzlawski hat schon Weihnachtskugeln für Freunde und für den eigenen Weihnachtsbaum geblasen.

„Ein Glasbläser benötigt ein gutes Auge, ein Gefühl für Proportionen und Formen und ganz viel Fingerfertigkeit. Nur durch langjährige Erfahrung und sehr viel Übung ist man in der Lage, den Qualitätsansprüchen gerecht zu werden“, weiß er und ergänzt: „Das geht nicht ohne Liebe und Leidenschaft für diesen Beruf.“

Die industrielle Massenproduktion machte auch vor den Glashütten nicht halt. Die meisten mussten schließen. Roland Retzlawski bildete sich weiter zum „Glasapparatebläser“. Von 1972 bis zu seiner Pensionierung arbeitete er im Institut für physikalische Chemie der Universität Münster. Er stellte Apparaturen aus Glas für Doktoranden her, betreute Praktikanten. Auch hier waren sein ganzes Wissen und die langjährige Erfahrung eines Mundglasbläsers gefragt.

Mit Stolz blickt er auf sein Berufsleben zurück. Und die von ihm gefertigten Objekte werden der nachfolgenden Generation als Erinnerung erhalten bleiben.

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