Herberge in Schapdetten
Neuanfang mit Mariam

Schapdetten -

Wie ihre Zukunft in Deutschland sein wird, wissen Ammar und Fatemeh aus Syrien noch nicht. Doch ihre neugeborene Tochter Mariam ist ein großer Ansporn, hier schnell heimisch zu werden.

Freitag, 22.12.2017, 18:12 Uhr

Gerade mal vier Wochen jung: Die kleine Mariam, die derzeit mit ihren stolzen Eltern Fatemeh und Ammar in der ehemaligen Schapdettener Grundschule lebt.
Gerade mal vier Wochen jung: Die kleine Mariam, die derzeit mit ihren stolzen Eltern Fatemeh und Ammar in der ehemaligen Schapdettener Grundschule lebt. Foto: Ulla Wolanewitz

Mariam ist die arabische Version von Maria und bedeutet: die Schöne, die Stolze, die Starke. Die kleine Starke erblickte am 21. November in einem Münsteraner Krankenhaus mit 3100 Gramm und 50 Zentimetern das Licht der Welt und ist seitdem der große Stolz ihrer syrischen Eltern. Dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, beweist ihre schon vorhandene dunkle Haarpracht. Die gute Veranlagung dazu hat sie wohl von ihrer Mama geerbt.

Ihre Herberge ist die ehemalige St.-Bonifatius-Grundschule Schapdetten, in der sie derzeit mit ihren Eltern lebt. Gerda Danker vom 15-köpfigen Integrationskreis Schapdetten ist ihre Familienpatin. Sie begleitet die jungen Eltern bei Behördengängen, Arztbesuchen und anderem komplizierten Alltagsallerlei. Diesen Einsatz wissen Ammar und Fatemeh sehr wohl zu schätzen. Der 35-Jährige betont gerne: „Für Gerda würde ich zu Fuß nach Münster laufen.“

Im feinsten Lichterglanz brennt hier der Weihnachtsbaum. Beim Fotoshooting scheint es fast so, als würde die kleine Zaubermaus zu diesem Anlass lächeln. Ein klassischer Weihnachtsbaum in einem muslimischen Haushalt? „Ich bin halb Christ, halb Muslim“, schmunzelt Papa Ammar in Englisch, bietet seiner Besucherin eine Schnapspraline an und erklärt weiter, dass seine Mutter Christin ist, sein Vater Muslim. Von daher gab es in seiner syrischen Heimat Latakia zu dieser Jahreszeit auch immer einen Weihnachtsbaum.

Ammar und Fatemeh sind froh, dass sie nach einer langen Odyssee der Ungewissheit nun in Schapdetten endlich etwas Frieden gefunden haben. Nein, sie sind nicht mit der großen Flüchtlingswelle 2015 nach Deutschland gekommen, sondern erst seit September dieses Jahres hier. Zuvor arbeiteten die beiden einige Jahre in Dubai. Er als Mechatroniker, sie als Lehrerin für Sechs- bis Zehnjährige. Als das Visum auslief, mussten sie eine Entscheidung fällen. Zurück in die syrische Heimat? Oder eine Alternative suchen? Die Frage war schnell geklärt. Denn: Was macht es für einen Sinn, freiwillig zurückzugehen in ein Land, in dem Krieg geführt wird?

„In Deutschland sind die Menschen entspannt. Vor allem gibt es hier Religionsfreiheit und bessere politische Verhältnisse“, erklärt Ammar ihre Entscheidung, zu der auch die Tatsache beigetragen hat, dass zwei Brüder von Fatemeh bereits in Münster leben.

Ihre erste deutsche Adresse war die Oxford-Kaserne in Münster. Was für die zwei den Vorteil mit sich brachte, dass sie relativ schnell die Anerkennung für ihren Flüchtlingsstatus – für drei Jahre – erhielten. Eben, weil dort eine Niederlassung vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) eingerichtet ist.

„Dieses Glück haben die Bewohner unserer Unterkunft nicht. Viele müssen nach Bochum, und das gestaltet sich oft viel komplizierter und aufwendiger“, so die Erfahrung von Gerda Danker. „Und uns fehlen die Möglichkeiten und Zeitkapazitäten, um sie dorthin zu begleiten.“

In jedem Fall nutzt das junge Paar in Schapdetten schon mal das Angebot, Deutsch zu lernen, bevor es mit den offiziellen Integrations- und Deutschkursen losgeht. „Wir möchten gerne in Deutschland bleiben. Ich möchte so schnell wie möglich hier in meinem Beruf arbeiten, um meiner Familie eine gute Zukunft bieten zu können“, sagt Ammar zielstrebig.

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