Zurück zur Meisterprüfung im Handwerk
Abschaffung hat geschadet

Lüdinghausen -

Die Bundesregierung will in einigen Handwerksberufen, darunter Raumausstatter und Fliesenleger, die Meisterpflicht wieder einführen. Das befürworten nicht nur die Kreishandwerkerschaft, sondern auch Inhaber von Meisterbetrieben in den betroffenen Berufen aus Lüdinghausen. Sie sind der Ansicht, dass die Abschaffung der Meisterpflicht zur Betriebsgründung dem Berufsbild geschadet habe.

Mittwoch, 11.09.2019, 09:00 Uhr
Sabine Dresken arbeitet als Gesellin bei Raumausstatterbetrieb Koke. Ihre Chefin Barbara Koke macht keinen Hehl aus ihrer Meinung zur Abschaffung der verpflichtenden Meisterprüfung in einigen Handwerksberufen im Jahr 2004. Das sei ein Fehler gewesen. Die schwarz-rote Bundesregierung will dies in einigen Sparten rückgängig machen. Foto: Marion Fenner

Fliesenleger, Raumausstatter und Orgelbauer brauchten seit 2004 keinen Meisterbrief mehr, um einen Betrieb zu führen. Das will die schwarz-rote Koalition der Bundesregierung nun wieder ändern. „Eine gute Idee“, findet Frank Summen, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Coesfeld. Noch sei zwar nichts beschlossen, „es laufen nur erste Gespräche“. Das Anliegen sei aber durchaus zu befürworten, erklärt Summen.

Qualitätssicherung

Eigentlich sei es damals keine gute Idee gewesen, die Meisterpflicht aufzugeben, ist der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft überzeugt. „Wir brauchen im Handwerk eine vernünftige Qualitätssicherung und hohe Standards. Das ist nur durch eine hochwertige Ausbildung zu gewährleiten. Der Meisterbrief ist ein Zeugnis für eine umfassende Ausbildung.“

Die Abschaffung der Meisterpflicht hat unseren Berufsstand kaputt gemacht.

Fliesenlegermeister Günter Reismann

Natürlich könne auch ein handwerklich geschickter Mensch Fliesen verlegen oder Gardinen aufhängen, so Summen. Aber eine Garantie für eine handwerklich korrekte Leistung bekomme der Kunde damit nicht. In anderen europäischen Ländern gebe es die Meisterpflicht nicht, das sei seinerzeit auch ein Grund gewesen, diese Prüfung nicht mehr zu fordern. Doch laut Summen habe sich gezeigt, dass dieses Qualitätssiegel durchaus Sinn mache, im Sinne des Handwerks und natürlich auch des Endverbrauchers.

Fachkräfteausbildung

Auch Barbara Koke vom gleichnamigen Raumausstatterbetrieb, deren Mann Heinz-Albert Koke Raumausstattermeister ist, befürwortet das Vorhaben der Politik. Der Beruf sei sehr umfassend, ohne fundierte Kenntnisse, gute Aus- und Weiterbildung könne keine wirklich gute Arbeit geliefert werden, ist Koke sicher. Die Meisterpflicht hält sie für wichtig, um auch weiter genügend Fachkräfte ausbilden zu können.

„Bei unserem Beruf geht es um weit mehr, als nur Gardinen aufzuhängen“, erklärt sie. Ein Raumausstatter müsse Böden verlegen können und Sessel polstern. Alles Techniken, die zu beherrschen seien. Dazu komme die Beratung und Wissen über die vielfältigen Materialien. Dazu gebe es immer wieder Neuerungen, „die der Kunde wünscht und nur ein gut ausgebildeter Handwerker erfüllen kann“. Der Meisterbrief beinhalte auch Kenntnisse, um einen Betrieb zu führen. „Wer in der Lage ist, sein Geschäft gut zu führen, sichert auch Arbeitsplätze“, erklärt Koke. Das Ende des Meisterbriefes habe dem Berufsbild nicht gut getan und der Fachkräfteausbildung geschadet.

Wildwuchs

Deutlich drastischer drückt das Günter Reismann aus. „Die Abschaffung der Meisterpflicht hat unseren Berufsstand kaputt gemacht. Das war ein großer Fehler“, sagt der Fliesen- und Estrichlegemeister. Damals, als die rot-grüne Bundesregierung die Abschaffung auf den Weg gebracht habe, sei das Handwerk vergeblich dagegen Sturm gelaufen. Nicht alle Angleichungen an EU-Standards seien förderlich, sagt Reismann, der seit 45 Jahren im Beruf ist.

Dieser Wildwuchs habe dazu geführt, dass vielfach fachlich nicht vernünftig ausgebildete Handwerker entsprechende Qualität abgeliefert hätten. Er selbst, so erklärt er mit einem gewissen Sarkasmus, lebe jetzt unter anderem davon, „dass ich repariere, was andere angerichtet haben“.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6916586?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F163%2F
50 Autos in Flughafen-Parkhaus komplett ausgebrannt
Großbrand am FMO: 50 Autos in Flughafen-Parkhaus komplett ausgebrannt
Nachrichten-Ticker