Neues Ausbildungsjahr
„Es gibt immer weniger Bewerber“

Lüdinghausen -

Die Betriebe in Lüdinghausen müssen sich kein Hauen und Stechen liefern, um geeigneten Nachwuchs zu finden – zurzeit zumindest. Doch die Suche wird immer schwieriger. Denn Abitur und Studium sind deutlich beliebter als der klassische Lehrberuf. Licht am Ende des Tunnels ist nicht in Sicht.

Donnerstag, 15.08.2019, 13:00 Uhr
Handwerk hat goldenen Boden, sagt der Volksmund. Doch die Betriebe müssen sich immer mehr anstrengen, um bei der Suche nach Auszubildenden mit Abitur und Studium konkurrieren zu können. Foto: dpa

Die Zeiten, in denen junge Leute miteinander um einen Ausbildungsplatz konkurrieren mussten, sind vorbei. Ein Grund dafür ist, dass Abitur und Studium in den vergangenen Jahren noch beliebter geworden sind. Nun kämpfen viele Unternehmen darum, überhaupt noch qualifizierte Auszubildende zu finden. Die WN haben sich zu Beginn des neuen Lehrjahrs unter Betrieben umgehört, wie die Suche nach dem Nachwuchs diesmal gelaufen ist.

Mehr als zufrieden ist Ulrike Geiping, Geschäftsführerin der gleichnamigen Bäckerei: „Wir haben insgesamt 22 Auszubildende eingestellt – in der Bäckerei und Konditorei, für das Lager, den Verkauf und die Verwaltung. Das ist ein schönes Ergebnis.“ Aber: „Es ist deutlich schwieriger geworden. Das Abitur ist heute fast schon Usus, das Handwerk muss immer mehr überzeugen. Wir haben sehr viel Werbung gemacht, aber wir haben uns auch einen guten Ruf als Ausbilder erworben.“

Es war mal einfacher, qualifizierten Nachwuchs zu finden.

Tim Wilke

Tim Wilke , beim Autohaus Rüschkamp für die Ausbildung zuständig, kann – Stand 2019 – ebenfalls nicht klagen. Der Betrieb habe 14 junge Leute für den kaufmännischen Bereich, die Werkstatt und als Fahrzeuglackierer eingestellt. „Das ist in etwa der Stand des vergangenen Jahres“, sagt Wilke. „Aber die zusammenzubekommen, war nicht einfach. Die schulischen Leistungen und die Arbeitseinstellung müssen passen. Es war mal einfacher, qualifizierten Nachwuchs zu finden. Man merkt immer mehr, dass viele studieren wollen. Aber auch im Handwerk kann man schnell gutes Geld verdienen, wenn man qualifiziert ist.“

Auch die Volksbank in Lüdinghausen hat damit begonnen, noch aktiver um den Nachwuchs zu werben – mit dem Nachwuchs, der schon dabei ist, so Pressesprecherin Theresa Stiefel: „Seit zwei Jahren machen unsere Auszubildenden eine Werbeaktion, die Fragen beantwortet, die sie bei ihrer eigenen Arbeitsplatzsuche selbst interessiert hatten – mit Videos, Facebook-Posts und Plakaten für die VB-Geschäftsstellen. 2019 war das Motto ,Eine Tür öffnet viele‘.“

Wir stellen niemanden ohne vorheriges Praktikum ein.

Barbara Schipper

Barbara Schipper, bei Euronics für Personal und Marketing zuständig, sieht die Lage relativ entspannt: „Quantitativ haben wir keine Probleme bei der Suche. Wir haben immer genügend Interessenten, die sich bei uns melden. Aber wir stellen auch niemanden ohne vorheriges Praktikum ein. Es bewerben sich jedoch auch manchmal Interessenten, bei denen man sich fragt, warum sie sich für einen kaufmännischen Beruf entschieden haben. Hier geht es ja vorrangig darum, rechnen und sich gut ausdrücken zu können.“

In der klassischen Handwerksbranche machen sich die Verantwortlichen mehr Sorgen, zumindest langfristig. „Wir haben einen Auszubildenden im zweiten Lehrjahr, mit dem wir gut zufrieden sind“, sagt Felix Hagen, Inhaber und Geschäftsführer der Dachdeckerfirma Felix Buse. „Aber man merkt schon, dass sich immer weniger Bewerber melden. Das ist auch regelmäßig Thema bei den Innungsversammlungen. Dazu kommt, dass sich die Dachdecker bei den wenigen Bewerbern immer mehr untereinander Konkurrenz machen müssen.“

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