Rollstuhlfahrer
Dennis steht auf – zum ersten Mal nach 13 Jahren

Lüdinghausen -

Diesen 30. Januar wird Dennis Zittlau nie mehr vergessen. Der 33-Jährige hofft darauf, dass dieses Datum für ihn den Start in ein neues Leben markiert. Denn der Lüdinghauser konnte nach 13 Jahren im Rollstuhl erstmals wieder auf seinen Beinen stehen.

Samstag, 04.02.2017, 15:00 Uhr aktualisiert: 04.02.2017, 15:52 Uhr
Erste wackelige Schritte am Rollator, mit der Unterstützung seiner Physiotherapeutinnen Andrea Teipel-Oellerich (l.) und Teresa Laudick, machen Dennis Zittlau Hoffnung auf den Start in ein neues Leben. Foto: privat

Der 30. Januar dürfte wohl für die meisten Lüdinghauser ein ganz normaler Montag gewesen sein. Für Dennis Zittlau war er das ganz sicher nicht. Für den 33-jährigen Finanzbeamten war das der Tag, an dem er zum ersten Mal wieder aus eigener Kraft stehen konnte. Für gesunde Menschen keine große Sache. Für jemanden, der seit einem Unfall vor 13 Jahren querschnittsgelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen ist, dem die Ärzte stets sagten, er werde nie wieder aufrecht stehen geschweige denn gehen können – für solch einen Menschen ist das ein Meilenstein, ein Ziel, auf das er viele Jahre mit aller Kraft, einem ungeheuren Durchhaltewillen und einer schier unerschütterlichen Hoffnung hingearbeitet hat. „Zwischendurch gab es schon Momente, in denen ich nicht mehr konnte. Aber aufgeben war nie eine Option“, erzählt der drahtige junge Mann im Kapuzenshirt beim Kaffee in seiner barrierefreien Dachgeschosswohnung.

Zwischendurch gab es schon Momente, in denen ich nicht mehr konnte.

Dennis Zittlau

15 Operationsnarben zieren inzwischen seine Beine. Die wichtigste Operation erfolgte 2013. Damals ließ er sich in der Schweiz einen elektronischen Neuro-Stimulator einsetzen. So eine Art Schrittmacher für die Nerven in seinen gelähmten Beinen. Ein Eingriff, den die gesetzliche Krankenkasse nicht übernehmen wollte. Also startete er damals – auch mit Unterstützung der WN – einen Spendenaufruf, um die 75 000 Euro teure Operation bezahlen zu können. Rund 40 000 Euro seien damals zusammengekommen. „Das war echt irre. Zusammen mit dem Anteil, den die Beihilfe übernommen hat, konnte ich nicht nur die OP bezahlen, sondern sogar noch einen großen Batzen der ‚Stand Up-Initiative‘ überlassen.“ Die gemeinnützige Hilfsorganisation kümmert sich um Menschen mit Querschnittslähmung und hilft Betroffenen auch bei Spendenaktionen.

Und jetzt hab’ ich es tatsächlich geschafft, ich kann zum ersten Mal stehen.

Dennis Zittlau

Nach der Freude über die gelungene Operation folgte allerdings wenig später ein herber Rückschlag. Insgesamt drei Muskelfaserrisse warfen den Lüdinghauser in seinem Training weit zurück. „Lange ging da gar nichts. Hinzu kam, dass ich anschließend Probleme mit den durch den Faserriss verkürzten Muskeln hatte.“ Erst nach einer weiteren Operation im Sommer 2016, bei der die verkürzten Muskeln angeschnitten wurden, konnte Zittlau wieder mit dem eigentlichen Training beginnen. „Und jetzt hab’ ich es tatsächlich geschafft, ich kann zum ersten Mal stehen.“ Am Rollator und unter den Argusaugen der beiden Physiotherapeuten Andrea Teipel-Oellerich und Teresa Laudick, die ihn seit drei Jahren betreuen. Sogar erste wackelige Schritte hat er schon gewagt. Trotz dieses Erfolgs bleibt der 33-Jährige aber realistisch. „Ich werde sicher nie wieder mit dem Skateboard durch die Gegend düsen, so wie früher. Aber es wäre schon klasse, wenn ich es vielleicht schaffe, irgendwann mal am Rollator durch meine Wohnung zu spazieren und oben auf dem Schrank Staub zu wischen“, meint er mit einem ironischen Schmunzeln.

Hochzeit am 7. Juli

Und dann gibt es noch ein anderes Ziel, das ihn anspornt. Eines, für das er im März extra eine zweiwöchige Intensiv-Reha machen wird. „Am 7. Juli werde ich auf der Burg Lüdinghausen heiraten. Dann möchte ich meiner Verlobten das Ja-Wort geben – und zwar im Stehen.“

Dennis Zittlau alias „Sittin’ Bull“

Nach seinem Unfall begann Dennis Zittlau im Krankenhaus erst Texte und Gedichte zu verfassen, später komponierte er die passenden Melodien. Seit 2005 ist er unter dem Künstlernamen „Sittin´ Bull“ im Musikgeschehen aktiv, hat zwei Alben herausgebracht und zahlreiche Liveauftritte absolviert. Sein offener Umgang mit seiner Behinderung, Videoreportagen über seine Reisen und sein ehrenamtliches Engagement machten ihn weit über Lüdinghausen bekannt. 2014 drehte RTL einen Dokumentarfilm über ihn, im vergangenen Jahr lud ihn das NRW-Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales ein, die Feierlichkeiten zur Verleihung des Inklusionspreises musikalisch zu eröffnen.

  | www.sittin-bull.de

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