Eckart Grundmann äußert sich zum Landesentwicklungsplan
„Flächenfraß Einhalt gebieten“

In der jüngsten Sitzung verabschiedete der Stadtrat seine Stellungnahme zum Landesentwicklungsplan. Nachdem im Planungsausschuss über einzelne Aspekte heftig gestritten wurde, war Eckart Grundmann (Bündnis 90/Die Grünen) das einzige Ratsmitglied, das sich zum Landesentwicklungsplan noch einmal geäußert hat – wenn auch vergeblich, wie das Abstimmungsergebnis in zwei Versuchen ergab. WN-Redakteur Werner Storksberger sprach mit Grundmann über Themen des Landesentwicklungsplans.

Sonntag, 29.12.2013, 10:12 Uhr

Sie haben sich in Ihrem Beitrag insbesondere kritisch mit dem Flächenverbrauch beschäftigt. Sind Sie der Meinung, dass man in Lüdinghausen keinen Überblick mehr hat über ungenutzte (Gewerbe-)Immobilien und freie Flächen?

Grundmann : Diese Frage muss ich leider mit „Ja“ beantworten, denn die Stadtverwaltung kann bestenfalls über Nutzung und Verfügbarkeit städtischer Gebäude und Liegenschaften Auskunft erteilen. Wie es dagegen um Immobilien im Privatbereich bestellt ist, ist ihr häufig unbekannt. Ein Nutzungs- beziehungsweise „Leerstandskataster“ könnte hier Abhilfe schaffen.

Flächen, die von der Stadt für Gewerbezwecke oder Bauland gekauft, aber noch nicht genutzt wurden, sind eine Kapitalanlage. Sind Sie ernsthaft der Meinung, dass solche Flächen in Freiraum – also in dauerhaft von Siedlungsnutzung freizuhaltende Fläche - umgewandelt werden sollten?

Grundmann: Wenn sich für diese Flächen etwa wegen mangelnder Attraktivität die ursprünglichen Pläne nicht verwirklichen lassen, muss die Freiraumentwicklung eine ernsthaft zu prüfende Option sein. Sollte die Stadt bei solchen Flächen an der Baulandnutzung festhalten wollen, ist das okay. Allerdings darf sie dann nicht erwarten, an anderer Stelle unbekümmert zusätzliche Freiflächen überplanen zu dürfen.

Sie haben sich in Ihrem Wortbeitrag im Rat eindringlich für die intensivere Nutzung von Brachflächen innerhalb der Siedlungsräume ausgesprochen. Wie kann man sich so etwas praktisch vorstellen?

Grundmann: Die Stadt ist für ihren gesamten Siedlungsbereich zuständig – unabhängig von den Eigentumsverhältnissen. Bei der Planung nimmt sie diese Verantwortung bislang wahr, wenn es um den Vollzug der Planung geht, sieht das leider schon anders aus. Da werden Flächen nicht genutzt, obwohl sie der Bauleitplanung zufolge genutzt werden könnten. Denken Sie etwa an die Flächen des ehemaligen Betonsteinwerkes an der Lindenstraße, südlich der Stuhlfabrik. Einen solchen Luxus können wir uns einfach nicht mehr länger leisten.

Städte und Gemeinden sind Träger der Planungshoheit. Diese Planungsfreiheit wird jedoch immer mehr durch Landes- und Regionalplanung beschnitten? Ist das der richtige Weg, damit Kommunen sich entwickeln können?

Grundmann: Seit 2001 hat die Siedlungs- und Verkehrsfläche unserer Stadt um 18 Prozent zugenommen. Dieser Flächenfraß geht ganz überwiegend zulasten der landwirtschaftlichen Nutzfläche, die wir für die Versorgung unserer Bevölkerung zwingend benötigen. Freiraum ist ein knappes und daher wertvolles Gut. Dieser Sachverhalt ist beim Bürgermeister, der FDP und der CDU – bis auf ganz wenige Ausnahmen – noch nicht angekommen. Wenn das Land die Geschwindigkeit, mit der der Flächenfraß vorangeht, verringern will, geschieht dies im Interesse aller NRW-Bürger, also auch der Bürger von Lüdinghausen und Seppenrade.

In der Stellungnahme zum LEP fordert der Rat auch die Leistungssteigerung der heimischen Bahnstrecke? Sehen Sie hier auch Defizite?

Grundmann: Pendler wissen, dass die Regionalbahn von und nach Dortmund im Berufsverkehr häufig überfüllt ist. Eine Taktverdichtung wäre hier durchaus erstrebenswert, setzt aber voraus, dass für den Begegnungsverkehr (sogenannte Zugkreuzung) ausreichend Ausweichgleise zur Verfügung stehen. Die derzeit vorhandenen Ausweichgleise sind unzureichend und führen bereits jetzt dazu, dass bei Verspätungen in einer Richtung auch die Gegenrichtung „aus dem Takt gerät“.

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