Lüdinghausen
Hitchcock verharrte im Hintergrund

Donnerstag, 13.03.2008, 20:03 Uhr

-chrb- Lüdinghausen . Das Wetter hätte nicht passender sein können: Während auf den Straßen der Regen peitschte, hob sich am Mittwochabend in der Realschulaula der Bühnenvorhang zum Krimiabend . Das Kulturamt der Stadt hatte zur letzten Theatervorführung der laufenden Kulturwinter-Saison geladen – „Bei Anruf Mord“, die ursprüngliche Bühnenfassung des 1954 von Alfred Hitchcock verfilmten Broadwaystücks.

Dieses nach mehr als einem halben Jahrhundert noch einmal auf den Spielplan zu bringen, wirkt zunächst einigermaßen skurril. Dreht sich die Handlung doch um einen fehlgeschlagenen Mordversuch, bei dem der Anruf aus einer Telefonzelle und ein ebenfalls fest installierter Hausapparat eine wesentliche Rolle spielen.

Um das unzeitgemäße Stück nicht auch noch unfreiwillig komisch wirken zu lassen, trat das Ensemble der Braunschweiger „Komödie am Altstadtmarkt“, das mit dem mörderischen Anruf auf Tournee ist, die Flucht nach vorn an: Kurz vor Beginn des Stückes bat eine Stimme aus dem Off – begleitet von dramatischer Orchestermusik – die Zuschauer, doch bitte alle Handys auszuschalten: Treffer.

Das Stück selbst wurde zu einer Zeitreise in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Die gute Ehefrau und ihr böser Gatte leben in einem spießigen Appartement mit geblümtem Couchmuster unter der Reproduktion eines Ölgemäldes. Am Wochenende wählt man zwischen Kino und gepflegter Samstagabendunterhaltung – am heimischen Radio, das klassische Musik oder Louis Armstrong spielt.

Konsequenterweise ließen die Schauspieler mit einer Mischung aus naivem Charme und Selbstironie das Stück um eine begüterte Frau, die von ihrem durchtriebenen Mann unschuldig in die Todeszelle gebracht wird, wieder lebendig werden.

Die ahnungslose Sheila Wendice, auf der Leinwand einst von Grace Kelly verkörpert, gab die aus TV-Serien bekannte Isabella Schmid. Sie schaffte den Spagat, eine Frau glaubwürdig darzustellen, die sich zwar einen Liebhaber hält, andererseits aber bereitwillig für ihren Angetrauten Zeitungsausschnitte in ein Album einklebt.

Kleiner Schönheitsfehler: Es dürfte auch in den 50er Jahren nicht üblich gewesen sein, dass ein Liebespaar sich siezt. Da sollte das Ensemble das originale „you“ vielleicht einmal sinngemäß übersetzen lassen.

Sheilas Liebhaber spielte Tim Niebuhr vor allem zu Beginn eine Spur zu schnöselig, während Stephan Bürgi den Ehemann als glatten Fiesling glaubhaft auf die Bühne brachte. Der von diesem engagierte Auftragskiller wurde von Kay Szacknys als schmieriger und etwas beschränkt wirkender Zeitgenosse gemimt, dem man einen Mord nicht so richtig zutrauen mag.

Die beste Leistung an diesem Abend vollbrachte Werner H. Schuster als Inspektor Hubbard – eine Art Columbo mit Groucho-Marx-Bart, der den Ehemann am Ende mit der gleichen terrierhaften Hartnäckigkeit überführt, mit der er zuvor dessen Frau in den Todestrakt gebracht hat.

Es war ein unterhaltsamer Abend, dem die zahlreichen Déjà-vu-Momente bis zum Ende nichts anhaben konnten – Hitchcock blieb im Hintergrund. Dass einige wenige Stühle in der Realschulaula leer blieben, musste die Schauspieler nicht stören. Schließlich war da noch der peitschende Regen, der den einen oder anderen vom Theaterbesuch abgehalten haben dürfte.

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