Kabarett im Forum
„Vorsicht, Herr Söder“

Havixbeck -

Simone Solga nimmt kein Blatt vor dem Mund: „Vorsicht, Herr Söder, je größer der Pfau sein Rad schlägt, desto besser sieht man seinen Arsch.“ Auch aus dem Kanzleramt wusste die Kabarettistin einiges zu berichten.

Sonntag, 19.05.2019, 19:07 Uhr
Scharfzüngig wie eh und je: Kabarettistin Simone Solga als Kanzlerinsouffleuse brillierte in Havixbeck mit ihrem Programm „Das gibt Ärger!“. Foto: Marita Strothe

„Ganz offiziell“ bat Simone Solga am Freitagabend in Havixbeck um politisches Asyl. Schließlich kam sie aus einem furchtbaren Krisengebiet: „Aus dem Kanzleramt!“ Zum zweiten Mal war die „Kanzlerinsouffleuse“ im Forum der Anne-Frank-Gesamtschule zu Gast und freute sich über das Willkommen von Schulleiter Dr. Torsten Habbel .

„Seit gestern war ich Merkels rechte Hand“, plauderte sie aus dem Nähkästchen, obwohl sie wusste: „Das gibt Ärger“ – so auch der Name ihres Programms. Nun aber sei sie auf der Flucht aus „Deutschlands bestgeschlossener Anstalt“, aus der die Leute allerdings meistens nicht hinaus, sondern hinein wollen. Sie erinnerte an einige, die Kanzler werden wollen, und mahnte zur Vorsicht: „Die hellste Kerze auf der Torte brennt am schnellsten ab.“

„Das gibt Ärger“ mit Simone Solga

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  • Impressionen vom Kabarettabend mit Simone Solga. Impressionen vom Kabarettabend mit Simone Solga. Foto: Marita Strothe
  • Impressionen vom Kabarettabend mit Simone Solga. Foto: Marita Strothe
  • Impressionen vom Kabarettabend mit Simone Solga. Foto: Marita Strothe
  • Impressionen vom Kabarettabend mit Simone Solga. Foto: Marita Strothe
  • Impressionen vom Kabarettabend mit Simone Solga. Foto: Marita Strothe

Und weiter: „Ich darf mich nicht mehr aufregen!“, stellte die Kanzlerinsouffleuse außer Dienst immer wieder fest und rechnete wortgewaltig nicht nur mit ihrer Arbeitgeberin, sondern auch mit anderen Politikern jedweder Couleur ab. Obwohl sie dem amüsiert lauschenden Publikum versicherte, ein lieber, netter und höflicher Mensch zu sein und dass sie eigentlich immer die Gute sein möchte. Aber ganz ohne Lügen gehe es eben nicht. So auch bei einem Anruf der Kanzlerin, die nach dem Redemanuskript für die Handwerkermesse fragte. „Auf dem Schreibtisch, die selbe wie zum Kirchentag, Messe ist Messe“, erfuhr Merkel da von ihrer Souffleuse. Ihre Flucht verschwieg sie allerdings: „Ich bin in Berlin, nur kurz tanken.“

Nicht nur Politiker bekamen von Simone Solga ihr Fett weg, auch das Publikum aus der ersten Reihe blieb nicht ungeschoren. Mal traf es ein Ehepaar und dessen Beziehung zueinander, dann den Herrn, den sie mal kurz auf die Bühne bat. „Solche Angst hat die SPD vor den Europawahlen auch“, bewertete sie dessen Gesichtsausdruck. Und die Vertreterin der Presse musste sich nach Solgas Rat: „Vorsicht, Herr Söder, je größer der Pfau sein Rad schlägt, desto besser sieht man seinen Arsch.“ fragen lassen: „Das ist doch gut, warum schreiben Sie das nicht mit?“

Alles, was die Kabarettistin in mehr als zwei Stunden Programm mal liebevoll, dann wieder drastisch formuliert an Ansichten zu Interna der Politikszene ihren begeisterten Zuhörern präsentierte, würde mit Sicherheit einen Steno-Block sprengen. Zudem sie auch noch über die Deutschen allgemein nachdachte. So verflocht sie Infos über Sahra Wagenknechts Sammelbewegung „Aufstehen“ mit der Feststellung: „Wir Deutschen sitzen zu viel.“ Außerdem stellte sie fest: „Jetzt leben wir in der Online-Zeit: ein Flatrate-Mensch, wissenschaftlich arme Sau – die sozialen Medien haben uns zu Asozialen gemacht.“

Nachdenkliche Stimmung verbreitete sie zum Schluss mit Anmerkungen zur Entwicklungshilfe. „Wir sind Schuld an deren Elend und dann machen wir ihnen die Tür zu“, gab sie zu bedenken. „Noch nie waren wir uns so fremd wie heute!“

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