Sprachbarrieren überwunden
Keyone als Geselle gefeiert

Havixbeck -

Keyone Biuckaghai ist zufrieden mit sich und seiner Leistung sowie mit Deutschland – seiner neuen Heimat. Der 30-Jährige stammt aus dem Iran und lebt seit dreieinhalb Jahren in Havixbeck. Er begann vor zweieinhalb Jahren seine Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik beim Unternehmen Dertenkötter.

Samstag, 18.05.2019, 13:08 Uhr aktualisiert: 18.05.2019, 13:20 Uhr
Beglückwünschten Keyone Biuckaghai (2.v.r) zur bestandenen Prüfung: (v.l.) Jens Funcke, Josef Lickes und Jens Dertenkötter. Foto: Klaus de Carné

Jetzt hat er die Prüfung mit gutem Erfolg bestanden und ist froh über den Abschluss. „Viele haben die Ausbildung aufgegeben – und nicht nur Flüchtlinge wie ich, sondern auch Kollegen aus Deutschland“, erzählt Keyone. Er sei froh, inzwischen gut die deutsche Sprache zu sprechen. Wer es nicht könne, der bestehe auch keine Prüfungen. „Ich hatte nicht die großen Probleme, alles lief gut“, so der neue Geselle der Firma Dertenkötter. Der 30-Jährige bleibt der Firma erhalten. Darüber sind die Geschäftsführer Jens Dertenkötter und Jens Funcke sehr froh.

Josef Lickes von „INCA Plus“ weiß, wie komplex die Ausbildung ist. Er berät die Migranten und sorgt dafür, dass sie ein Praktikum in Betrieben machen können. Die komplexen Aufgaben in der Berufsschule könne nicht jeder gleich bewältigen. „Die Berufsschulen müssten mehr unternehmen, damit die Sprachbarrieren abgebaut werden. Fachbücher mit Übersetzungen würden da helfen“, erklärt Lickes. Aber da fehlt es natürlich an Lehrern und Mentoren. Der Einzelne brauche sehr viel Zeit, um mit den gestellten Aufgaben klarzukommen. Das Verstehen der Fragen sei oft schon schwierig.

Dies kann Keyone Biuckaghai immer noch gut nachvollziehen. „Ich habe mich immer wieder viel mit den Kollegen, Kunden und Mitschülern unterhalten. Damit kommt man voran. Sprechen, sprechen und nochmals sprechen. Nichts unversucht lassen“, so seine Devise.

Er kann sich ein Leben ohne Arbeit nicht vorstellen. Wie wichtig die Sprache des Landes als Flüchtling sei, wisse er nur sehr genau. „Wenn ich drei Tage zu Hause war, wurde ich schon unruhig. Ich wollte was zu tun haben.“ Die Sprachkurse seien gut gewesen.

Der neue Geselle der Firma Dertenkötter hat eine gute Vorstellungskraft, wie ein Auftrag zu erledigen ist. Die Technik für Heizung- und Klima sei viel komplexer als in seinem Herkunftsland. Er habe sich geöffnet und die Bedingungen seiner neuen Heimat angenommen. „Die kulturellen Unterschiede sind da und darauf muss man sich einlassen können“, sagt Jens Dertenkötter. Nur so könne Integration gelingen. Dass es nicht immer so gut läuft, haben die Verantwortlichen auch schon erlebt. Erst kürzlich habe ein junger Mann das Handtuch geschmissen, weil er einfach andere Vorstellungen von einer Beschäftigung habe.

Die Havixbecker Firma Dertenkötter beschäftigt fast immer sechs Auszubildende. Bei 15 fest angestellten Monteuren sei das eine gute Quote, findet Jens Funcke.

Keyone habe zielorientiert gearbeitet, dem System vertraut, einen starken Willen und das offene Denken entwickelt, attestierte Josef Lickes dem engagierten Neu-Havixbecker. Gelingen könne das vielen Geflüchteten, aber die Sprachbarriere müsse überwunden werden.

Wenn am Abend alle Fahrzeuge in der Halle bei Dertenkötter ihren Platz gefunden haben und alle Termine für den nächsten Tag besprochen sind, dann schwingt sich Keyone auf sein Fahrrad und fährt zu seiner Wohnung. Denn das Fahrradfahren hat er auch längst gelernt.

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