Patenschaften für Geflüchtete
Lotsen in einer fremden Welt

Havixbeck -

Als Brückenbauer und Lotsen in einer für sie noch fremden Welt unterstützen ehrenamtliche Paten derzeit 17 geflüchtete Familien sowie sieben einzeln angekommene Männer in Havixbeck.

Donnerstag, 16.05.2019, 06:00 Uhr
Monatlich treffen sich die Paten, die geflüchtete Menschen in Havixbeck unterstützen, zum Erfahrungsaustausch und zur Klärung von Fragen in den Räumen von „INCA plus – offenes Havixbeck“ an der Altenberger Straße. Foto: Ansgar Kreuz

Damit Flüchtlinge sich möglichst schnell und gut in Havixbeck einleben können, sind derzeit 23 Frauen und Männer ehrenamtlich als Brückenbauer und Lotsen im Einsatz. Die Paten von „INCA plus – offenes Havixbeck“ unterstützen geflüchtete Familien und Einzelpersonen auf vielfältige Weise. Weitere Bürger, die solche Patenschaften übernehmen, werden gesucht.

„Als ab Herbst 2015 viele Flüchtlinge nach Havixbeck kamen, war dies eine große Herausforderung für uns“, blickt Martina Edelkamp , Sozialpädagogin bei der Gemeinde Havixbeck, zurück. Etliche Bürger erklärten ihre Bereitschaft, sich um die Menschen zu kümmern. Mit einer Handvoll Paten ging es los, doch schnell wuchs deren Zahl. Aktuell werden 17 Familien und sieben einzelne Männer begleitet.

„Jeder Pate gestaltet seine Patenschaft individuell in Abstimmung mit den geflüchteten Menschen. Auch die Intensität und den zeitlichen Umfang des Engagements bestimmt jeder für sich“, erläutert Martina Edelkamp und betont: „Es ist ein Ehrenamt, das Freude machen und keine Bürde sein soll.“ Dies schließe auch mit ein, dass die Paten jederzeit wieder aufhören könnten.

Die von ihnen geleistete Unterstützung beschreiben die Frauen und Männer als Hilfe zur Selbsthilfe. Das Angebot solle dazu beitragen, dass sich die Geflüchteten schnell in der für sie neuen Umgebung selbstständig zurechtfinden, Kontakte aufbauen und sich in die Gesellschaft integrieren. Das Ganze geschehe auf der Basis von Freiwilligkeit. Und so könne es auch vorkommen, dass die Unterstützung durch die Flüchtling teilweise oder sogar gänzlich abgelehnt werde, berichteten die Paten aus ihrer inzwischen mehrjährigen Erfahrung.

Zu überwinden gilt es auf beiden Seiten Sprachbarrieren. Gerade am Anfang der Patenschaft sind die Übersetzungsprogramme der Smartphones eine Hilfe. Und wenn die nicht mehr weiter wissen, geht es mit „Händen und Füßen“ weiter. Bei Familien seien die Kinder oft ein „Türöffner“, da diese in der Schule oder Kita meist schneller Deutsch lernen.

Die Unterstützungsangebote der Paten sind sehr vielseitig. Dazu gehört die Begleitung der Flüchtlinge zu Behörden und Ärzten sowie die Hilfe beim Ausfüllen von Formularen. Kinder werden von der Kita oder der Schule abgeholt, bei den Hausaufgaben wird ihnen geholfen, die Eltern werden beim Elternsprechtag begleitet. Hilfe bei ausländerrechtlichen Fragen, rund um den Bereich Arbeit und Ausbildung sowie bei der Wohnungssuche sind weitere Felder. Und ebenso wichtig sind das Zuhören, psychosoziale Betreuung, gemeinsame Unternehmungen sowie das Aussprechen und Annehmen von Einladungen.

Dabei ist die Ausübung des Patenamtes keine Einbahnstraße. Andere Kulturen und Bräuche lassen sich kennenlernen. Und es tue gut, gemeinsam etwas bewegt zu haben, zum Beispiel bei Behörden, schildern Paten ihre Erfahrungen. Auch Freundschaften sind entstanden.

Den Ehrenamtlichen stehen als hauptamtliche Mitarbeiter der Gemeinde Sozialpädagogin Martina Edelkamp und Sozialarbeiter Peter Schreckenbach bei Fragen und Unsicherheiten zur Seite.

Einmal im Monat treffen sich die Paten in den Räumen von „INCA plus“ zum Austausch. Gerade auf der Ebene der Gemeinde Havixbeck funktioniere das Zusammenspiel sehr gut, ist sich die Runde der Ehrenamtlichen einig.

Zum Thema

Wer Interesse hat, eine Patenschaft für geflüchtete Menschen in Havixbeck zu übernehmen, erhält weitere Informationen im Rathaus bei Martina Edelkamp, ' 0 25 07/ 3 31 13, E-Mail: edelkamp@gemeinde.havixbeck.de.

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6615389?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F162%2F
Giulia Wahn beim ESC: „Platz 20 war Hauptgewinn“
Beim ESC landete der für San Marino startende Sänger Serhat (l.) auf Platz 20. Dennoch gab es für ihn und seine münsterische Background-Sängerin Giulia Wahn (hinten rechts) Grund zum Jubeln.
Nachrichten-Ticker