Retabeln in St. Dionysius
Stiftungen wohlhabender Pfarrer

Havixbeck -

Die beiden in Farbe gefassten Retabeln der neugotischen Seitenaltäre aus dem Jahr 1884 sind nach erfolgter Restaurierung in die Pfarrkirche St. Dionysius zurückgekehrt.

Montag, 25.12.2017, 06:12 Uhr

Das restaurierte Retabel im südlichen Seitenschiff der Pfarrkirche St. Dionysius zeigt (v.l.) den Heiligen Johannes Baptist, den Heiligen Dionysius und den Heiligen Andreas.
Das restaurierte Retabel im südlichen Seitenschiff der Pfarrkirche St. Dionysius zeigt (v.l.) den Heiligen Johannes Baptist, den Heiligen Dionysius und den Heiligen Andreas. Foto: Ansgar Kreuz

Die Renovierung der Pfarrkirche St. Dionysius im Jahr 2016 brachte wieder Licht und Farbe in den Kirchraum zurück. Auch die künstlerische Ausstattung wurde wieder auf Hochglanz gebracht. Nun sind auch die beiden in Farbe gefassten Retabeln der neugotischen Seitenaltäre aus dem Jahr 1884 an ihre ursprünglichen Plätze, den östlichen Schildwänden der Seitenschiffe, zurückgekehrt.

„Sie waren durch neue Altäre mit Holzschnitzarbeiten von Clemens Francke zu Ehren der Heiligen Maria und des Heiligsten Herzen Jesu ersetzt worden“, berichtet Friedhelm Brockhausen, Geschäftsführer des Freundeskreises der St.-Dionysius-Pfarrkirche. „Die alten Altarbilder wurden für mehrere Jahrzehnte auf der Westseite, in den Nischen der zugemauerten Kirchenfenster, auf der Orgelbühne ‚weggehängt‘.“

Da sie unter Feuchtigkeit und Schimmelbefall litten, wurden sie auf Initiative des Freundeskreises schon 2004 in die Werkstatt der Restauratorin Maria Schlüter in Everswinkel gebracht. „Die besondere Bedeutung der Retabeln liegt in der bildlichen Darstellung der Patrozinien der Seitenaltäre und Vikarien aus dem 14. und 16. Jahrhundert“, erläutert Friedhelm Brockhausen.

In der Pfarrchronik des Pfarrers Caspar Anton Caesar (1835-1854) wird über die Entstehung, Geschichte und Bedeutung der Vikarien berichtet. Danach muss Pfarrer Bernardus (1315-1335) mit Kapital gut ausgestattet gewesen sein. 1315 errichtete er nämlich im südlichen Seitenschiff der Kirche einen Altar zu Ehren des Heiligen Nikolaus und der Heiligen Margaretha und fundierte dazu die entsprechende Vikarie. Das Retabel im nördlichen Seitenschiff zeigt diese beiden Heiligen, die der Jungfrau Maria zur Seite gestellt sind. 1331 stiftete derselbe Pfarrer einen weiteren Altar im nördlichen Seitenschiff zu Ehren des Heiligen Johannes des Täufers mit einer entsprechenden Vikarie. Das Patronatsrecht beider Vikarien lag beim jeweiligen Pfarrer.

1503 errichte der ebenfalls gut situierte Pfarrer Lubertus Precking einen Altar mit einer Vikarie zu Ehren der Heiligen Jungfrau Maria, der Heiligen Anna, Andreas, Rochus und der 10.000 Märtyrer, der allgemein nur als Andreasaltar bezeichnet wurde und einen Platz im südlichen Mittelschiff der Kirche gefunden hatte. Beide Heiligen, Johannes Baptist und Andreas, sind im Retabel links und rechts des Kirchenpatrons St. Dionysius dargestellt. Es ziert jetzt die Stirnwand des südlichen Seitenschiffes.

Die Heilige Maria als weitere Patronin der Andreasvikarie hat im ersten Retabel ihren Platz gefunden. Das Patronatsrecht der Andreasvikarie wurde nach dem Tode Preckings dem Besitzer des Gutes Brüning, heute Haus Havixbeck, übertragen. Zwei Jahre später 1505 ließ Pfarrer Preckings noch einen Altar zu Ehren aller Heiligen in der neu errichteten Sakristei aufstellen.

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