Akademie der Lesenden Künste
Spurensuche in der Mergelgrube

Havixbeck -

Studenten und Literaturinteressierte befassten sich mit dem Gedicht „Die Mergelgrube“ von Annette von Droste-Hülshoff in der Hülshoff-Landschaft.

Dienstag, 05.05.2015, 08:05 Uhr

Die Teilnehmer der sechsten Akademie der Lesenden Künste näherten sich auf verschiedene Weisen dem Gedicht „Die Mergelgrube“ von Annette von Droste-Hülshoff.
Die Teilnehmer der sechsten Akademie der Lesenden Künste näherten sich auf verschiedene Weisen dem Gedicht „Die Mergelgrube“ von Annette von Droste-Hülshoff. Foto: Lukas Splitthoff

Ohne die einstrahlende Sonne dämmerte es im gelb gehaltenen, recht kahlen Raum, der sonst nicht mehr an sich hat, als eine andere Zeit. Im alten Gemäuer der Villa nahe Burg Hülshoff saßen junge Studenten, erfahrene Autoren und Literaturinteressierte gemeinsam am Tisch. Vor und hinter ihnen reihten sich alte Werke und immer noch moderne Gedichte neben neuer Literatur. Gekommen waren die Teilnehmer, um zu lesen, zu hören und einen freien Dialog zu führen, der das Naturgedicht „Die Mergelgrube “ von Annette von Droste-Hülshoff aus dem Jahr 1844 begreifbar machen sollte.

Die Akademie der Lesenden Künste versetzte zurück in die Zeit der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Ein Wochenende lang beschäftigten sich die 20 Teilnehmer aus ganz Deutschland – gefördert von der Hülshoff-Stiftung und dem Literaturbüro – mit der Frage, wie das Gedicht denn nun zu lesen sei. Dabei verstandenen sie sich als Meisterklasse, die kunstvoll mit Passion und Profession an und mit der Sprache arbeiten wollte.

Übertragen auf eine Werkstatt war es ein Sägen und Hämmern an der Melodie. Entgegen der schulischen, gar akademischen Lesart widmeten sie sich dem „Auflösen und Neubauen“ bekannter Strukturen, ohne aber die eigentliche, textliche Fassung zu verändern. „Das Seminar befreit den Blick aus dem universitären Korsett“, erklärte Laura Beck , Doktorandin in Gegenwartsliteratur an der Universität Bremen .

Begleitet von einer Gambe, in Szene gesetzt oder einfach nur frei vorgetragen, erklang das Gedicht immer wieder in ganz anderer Form und Interpretation. Um aber zu verstehen, wie es das von Annette eingesetzte lyrische Ich gemeint haben könnte, wenn es den Leser auf eine Erkundungsreise durch die Erdgeschichte geschickt, fuhren die Teilnehmer raus, besuchten das Rüschhaus und stiegen in eine Mergelgrube hinab. „Dort haben wir die Vielschichtigkeit offen gelegt“, berichtete Julia Drees, Germanistik-Studentin aus Münster, „denn bisher kamen die Gefühle zu kurz.“ Ulrike Kluck aus Laer sah es so: „Es ist eindrucksvoll, Annette als Person in ihrem Lebensraum zu erfahren und ihr Bild der Frau zu erkunden.“

Zurück in der Villa fanden die Teilnehmer über Metrum und Rhythmus des ersten Verses „Stoß deinen Scheit drei Spannen in den Sand“ drei Spuren in die Grube, obgleich Annette in der ersten Strophe scheinbar nur einen Zugang beschreibt. „Jeder Text soll schlauer als sein Autor sein“, ließ Lyrikerin Ulrike Draesner, die zusammen mit Schauspielerin Hildegard Schmahl und Gambistin Hille Perl das Seminar leitete, mehrere Deutungshypothesen zu.

Mit mal alpinen, mal „baumbergischen“ Hebungen und Senkungen gaben sie so bedacht jedem Wort einen eigenen Klang. Doch nicht jede Spur führte durch das ganze Gedicht, es taten sich neue auf und andere verschwanden.

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