Eine Gemeinde liest im Physiksaal
Männliches Genie relativiert sich

Ascheberg -

Der Ort war mit bedacht und passend gewählt: Anke Richter-Weiß spürte im Physikraum der Profilschule mit ihrer Lesung der Frage nach, ob Einsteins erste Frau das wahre Genie der Familie war.

Sonntag, 18.08.2019, 18:17 Uhr aktualisiert: 18.08.2019, 18:20 Uhr
War Einsteins erste Ehefrau, Mileva Maric, das eigentliche Genie der Familie? Dieser Frage ging Anke Richter-Weiß mit ihrer Lesung im Physiksaal der Profilschule nach. Foto: Tina Nitsche

Ist die Relativitätstheorie vielleicht doch nicht auf Albert Einsteins „Mist“ gewachsen, sondern geht sie eventuell auf das Konto von Frau Einstein? Frau Einstein ist eher eine unbekannte Größe für viele. Am Samstagabend jedoch lernten einige sie im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Eine Gemeinde liest“ näher kennen, als Anke Richter-Weiß im Physikraum der Profilschule aus Marie Benedicts Werk „Frau Einstein“ las. Ein Roman, wie dem Vorwort zu entnehmen ist, aber einer mit zugegebenermaßen biographischen Wurzeln.

Und der stellt die Frau vor, bei der sich dem Leser die Frage stellt, ob Einsteins erste Gattin Mileva Maric das eigentliche Genie der Familie war. Eine Frau, die nicht so bekannt ist, in diesem Werk jedoch in den Mittelpunkt der Geschichte rückt. Eine Geschichte, die sich natürlich um Physik, Mathematik, Liebe, vor allem aber auch um Emanzipation dreht. Und mal ehrlich, es ist ja irgendwie auch schon außergewöhnlich, wenn sich eine Frau im Jahr 1896 am Eidgenössischen Polytechnikum Zürich als einzige Frau für das Studium der Mathematik und Physik einschreibt. Für die anwesenden Herren und selbst für den Professor kam das in der damaligen Zeit schlichtweg einer Unverschämtheit gleich. Und schon gar nicht konnte dieser Umstand „als typisch Frau“ in der damaligen Zeit betrachtet werden.

Richter-Weiß verstand es durch ihre gelungene Vortragsweise, ihre Zuhörer mitzureißen. Sie alle tauchten ein in unterschiedliche Stationen des Lebens der Mileva Maric, die in Serbien geboren wurde, und vom Aussehen nicht gerade einer Mode-Ikone entsprach. Von der Statur eher klein, eine leichte Behinderung durch ein Hüftleiden, dunkle Haare, aber zielstrebig.

So ging sie ihr Vorhaben an und das wiederum faszinierte ihren Kommilitonen Albert Einstein. Die beiden kamen zusammen, ihre Wege trennten sich bei der Geburt der Tochter Lieserl, die dann starb. Erst danach kehrte Mileva Maric zu ihrem Albert zurück und wurde dann Frau Einstein. Auf der Zugfahrt in die Schweiz sinnierte sie über die Zeit und gelangte zu verblüffenden Ergebnissen, der Relativitätstheorie, die ihr Mann später unter seinem Namen veröffentlicht.

So zumindest dem Werk zu folge. Die Ehe hält nicht, denn Albert Einstein hat so seine eigenen Gesetze, nach denen seine Frau zu leben hat. Die drei K’s, Kinder, Küche, Kirche, spielen dort eine vornehmliche Rolle. Und als er die Ehe zusätzlich noch bestimmten Bedingungen unterwerfen will und sie quasi wie sein Eigentum behandelt, folgt sie dem Rat ihrer besten Freundin Helena und trennt sich.

Frau Einstein begeisterte die vielen Zuhörer im Physikraum. Und sie warf zum guten Schluss dann doch irgendwie die bekannte Frage auf: Steht hinter jedem erfolgreichen Mann eine noch erfolgreichere Frau? In diesem Fall könnte es tatsächlich so gewesen sein.

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