Aeham Ahmad spielt im Ascheberger Bürgerforum
Ein Brückenbauer am Klavier

Ascheberg -

Von den Kriegstrümmern in Damaskus ins friedliche Ascheberger Bürgerforum: Aeham Ahmad spielt hier wiedort Klavier. Und hat Berührendes zu berichten.

Montag, 01.04.2019, 19:00 Uhr
Das Bürgerforum ist beim Gastspiel von Aeham Ahmad gut gefüllt. Der Syrer lässt das Publikum auf berührende Art an seinem Schicksal teilhaben. Begleitet wurde Aeham Ahmad (l.) von Roberto Castilloç (Perkussion). und Ernesto Briceño (Violine). Foto: nico

Es war ein Bild, das um die Welt ging: Ein junger Mann spielt Klavier mitten im zerbombten Damaskus. Es zeigt seine Art, dem Krieg zu trotzen und der Hoffnung einen Klang zu geben. Das Foto aus dem syrischen Bürgerkrieg machte Aeham Ahmad 2014 als „Pianist in den Trümmern“ berühmt. Doch es ist nur eine Momentaufnahme. „Ein Bild erzählt nie den Anfang und nie wie es weiter geht“, schreibt Ahmad in seinem Buch „Und die Vögel werden singen“. Dieses „Vorher“ und „Nachher“ schilderte der Musiker und Autor auf Einladung des Ascheberger Kunst- und Kulturverein „Kukaduh“ am Sonntag im Bürgerforum. Zahlreiche Besucher, darunter auch viele Flüchtlinge, waren gekommen, um Ahmad zu erleben.

„Aehams Ahmads Geschichte hat mich erschüttert und tief bewegt“, beschreibt Marie-Luise Koch . Die „Kukaduh“-Beisitzerin hat bereits im Rahmen der Aktion „Eine Gemeinde liest“, Auszüge aus seinem Buch „Und die Vögel werden singen“ vorgetragen. „Aber ich fand, diese Geschichte sollte man allen zugänglich machen“, erklärt sie die Einladung des Autoren und Musikers.

Der lässt das Publikum auf berührende Art an seinem Schicksal teilhaben. Nicht mit Worten, die überlässt er Marie-Luise Koch, die mit Passagen aus seinem Buch Bilder einer Kindheit, aber auch der Kriegsgräuel in Syrien zeichnet. Ahmad bedient sich einer anderen Sprache: Seine Finger fliegen über die schwarzen und weißen Tasten, machen deren Klang zum Ausdrucksmittel seines Innersten. Wenn der Pianist Eigenkompositionen über Krieg und Flucht anstimmt, dann sind Trauer, Wut und Leid darin deutlich hör- und fühlbar und spiegeln sich auch in seinen Gesichtszügen wider. Völlig in sein Spiel versunken, drückt Aeham Ahmad musikalisch aus, was er und andere erlebt haben. Und manchmal reicht dafür die Klaviatur kaum aus.

Begleitet wurde Aeham Ahmad (l.) von und Roberto Castilloç (Perkussion). und Ernesto Briceño (Violine).

Begleitet wurde Aeham Ahmad (l.) von und Roberto Castilloç (Perkussion). und Ernesto Briceño (Violine). Foto: nico

Unterstützt wird der Syrer von Ernesto Briceño (Violine) und Roberto Castilloç (Perkussion). Die beiden Venezuelaner begleiten Ahmad, fügen seinem hochemotionalen Spiel noch eine weitere Schattierung hinzu. Gemeinsam weben sie arabisch-klassisch-jazzige Klangteppiche, experimentell und eindringlich. Und so verwundert es nicht, dass das Publikum sich willig einbinden lässt, mitklatscht und sogar mitsummt.

Auch Ahmad hat keine Berührungsängste. Er geht auf die Besucher zu, schüttelt Hände, beantwortet Fragen und lächelt für gemeinsame Fotos. Den Wunsch eines kleinen Jungen, einmal auf der Bühne zu stehen, erfüllt er gerne. Und so kommt der Syrer an diesem Abend seinem Ziel ein bisschen näher: für mehr Verständnis untereinander zu sorgen, Brücken zu bauen und die Welt vielleicht ein ganz kleines bisschen besser zu machen.

Volles Haus beim Gastspiel von Aeham Ahmad.

Volles Haus beim Gastspiel von Aeham Ahmad. Foto: nico

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