Kabarettabend mit Tina Teubner
Alltag spitzzüngig durchpflügt

Ascheberg -

Mit ihrer ureigene Mischung aus Schnodderigkeit und Poesie begeisterte die Kabarettistin Tina Teubner ihr Publikum im voll besetzten Bürgersaal. Spitzzüngig und pointiert widmete sie sich den Kuriositäten des modernen Alltags.

Mittwoch, 14.11.2018, 17:52 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 11.11.2018, 15:22 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 14.11.2018, 17:52 Uhr
„Wenn du mich verlässt, komm ich mit“ versprach die Kabarettistin, Sängerin und Musikerin Tina Teubner am Freitagabend im Bürgerforum. Begleitet wurde sie von dem Pianisten Ben Süverkrüp. Foto: Nicole Klein-Weiland

Das Leben könnte so einfach sein. Wenn es nur nicht ständig optimiert werden müsste: mit Häkelkünsten, Kreativ-Marmeladen oder mehr Achtsamkeit. Eine Liebeserklärung an Unzulänglichkeiten bot Tina Teubner am Freitag den Gästen im voll besetzten Bürgerforum. Auf Einladung des Kunst- und Kulturvereins „Kukaduh“ gastierte die Kabarettistin, Sängerin und Musikerin bereits zum fünften Mal in Ascheberg und präsentierte ihr neues Programm „Wenn du mich verlässt, komm ich mit“.

Was tun, wenn die Welt kaum noch Pointen bereithält und eine Kabarettistin mehr Fragen als Antworten hat? „Trump, Terror, Klimawandel: Das ist nicht lustig! Es sei denn, Veronica Ferres spielt den Gletscher und schmilzt dahin. In zwei Folgen.“ Also richtet Teubner ihren Röntgenblick auf das Private, die Kuriositäten des vom Zeitgeist durchsetzen Familienlebens und den elterlichen Optimierungswahn. Da werden Emil und seine Häkeldefizite, meditierende Manager und die Massenachtsamkeit zu beinahe philosophischen Themen. Ebenso wie die „Marmeladisierung“ der Gesellschaft. 18 Gläser Rum-Birne-Schlehe bitte, selbst gemacht, für das gute Gewissen und eine heile Welt. Aber ohne Stückchen. Man weiß ja nie, was das mal war.

Gelassen und spitzzüngig durchpflügt Tina Teubner den Alltag und landet schließlich beim Thema Alter. „Ich bin jetzt angekommen in der Phase der Schabracken-Dämmerung“, erklärt sie. Sie frage sich nicht mehr, was sie nicht mehr könne, sondern was sie nicht mehr müsse. Joggen zum Beispiel: „Wenn die Evolution gewollt hätte, dass der Mensch durch Parks rennt, dann hätte sie da mehr Löwen reingestellt.“

Teubner verpulvert ihre Pointen nicht, sie platziert sie wohlüberlegt im Stakkato, gekleidet in eine ureigene Mischung aus Schnodderigkeit und Poesie. Letztere kommt besonders zum Tragen, wenn sie neben den Worten die Musik zum Einsatz bringt. Beim Wechsel zwischen Gesang, singender Säge, Geige und Ukulele ist Ben Süverkrüp ihr kongenialer Partner am Flügel. Er ist unerlässlicher Konterpart und dankbares Opfer für Seitenhiebe, die Tina Teubner bei einem Schluck Rotwein beiläufig austeilt („Ben, bist du eigentlich medikamentös richtig eingestellt?“). Doch er darf auch zeigen, was für ein grandioser Pianist er ist. Wie hätte es geklungen, wenn Beethoven unter dem Einfluss der sozialen Medien komponiert hätte? Oder sich mitten in der Moldau ein Klingelton Bahn bräche? Für seinen furiosen Parforceritt holt sich Süverkrüp einen Extraapplaus ab.

Und die Teubner? Macht weiter mit ihrer Liebeserklärung an die Unzulänglichkeiten des Lebens, an all das, was nie perfekt sein wird und nicht perfekt sein muss. Hält ein Plädoyer für mehr Rückgrat und das Ausleben von Träumen. Und bringt auf den Punkt, was ihr ganz wichtig ist: „Wir haben einfach nur vergessen, wie entsetzlich profan Glück sein kann“. Das Publikum ist ihrer Meinung und erklatscht sich eine Zugabe.

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