Konzert
Mit der ­­Ritter-Bratsche im Gepäck

Schöppingen -

Eigentlich hat Tobias Breider gerade Sommerpause. Doch während der letzten Tage in diesem Jahr ist bei ihm einiges anders. Da hat er weder Sommer noch Pause. Denn zum Ende des Jahres ist er bei seiner Familie in Schöppingen zu Gast. Und erstmals wird er dabei am 30. Dezember auch ein Konzert im Alten Rathaus geben.

Mittwoch, 27.12.2017, 06:12 Uhr

Sein Körper ist wie für die Bratsche gemacht: Große Hände, lange Arme. Mit der Ritter-Bratsche tritt Tobias Breider am 30. Dezember im Alten Rathaus auf.
Sein Körper ist wie für die Bratsche gemacht: Große Hände, lange Arme. Mit der Ritter-Bratsche tritt Tobias Breider am 30. Dezember im Alten Rathaus auf. Foto: Veranstalter

An das winterliche Wetter muss sich Tobias Breider dann noch gewöhnen. Denn in seiner Wahlheimat Australien ist derzeit Sommer. Seit 2011 ist er dort als Solobratscher des Sydney Symphony Orchestra im Opera House musikalisch tätig.

Nach Deutschland kommt er trotzdem noch ab und an – dann aber eigentlich nur zu Besuch und nicht zum Arbeiten. Wie diese Weihnachtsferien bei seiner Familie in Schöppingen. Nun ist es „das erste Mal seit vielen Jahren, dass ich überhaupt in Deutschland konzertiere“, sagt Breider.

Musik liegt der Familie Breider im Blut. Vater Hubertus trat früher in Münster und Umgebung als Solist in geistlichen Konzerten und bei Liederabenden auf, Mutter Christina sang im Kammerchor von Hermann Kreutz und dem Philharmonischen Chor in Münster mit. Für Breider war es wie selbstverständlich, als er schon mit fünf Jahren begann, Geige zu spielen und sich ein Jahr später auch regelmäßig ans Klavier setzte. Mit 13 Jahren hat er dann schnell versucht „Gas zu geben“, so Breider.

Auf beiden Instrumenten gewann er mehrere Preise, letztlich entschied sich Breider dann für die Violine. Allerdings nicht für immer. Nach dem Abitur spielte der junge Künstler an der Musikhochschule Detmold Professor Poppen vor. Und der habe „eine wichtige Weiche für meine musikalische Zukunft gestellt“, sagt Breider. Denn er empfahl ihm, auf die Bratsche umzusteigen – ein äußert ungewöhnlicher Schritt für einen Geiger, wie Breider erzählt: „Bratschen gelten als Stiefmütter der Geigenfamilie.“ Doch er hat den Schritt nie bereut. Im Gegenteil: Es ist eine „interessante Nische“, sagt er. Und nicht zuletzt sein Körper – „große Hände, lange Arme“ – ist wie für die Bratsche geschaffen. „Als Geiger hätte ich eventuell später Haltungsprobleme bekommen.“

Nun füllt er die Nische voll und ganz aus. Vor kurzem hat er sich einem „neuen Projekt“ gewidmet, wie er es nennt: Der Ritter-Bratsche. Diese ist seinen Erzählungen nach deutlich breiter und hat mehr Volumen als eine normale Bratsche. Bei einer normalen Bratsche ist der Körper 41 Zentimeter groß, bei der Ritter-Bratsche sind es dagegen 47 Zentimeter. Dadurch klingt sie fülliger – und ist auch um einiges schwerer zu spielen.

Den Auftritt in Schöppingen nimmt Breider nun zum Anlass, sich auf dem Instrument einzuspielen. Nicht gerade ein einfaches Unterfangen, wie er erzählt: „Ich muss kämpfen, um mir die Bratsche zu erobern.“

Gesehen hat der 44-Jährige den Saal im Alten Rathaus noch nicht. Aber von ihm gehört hat er schon – und zwar nur Gutes. Nicht zuletzt vom Pianisten Clemens Rave , mit dem er am 30. Dezember zusammen auftreten wird. Damit führt Breider sozusagen eine Familientradition fort: „Mein Vater ist früher öfters mit ihm zusammen aufgetreten.“ Nun wird nicht der Sohn, sondern der Vater im Publikum sitzen, genauso wie viele andere Familienmitglieder von Tobias Breider.

Danach geht es zurück in die Sonne. Bereut hat Breider den Umzug nach Australien übrigens nicht. Ganz im Gegenteil: „Das Wetter in Australien ist traumhaft, die Leute sind sehr angenehm und es gibt dort so wahnsinnig viel zu sehen.“ Und sollte ihn doch mal das Heimweh packen – dann ist er in 24 Stunden mit dem Flieger in Deutschland.

Der Pianist Clemens Rave wird Tobias Breider am Samstag (30. Dezember) bei dem Konzert im Alten Rathaus begleiten. Rave ist 1960 in Ramsdorf geboren und saß mit neun Jahren das erste Mal hinter dem Klavier. Derzeit ist er Klavierprofessor an der Musikhochschule Münster der Westfälischen Wilhelms- Universität. Kurstätigkeiten führten ihn bereits nach Griechenland, Frankreich, in die Niederlande und nach Korea an die Daejan Universität. Kammermusikalisch und als Liedbegleiter ist er sehr gefragt, heißt es von den Veranstaltern. Das Konzert des Freundeskreises Schöppinger Konzerte, der Kirchengemeinde und der VHS beginnt um 20 Uhr. Auf dem Programm stehen Werke für Viola und Piano von Johann Sebastian Bach, César Franck, M. de Falla und Arvo Pärt. Tobias Breider wird moderieren

Eintrittskarten gibt es bei Schreibwaren Richler, ✆ 02555 664, sowie bei der VHS in Ahaus. Im Vorverkauf kosten sie zehn Euro, an der Abendkasse 14 Euro. Schüler haben freien Eintritt.

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