Landwirt Bernd Schulze König mästet Schweine
Die grüne Farbe gibt das Startsignal

Schöppingen -

Die Schweinemast ist im Westmünsterland ein wichtiger Bereich landwirtschaftlicher Nutzung. WN-Mitarbeiterin Susanne Menzel hat Landwirt Bernd Schulze König in den Stall begleitet und geschaut, wie die Tiere zum Schlachthof gebracht werden.

Mittwoch, 27.12.2017, 14:12 Uhr

Mit einem Plastikbrett bringt Bernd Schulze König die Schweine dazu, die richtige Richtung einzuschlagen.
Mit einem Plastikbrett bringt Bernd Schulze König die Schweine dazu, die richtige Richtung einzuschlagen. Foto: Susanne Menzel

Zunächst muss es auf die Waage. Kontrolle, ob das Schlachtgewicht von „122 Kilo plus x“ auch erreicht ist. Es ist warm in den einzelnen Buchten. Knapp 26 Grad. Der Geruch lässt sich ertragen, die Lüftungsanlage funktioniert. Routiniert stellen Schulze König und sein Mitarbeiter, Kevin Wessendorf, die große Waage in die Mitte des Ganges, rüsten sich mit Plastikbrettern aus, mit denen sie die Schweine voneinander trennen und einzeln über das Wiegegerät bugsieren.

Geübt fliegen die Blicke von Box zu Box. „Den da nehmen wir raus, den auch und den da vorne“, gibt Schulze König vor. Einige der Vierbeiner sind bereits gekennzeichnet, haben blaue und grüne Striche auf dem Rücken.

„Ab 100 Kilo Gewicht kennzeichnen wir die Tiere in diesem Stall mit einem blauen Strich am Schwanz. Ab 110 Kilo mit einer blauen Markierung mittig auf dem Rücken, ab 118 gibt es einen blauen Streifen zwischen die Schulterblätter“, erklärt er. Ab 122 Kilo ändert sich die Farbe auf Grün.

Mit dem Plastikbrett lenkt Schulze König die ausgesuchten Schweine gen Ausgang Richtung Waage. Widerborstig sind die Vierbeiner. Aber der Landwirt kennt die Kniffe, um ihnen die Richtung zu weisen.

„Wenn die Tiere aufgeregt sind, veratmen sie Wasser und verlieren ruckzuck an Gewicht“, sagt der Schöppinger. „Jeden Schritt im Stall sollte man mit Ruhe und Bedacht ausführen. Das ist zum einen für die Schweine besser, zum anderen für den Menschen natürlich auch.“

Nach gut einer Stunde ist der erste, kraftraubende Teil der Arbeit getan. Der Halter protokolliert genau die Ergebnisse. Von den knapp 1400 Schweinen hat noch keines Schlachtreife. „Das geht in den nächsten Tagen los“, weiß er aber genau. „Dann fahren wir mehrmals die Woche los, vermutlich werden auf einen Schlag 300 bis 400 Tiere rausgehen.“

In einem weiteren Stall wird allerdings einen Tag später geladen. Dieses Mal führt der Weg von den Buchten aus auf den Anhänger. Nur widerwillig laufen die 32 Vierbeiner grunzend den Gang entlang, versuchen immer wieder, doch noch schnell den Rückwärtsgang einzulegen. Ohne Erfolg.

Bernd Schulze König hat den Anlieferungstermin am Schlachthof schon am Vortag geregelt. „Das muss sein, weil es eine kontinuierliche Anlieferung gibt. Dabei bilden sich gerne mal Schlangen mit Wartezeiten.“ Dieses Mal geht es ohne Wartezeit.

Schlachthofmitarbeiter nehmen die Vierbeiner in Empfang. Später prüfen auch noch Veterinäre und Fleischbeschauer Zustand und Beschaffenheit. „Wer die Tiere nicht vernünftig hält, schneidet sich ins eigene Fleisch. Denn spätestens hier fällt es auf, ob die Schweine unversehrt sind oder sehr viele Kratzer haben, also ob sie ordentlich gehalten wurden“, betont Bernd Schulze König. Kurz wechselt er ein paar Worte mit dem Schlachthof-Mitarbeiter, tauscht einige Neuigkeiten aus, treibt dann die Horde in die zugewiesene Abtrennung. Das war’s.

Macht es ihm persönlich etwas aus, die Tiere regelmäßig zum Schlachthof zu bringen? Bernd Schulze König überlegt kurz, bevor er antwortet: „Nein, man entwickelt schon einen gewissen Abstand. Schließlich baut man in den wenigen Wochen, in denen man die Tiere betreut und versorgt, nicht so eine enge Bindung auf wie zu einem Hund oder einer Katze. Und wer Fleisch isst, der weiß, dass dafür ein Tier getötet werden musste. Das ist der natürliche Kreislauf. Aber er lässt jedem auch die Wahl, ober er Fleisch essen oder sich lieber vegetarisch ernähren möchte.“

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