Messdienerleiter erklären den richtigen Umgang mit Weihrauch
Das Schwenken will gelernt sein

Schöppingen -

Es hat eine gewisse Selbstverständlichkeit, wenn die Messdiener mit dem Weihrauchfässchen in der Hand in die Kirche einziehen. Das Gefäß mit ruhigen, gleichmäßigen Bewegungen schwenkend, um dann den Gang zum Altar fortzusetzen. Dieser Anblick regt wahrscheinlich nur wenige Kirchenbesucher zum Nachdenken an. Doch so einfach ist dieses Prozedere für die Messdiener längst nicht. Das Weihrauchschwenken will gelernt sein. Es ist zwar keine Kunst – aber eine Aufgabe, die ganz bestimmten Ritualen unterliegt. Sich die zu merken, ist alles andere als leicht, wie der Ministranten-Nachwuchs jetzt in einer Lehrstunde in der Brictius-Kirche erfuhr.

Mittwoch, 20.12.2017, 06:12 Uhr

Einmal schnuppern: Gruppenleiterin Andrea Hölscher (r.) lässt Svenja Meß an der Weihrauchmischung riechen.
Einmal schnuppern: Gruppenleiterin Andrea Hölscher (r.) lässt Svenja Meß an der Weihrauchmischung riechen. Foto: Susanne Menzel

„Einfach nur loslaufen ist hier nicht angesagt“, sagt Gruppenleiterin Andrea Hölscher schon zum Auftakt der Übung. Die erste Hürde beginnt bereits bei der Auswahl des Gefäßes: „Wir haben drei verschiedene“, erklärt sie: „Eines für die festlichen Messen, eines für Beerdigungen – und wofür das dritte ist, weiß ich gerade nicht.“

Den Weihrauch füllt Pfarrer Thomas Diedershagen vom Schiffchen ins Gefäß, dort werden dann die heißen Kohlen angezündet. „Und jetzt müsst ihr aufpassen“, warnt die Gruppenleiterin. „Nun wird’s heiß.“ Mit zwei Fingern sollte das Weihrauchfass an der Kette getragen und langsam geschwenkt werden. „Wie langsam?“, will Christoph Saar sofort wissen. „Und was, wenn sich das Fässchen an der Kette überschlägt?“ „Dann war’s zu schnell“, kommentiert Andrea Hölscher trocken.

Ein Gemisch mit Gummiharz

Weihrauch ist getrocknetes Gummiharz und wird aus dem Weihrauchbaum gewonnen. Das Harz ist stückig bis grobkörnig und von rötlicher, gelber und brauner Farbe. Der Weihrauch zur religiösen Verwendung wird zum Teil mit ätherischen Ölen vermischt. In der heiligen Messe wird zumeist eine Mischung in „Kirchenqualität“ verwendet, die aus der ersten Ernte in Kombination mit Anis und Styrax (Balsam) besteht.

...

Nach dem Dialog zwischen den Messdienern („Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn.“) und dem Pastor („Der Himmel und Erde erschaffen hat.“) vor Gottesdienstbeginn geht es durch die Seitentür rein in die Kirche. Aber Achtung, hier wartet die nächste Stolperfalle, warnt Andrea Hölscher: „Beim letzten Weihnachtsgottesdienst habe ich das Weihrauchfässchen schon hier in der Kammer so stark geschwenkt, dass sich der Rauch komplett im Raum verteilte. Schnelles Lüften half nicht wirklich. Wir mussten wie durch eine Nebelwand in die Kirche gehen.“

Die Messdiener geben das Tempo vor. Auch hier dominieren Erfahrungswerte. Wie schnell gelaufen werden muss, „weiß jeder, der Flambo gedient hat“, sagt Andrea Hölscher auf die entsprechende Frage. Die Messdiener-Laufbahn beginnt man als Flambo, also als Kerzenträger.

Gemeinsam schreiten die Könner und die Anfänger den Weg durch das Kirchenschiff ab. Immer wieder gibt Andrea Hölscher kleine Anweisungen, korrigiert hier, gibt Tipps dort: „Der Weihrauch läuft immer rechts, das Schiffchen links. Und vor dem Altar geht der Weihrauch zum inneren roten Kissen.“ Das Fässchen richtig am dafür eigens aufgestellten Haken befestigen, die richtige Position einnehmen, zur passenden Zeit die passenden Handlungen ausführen – es gibt eine Menge, die sich die Jung-Messdiener zu merken sollen.

Andrea Hölscher – an diesem Abend in der Rolle des Pastors – geht die Einsätze geduldig mit der Gruppe durch, schließlich kennt sie die Tücken, die sich ergeben könnten, ganz genau. „Während der Messe dann, wenn ihr das Weihrauchfässchen bewegt, achtet darauf, dass der Rauch nicht so nah an den Pastor kommt. Wenn er den einatmet, schlägt das sofort auf die Stimme und zieht in die Nase. Dann kann er nicht mehr so gut reden. Zum Abschluss wird dann erst der Pastor inzensiert, später die ganze Gemeinde. Zunächst in der Mitte, dann zwei Mal rechts, zwei Mal links.“

Die Mädchen und Jungen nicken. Ob sie alles behalten haben? „Sicherlich nicht, da werden wir noch einige Proben hinter uns bringen, bevor es richtig klappt“, geben sie zu. Ob alle von ihnen in Zukunft „als Weihrauch laufen“, sei auch noch dahingestellt. „Darüber einigen sie sich später untereinander“, sagen die drei anderen Gruppenleiterinnen Alexandra Bolte, Nele Schwering und Ellen Hiller: „Zwei laufen als Leuchter, einer als Kreuz, einer als Schiffchen und letztlich einer als Weihrauchfass.“

Also beim nächsten Gottesdienst mal ein besonderes Augenmerk auf „den Weihrauch“ legen: Er (oder sie) hat den Ablauf und die richtigen Einsätze mit viel Sorgfalt einstudiert.

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