29-Jähriger muss nach Streit mit Polizeibeamten 1200 Euro zahlen
Personenkontrolle eskaliert

Heek/Ahaus -

Es war ein vergleichsweise harmloser Unfall, der sich Anfang Februar auf dem Lidl-Parkplatz ereignete. Erst die Aufnahme der Personalien durch die Polizei führte zu Handgreiflichkeiten, die dafür sorgten, dass sich die Beteiligten nun vor dem Amtsgericht Ahaus wiedersahen.

Mittwoch, 05.06.2019, 18:32 Uhr aktualisiert: 06.06.2019, 19:06 Uhr
Vor dem Amtsgericht Ahaus musste sich ein 29-jähriger Heeker wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte verantworten. Foto: Rupert Joemann

Wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte war ein 29-jähriger Heeker angeklagt. Doch was genau passiert war, erwies sich als schwierig zu rekonstruieren.

Einigkeit bestand nur bei der Vorgeschichte: Ein Ahauser Ehepaar hatte abends den Parkplatz verlassen wollen, als der Angeklagte mit seinem Fahrrad von links angefahren kam und den linken Kotflügel des Wagens mit seinem Bein touchierte. Weil es sich um einen Firmenwagen handelte, rief der Fahrer die Polizei an. Statt auf das Eintreffen der Beamten zu warten, begab sich der Heeker in den Discounter, um einzukaufen.

Was sich ereignete, als er aus dem Laden trat und auf zwei Polizisten traf, stellten die Beteiligten ganz unterschiedlich dar. Der 29-Jährige habe keine Dokumente dabeigehabt und sich geweigert, seine Personalien zu nennen, so die Beamten. Als ein Polizist nach seinem Portemonnaie griff, habe der Angeklagte ihm mit ausgestreckten Armen gegen den Oberkörper gestoßen.

Nachdem die Beamten ihn zum Polizeiwagen zogen, um ihn auf der Motorhaube zu fixieren, habe er ihnen gegen das Bein getreten und mit dem Ellenbogen gegen die Brust geschlagen. Auch die Motorhaube und der Scheibenwischer seien beschädigt worden. Die Beamten riefen Verstärkung, die den 29-Jährigen zur Polizeiwache nach Ahaus brachten.

Auf der Fahrt habe der Mann weiter Widerstand geleistet. Er soll sich auf einen neben ihm sitzenden Beamten geworfen und nach einem anderen getreten haben. Auf der Wache, wo er die Nacht in Gewahrsam verbrachte, war ihm eine Blutprobe entnommen worden, die etwa ein Promille Alkohol ergab.

„Das sind Lügner“, ließ der Angeklagte über seinen Dolmetscher ausrichten. „Ich schwöre, ich habe niemanden angefasst“, beteuerte er. Er habe keinen Ausweis dabei gehabt und stattdessen seine Bankkarte zur Feststellung der Personalien angeboten. Dann habe einer der Polizisten nach seinem Portemonnaie gegriffen, das mit einer Kette fixiert war. Als er sich beschwert habe, hätten die beiden Polizisten ihn gewaltsam gepackt, seine Hände auf dem Rücken fixiert und ihn mit dem Kopf auf die Haube gedrückt.

Auch Pfefferspray hätten die Beamten ihm ins Auge gesprüht. „Ich habe nichts mehr gesehen und vor Schmerzen geschrien.“ Erst in der Wache habe er Augentropfen erhalten. Ein Freund des Angeklagten, den er im Laden getroffen hatte, bestätigte dessen Version.

Gleich fünf Zeugen waren geladen, doch viel trugen sie zur Aufklärung nicht bei. Auf der Motorhaube sei der Streit eskaliert, so der geschädigte Autofahrer. „Das war ein Riesen-Tohuwabohu. Es ging heftig hin und her, es wurde geschubst und getreten.“ Auch seine Ehefrau und ein Unfallzeuge hatten die Auseinandersetzung nicht verfolgt.

„Finden Sie, der Einsatz ist gut gelaufen? Hätten Sie vielleicht mehr Geduld aufbringen müssen“, fragte der Richter einen Polizeibeamten, der Pfefferspray eingesetzt hatte. „Es hätte vieles erleichtert, hätte er uns sofort die Personalien genannt“, entgegnete der Polizist. „Kann es sein, dass er Sie nicht verstanden hat und Angst hatte“, fragte der Verteidiger. Und: „Haben Sie die Durchsuchung angekündigt?“ „Das kann ich Ihnen nicht sagen“, so die Antwort des Zeugen. Immer wieder antwortete er mit diesem Satz auf die Nachfragen.

Der Richter schlug vor, das Verfahren gegen eine Geldauflage von 1500 Euro einzustellen. Der Verteidiger stimmte grundsätzlich zu, versuchte aber den Richter auf 1000 Euro runterzuhandeln. „1200 Euro an die Landeskasse“, entschied der Richter. „Das ist schon am unteren Ende. Sie bekommen das Super-Sonderangebot.“

An die Version des Angeklagten glaube er jedoch nicht. „Für mich besteht kein Zweifel, dass Sie sich nicht richtig verhalten haben. Aber nach der Vernehmung der Zeugen muss man feststellen, dass die Situation ziemlich unglücklich losgegangen ist.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6668834?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F27962%2F
Liveticker vom "Fridays for Future"-Aktionstag
Klimastreik in Münster : Liveticker vom "Fridays for Future"-Aktionstag
Nachrichten-Ticker