Adventsserie: 24 Türchen – 24 Stunden
Am liebsten ohne Schnee

Heek -

Dritter Adventssonntag, 4 Uhr morgens: Bei Jörg Oelpmann klingelt der Wecker. Der Schlaf ist beendet, der Arbeitstag beginnt. Der Mitarbeiter des Bauhofes der Gemeinde Heek hat in dieser Woche Bereitschaft für den Winterdienst.

Mittwoch, 20.12.2017, 08:12 Uhr

Sind ein eingespieltes Team: Jörg Oelpmann (l.) und Andre Depenbrock vom Bauhof der Gemeinde. Wenn es schneit oder friert, übernehmen sie den Winterdienst. Dafür brauchen sie einige Tonnen Salz.
Sind ein eingespieltes Team: Jörg Oelpmann (l.) und Andre Depenbrock vom Bauhof der Gemeinde. Wenn es schneit oder friert, übernehmen sie den Winterdienst. Dafür brauchen sie einige Tonnen Salz. Foto: Martin Mensing

Auf dem Ahauser Damm am Johannes-Kindergarten in Heek – seiner Nachbarschaft – schaut er nach, wie es um die Straßenverhältnisse bestellt ist. „Gefrierende Nässe, glitzernde und spiegelglatte Straßen, das bedeutet Einsatz“, sagt Jörg Oelpmann. Zurück nach Hause, Arbeitskleidung an. Oelpmann benachrichtigt seinen Arbeitskollegen Andre Depenbrock , mit dem er zusammen ein Arbeitsteam bildet.

Wenige Minuten später treffen sie sich am Bauhof in Nienborg und bereiten ihren Einsatz vor. Depenbrock justiert den Streuer hinter dem Kubota-Traktor. „Bei dem Schnee in der vergangenen Woche brauchten wir mehr Salz, heute bei den ausschließlich glatten Straßen kommen wir mit weniger Salz aus“, sagt er zur manuellen Dosierung der passenden Streumenge. Dann fährt er den Traktor unter den Silo, wo der Scheibenstreuer mit Salz befüllt wird. Der Tank auf dem Lkw ist bereits mit knapp fünf Tonnen Streusalz befüllt. „Dieses Salz haben wir schon seit einigen Jahren auf dem Bauhof im Bunker gelagert. Die Menge reicht für heute aus“, sagt Oelpmann.

Wir fahren nach einem festen Streuplan, den wir alle verinnerlicht haben.

Jörg Oelpmann

Er nimmt in dem Scania auf dem Fahrersitz Platz und fährt sein heutiges Arbeitsgerät aus der Halle. Nach dem positiven Probelauf beider Arbeitsmaschinen – die Arbeitskollegen sind hier ein eingespieltes Team – fahren sie los. Depenbrock ist mit dem kleineren Gefährt für die Rad- und Fußwege zuständig. Mit dem Lkw werden die Straßen an den Schulen, Kindergärten und öffentlichen Einrichtungen gestreut. An Schultagen unterstützt die Firma Wenker aus Epe den Winterdienst, die auf den Straßen der Bustour im Außenbereich der Gemeinde die Verkehrssicherheit gewährleistet. „Wir fahren nach einem festen Streuplan, den wir alle verinnerlicht haben“, sagt Oelpmann. Er fährt die Eper Straße in Richtung Epe zurück. Im Ortskern geht es über „Achter de Stadt“, Meteler Straße und Friedhofstraße weiter zur Ochtruper Straße. „Hier auf der Landstraße ist der Landesbetrieb Straßen NRW zuständig.“ Oelpmann schaltet am Bedienteil im Führerhaus den Streuer aus. Als er auf die Neustraße einbiegt, macht er ihn wieder an. Ein Fühler am Streuer sorgt für Präzision und die richtige Dosierung. Moderne Technik sorgt für eine wirkungsvolle Streutechnik.

Beim Streuen der Straßen rund um die Bischof-Martin-Grundschule ist zeitgleich auch Kollege Depenbrock im Einsatz. „Für Hans Mayer, der damals in Rente ging, bin ich vor etwas mehr als drei Jahren auf dem Bauhof angefangen“, erinnert sich der gelernte Maurer, während er auf die Windmühlenstraße fährt. Die Einstellungsvoraussetzung war ein Lkw-Führerschein.

Für den nötigen Nachschub an Streumitteln sorgt hier Jörg Oelpmann (l.).

Für den nötigen Nachschub an Streumitteln sorgt hier Jörg Oelpmann (l.). Foto: Martin Mensing

Wenn Oelpmann nicht im Winterdienst tätig ist, hat er viele andere Aufgaben: die Unterhaltung der Straßen, Pflasterarbeiten, das Laub im Herbst und Winter sowie Arbeiten, die im Bereich Asyl anfallen. „Wir haben alle drei Wochen von Montag bis Montag Bereitschaft. Wir sind drei Teams mit je zwei Leuten“, sagt Oelpmann. Zwei weitere Teams bilden Heinrich Schmalacker und Florian Prämassing sowie Paul Lütke-Vestert und Philipp an Haack. Der Leiter des Bauhofes, Alfred Heying, entscheidet je nach Wetterlage über die Bereitschaft des Winterdienstes. Oelpmann und Depenbrock haben in diesem Jahr an Weihnachten und zum Jahreswechsel frei. In den nächsten zwei Jahren sieht das anders aus: 2018 sind sie an Weihnachten auf Abruf, 2019 an Silvester und Neujahr.

Die Scheiben der Autos, die am Straßenrand stehen, sind zugefroren. Die Straßen sind menschenleer. Lediglich beim Bäcker an der Wassermühle gibt es Bewegung, die Ware wird angeliefert.

Dann stellt Oelpmann sein Können unter Beweis. Sicher manövriert er das Fahrzeug mit dem überbreiten Schneeschild an der engen Einmündung zur Burg. Vor dem Burgtor muss er drehen, da er mit dem zu hohen Lkw hier nicht durch kommt. Auf dem Rückweg zur Hauptstraße schaltet er den Streuer wieder aus. Die Strecke hat er schon bei der Hinfahrt gestreut.

„Wenn wir auch Schnee schieben müssen und es stehen dann noch Mülltonnen an der Straße, dann wird es richtig schwer“, sagt der 40-Jährige. „Bei dem starken Schneefall in der vergangenen Woche waren die Arbeitskollegen morgens und nachmittags im Einsatz. Das wird heute aller Wahrscheinlichkeit nicht passieren. Oelpmann schaut auf das Armaturenbrett: Es zeigt minus 0,8 Grad an. Im Radio erklingen Weihnachtslieder, die Beleuchtung im Ort deutet auf die Festtage hin.

Nach einer Dreiviertelstunde ist Oelpmann mit dem Winterdienst in Nienborg fertig. Über die Schöppinger Straße fährt er durch das Industriegebiet Bült nach Heek. In einer Betriebshalle wird derweil nach einer Weihnachtsfeier aufgeräumt. „Wir hatten unsere Weihnachtsfeier am vergangenen Donnerstag. Da war es Gott sei Dank mild, und wir hatten keine Bereitschaft.“ Sonst hätte er direkt nach dem Abendessen nach Hause gemusst.

Nachdem er in Heek die Straßen gemäß Streuplan gestreut hat, geht es ins Industriegebiet Heek-West und in den Dorfkern nach Ahle. Zum Schluss sind die Autobahnbrücken am Ossenkamp, Gerd-Wissing-Weg und Am Bodendenkmal dran. Dann fährt er zurück zum Bauhof und reinigt den Lkw. „Nach 4,5 Stunden ist der Arbeitseinsatz beendet, dann hole ich frische Brötchen und ich genieße mit meiner Frau das Frühstück“, freut sich Jörg Oelpmann auf seinen Feier-„Abend“.

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