Befreiungsfeier in Glanerbrug
Kapitulation als Ende eines Irrwegs

Glanerbrug/Gronau/Epe -

74 Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges ist es für die im Grenzgebiet wohnenden Niederländer schon Normalität, dass an der Veranstaltung zum Befreiungstag auch Bürgerinnen und Bürger aus Deutschland teilnehmen. Dies war nicht immer so, aber heute sind die Nachbarn aus Gronau gern gesehene Gäste.

Dienstag, 07.05.2019, 06:59 Uhr aktualisiert: 07.05.2019, 07:01 Uhr
Nach der Veranstaltung in der reformierten Kirche entzündeten Niels van den Berg (Stadt Enschede), Jürgen Cosse (Vizepräsident des Euregio-Rates) und der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Gronau, Christian Post (im Bild rechts) das Befreiungsfeuer. Dies war vorher durch niederländische Pfadfindern auf das Gelände gebracht worden. Foto: Daniel Meyer

74 Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges ist es für die im Grenzgebiet wohnenden Niederländer schon Normalität, dass an der Veranstaltung zum Befreiungstag auch Bürgerinnen und Bürger aus Deutschland teilnehmen. Dies war nicht immer so, aber heute sind die Nachbarn aus Gronau gern gesehene Gäste. In Glanerbrug waren am Sonntag Mitglieder des Heimatvereins Epe und die Vorsitzende des Heimatvereins Gronau, Anke Rehorst, vertreten.

Am Befreiungstag feiern die Niederländer die Kapitulation von Nazi-Deutschland. Für die Niederlande ging an dem Tag im Jahre 1945 der Zweite Weltkrieg zu Ende. Während der Veranstaltung in der Reformierten Kirche in Glanerbrug wird den Teilnehmern klar, welches Glück es ist, in einem Land zu leben, in dem Menschen in Freiheit leben können. Da wird auch drüber nachgedacht, dass es viele Orte auf der Welt gibt, wo dieses nicht der Fall ist.

Das Komitee 4. und 5. Mai Glanerbrug hatte diese Veranstaltung organisiert und durchgeführt, bei der unter anderem die Musikvereinigung Wilhelmina aus Glanerbrug unter der Leitung von Fried Dobbelstein zum Einsatz kam. Auch aus Deutschland waren Sängerinnen dabei. „For pleasure“ aus Alstätte präsentierte vier Lieder, bei denen die Solistinnen Nina Ulland und Sandra Schering Sonderapplaus bekamen. Auch der Männergesangverein „De Brugger Zangers“ aus Glanerbrug erfreute die Zuhörer.

Die Begrüßung nahm Jenne Smit vor, ein Bewohner aus Glanerbrug, der sich für das freundschaftliche Verhältnis zwischen Niederländern und Deutschen einsetzt.

„Wir wollen mit dieser Veranstaltung ein Vorbild sein für den Rest der Welt“, erwähnte Enschedes Beigeordneter Niels van den Berg, der die Rede hielt und die sehr guten Kontakte mit den Nachbarn über die Grenze hinweg besonders herausstellte.

Für den Euregiorat sprach Vizepräsident Jürgen Cosse. der darin eine Verpflichtung und Ehre sah. Er rief die Teilnehmer auf, zur Europawahl zu gehen, „denn Europa geht uns alle an und bestimmt unseren Alltag in hohem Maße. In einer Demokratie dürfen wir wählen. Das ist nicht selbstverständlich. Durch Wahlen wird die politische Macht regelmäßig neu verteilt. Und wir können durch die Wahl mitbestimmen“, machte Cosse deutlich.

Aus Gronau war Bürgermeister-Stellvertreter Christian Post zugegen. Für seine Rede erntete er großen Applaus von Niederländern und Deutschen. „Nein, schlaft nicht, seid wach!“ mahnte er die Zuhörer. Auch heute, 74 Jahre nach dem Ende des Krieges, der aus Europa ein Schlachtfeld gemacht hatte, wollen Populisten und Demagogen vergessen machen, was aus dem Willen nach Frieden und Freiheit entstanden ist: ein vereintes und vor allen Dingen freies Europa. „Als Deutsche haben wir wahrlich keinen Grund, uns in diesen Tagen an Siegesfeiern zu beteiligen. Aber wir haben allen Grund, den Tag der Kapitulation als das Ende eines Irrweges zu erkennen und als Punkt in unserer Geschichte, der den Weg in eine bessere Welt, ja, bessere Gesellschaft ermöglichte“, so Christian Post.

Inzwischen seien die zweite und dritte Generation in die politische Verantwortung hineingewachsen. Es sind Generationen, die die Gedanken an Erinnerung und Versöhnung wachhalten. Inzwischen seien wir es, auch als Europäer, die neben der Erinnerung und Versöhnung verantwortlich sind für die Geschichte, die wir schreiben. „Schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind. Seid misstrauisch gegen die Macht, die sie vorgeben, für euch erwerben zu müssen. Wir lernen aus unserer eigenen Geschichte, wozu der Mensch fähig ist. Deshalb dürfen wir uns nicht einbilden, wir seien nun als Menschen anders oder besser geworden,“ so Post.

„Frieden ist der Sinn und Zweck eines vereinten Europas, unserer Europäischen Gemeinschaft, die uns in die Zukunft trägt – ein Europa ohne Binnengrenzen, ein Europa, in dem wir uns in Freundschaft die Hände reichen.“

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