Urteil gegen 34-Jährigen wegen schwerer räuberischer Erpressung
Fünf Jahre und neun Monate Haft

Gronau/Münster -

„Die Angst vor dem nächsten kalten Entzug“ – sie sei der Grund gewesen, warum der Angeklagte Raubüberfälle beging. Und zwar „in immer höherer Schlagzahl“, weil in immer kürzeren Abständen. Das erklärte sein Verteidiger in seinem Schlusswort. „Damit er den nächsten Schuss Heroin bezahlen konnte.“

Freitag, 05.04.2019, 15:00 Uhr aktualisiert: 05.04.2019, 15:41 Uhr
Der Angeklagte mit seinem Anwalt bei einem der früheren Verhandlungstage vorm Landgericht. Foto: Frank Zimmermann

Im Verfahren am Landgericht Münster wegen Überfällen auf Geschäfte in Gronau, Wüllen und Vreden (wir berichteten) ist der Angeklagte – ein 34 Jahre alter gebürtiger Kasache – am Freitag zu fünf Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt worden. Bei drei der vier Taten habe es sich um besonders schwere räuberische Erpressung gehandelt, erklärte die Strafkammer. Der Mann hatte den Opfern dabei jeweils eine Gaspistole mit Knallkartusche vorgezeigt, um sie einzuschüchtern.

Innerhalb weniger Wochen hatte der Täter Anfang 2014 erst einen Shop mit Poststelle in Wüllen überfallen, dann eine Spielothek in Gronau, einen Goldankäufer in Vreden und eine Lotto-Annahmestelle in Gronau. Immer unmaskiert. Der „Suchtdruck“ habe ihn getrieben, erklärte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Zugleich habe er mit der besonders schweren räuberischen Erpressung „eines der schwersten Verbrechen begangen, die das Strafgesetzbuch kennt“.

Bei einem fünften Raub auf eine Tankstelle in Glanerbrug war der Mann gefasst worden. Drei Jahre und acht Monate verbrachte er für den bewaffneten Überfall in Haft, bevor er wegen eines europäischen Haftbefehls nach Deutschland ausgeliefert wurde. Die Strafkammer berücksichtigte dies am Freitag im Rahmen eines „Härteausgleichs“, wie es hieß. Der Staatsanwalt hatte neuneinhalb Jahre Haft beantragt. Die Gefängnis-Zeit im Nachbarland müsse allerdings – wenn auch nicht zwingend zu 100 Prozent – angerechnet werden, so der Vorsitzende Richter. Er verwies auf eine entsprechende Vorgabe des Bundesgerichtshofes.

Mit Blick auf die Opfer, erklärte er weiter, sei es ungewöhnlich und sogar „extrem selten“, dass offenbar keine schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Überfallenen entstanden seien. Den Inhaber des Goldankaufs hatte der Täter mit einem Elektroschocker berührt, weshalb die Richter in dem Fall auch auf gefährliche Körperverletzung erkannten; in der Postfiliale habe er sich außer einer räuberischen Erpressung der Freiheitsberaubung schuldig gemacht, weil er die Mitarbeiterin im Hinterzimmer einsperrte.

Die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt ordnete das Gericht nicht an, weil der Täter seit mehreren Jahren drogenfrei lebe und keine Therapie wolle.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6521112?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F
Münsteraner buhlt in TV-Sendung um die Gunst von Gerda
RTL-Show „Bachelorette“: Münsteraner buhlt in TV-Sendung um die Gunst von Gerda
Nachrichten-Ticker