Selbsthilfegruppe Depression
Raus aus dem Gedankenkarussell

Gronau -

Wohl jeder Mensch kennt Phasen der Niedergeschlagenheit. In den meisten Fällen geht die Zeit der düsteren Gedanken von selbst vorbei. Doch was, wenn das Stimmungstief andauert?

Freitag, 11.01.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 11.01.2019, 17:30 Uhr
Ein Stimmungstief hat jeder Mensch mal. Doch bei manchen sind diese Phasen der Niedergeschlagenheit so beherrschend, dass sie jegliches Denken und Fühlen vereinnahmen. Dann brauchen Betroffene Hilfe, etwa von Ärzten und Psychotherapeuten. Zusätzlich kann eine Selbsthilfegruppe Unterstützung bieten. Foto: Hans Wiedl

Wenn es überhand nimmt, überwältigend wird? Wenn die negativen Gedanken jegliches Denken und Fühlen vereinnahmen? Wenn sie das körperliche Befinden beeinträchtigen? Wenn die Betroffenen aus dem tiefen Loch, in dem sie versunken sind, gar nicht mehr herausfinden? Bei derart starken Depressionen brauchen Betroffene Hilfe. Ärzte und Psychotherapeuten können mit Therapien und Medikamenten Symptome lindern und zur Heilung beitragen.

Zusätzliche Unterstützung erfahren Betroffene in Selbsthilfegruppen. Auch in Gronau besteht ein solches Angebot. Tanja Schwarz leitet die Gruppe. „Wir sind aber keine Therapeuten und ersetzen auch keinen Gang zum Facharzt“, stellt sie im Gespräch mit den WN sofort klar. „Was die Gruppe bietet, ist vor allem der Austausch.“ Schließlich haben die Mitglieder teils jahrelange Erfahrung mit der Krankheit. Sie kennen Ärzte und Therapeuten, viele haben Krankenhausaufenthalte hinter sich. Dieses Wissen wird in der Gruppe geteilt.

„Wir reden zum Beispiel über unsere Erfahrungen mit Medikamenten“, sagt Tanja Schwarz. Für die Behandlung von Depressionen können Ärzte und Therapeuten auf ein breites Spektrum an Psychopharmaka zurückgreifen. Das richtige Mittel zu finden, ist dabei die Kunst. Schließlich ist kein Patient wie der andere. Bis die Wirkung eines verschriebenen Mittels einsetzt, kann es schon mal vier Wochen dauern. „Wenn das Medikament nicht passt, geht die Suche von vorne los“, sagt Tanja Schwarz. In der Gruppe kann eventuell entstehender Frust aufgefangen werden.

Die Selbsthilfegruppe sieht sich zudem als Anlaufstelle für Menschen, die unsicher sind. Die Hemmschwelle wird bewusst niedrig gehalten. Verschwiegenheit nach außen ist eine Voraussetzung für die Teilnahme. „Wir machen es allen Besuchern leicht. Wir duzen uns von vornherein und sprechen offen miteinander, alle auf einem Level. Wir haben schließlich alle das gleiche Problem. Wenn auch in unterschiedlichen Ausprägungen.“

Wie geht ein Treffen vonstatten? Meist steht zu Beginn der Treffen der sogenannte „Blitz“. Dabei hat jeder die Möglichkeit, ungestört zu sagen, wie es ihm geht und was ihn bewegt. Daraus entwickeln sich Themen, die gemeinsam besprochen werden. Ab und an ergänzen Referate von Fachleuten das Angebot.

Tanja Schwarz ist selbst Betroffene. Sie geht offen mit ihrer Krankheit um, die bei viele Menschen immer noch zu Unsicherheiten führt. „Bei einem Beinbruch ist die Diagnose kein Problem – bei einer Depression dagegen schon. Oft laufen Menschen jahrelang damit herum, ohne die Gründe für ihr Leiden zu kennen.“

In ihrem Fall war damals beruflicher Stress der Auslöser, sagt die technische Zeichnerin: „Ich habe einfach zu viel gearbeitet, auch an Wochenenden, und das monatelang. Das war einfach zu viel.“

Tanja Schwarz hat von den Treffen in der Gruppe profitiert. Der Austausch trug zu ihrer gesundheitlichen Stabilität bei. Vor einiger Zeit hat sie die Leitung der Gruppe übernommen. Als Vertrauensperson nimmt sie gegenüber den Ärzten in der Psychiatrischen Abteilung des Lukas-Krankenhauses eine besondere Stellung ein. „Wenn sich ein Betroffener in einem Notfall an mich wendet, begleite ich ihn zur Ambulanz im Lukas. Dort kümmert sich dann sofort jemand um ihn oder sie.“

Die Zusammensetzung der Gruppe, die seit zehn Jahren existiert, bildet einen Querschnitt durch die Gesellschaft ab: Männer und Frauen, Junge und Ältere, aus allen Bildungs- und Gesellschaftsschichten. Manche waren nur kurz dabei, andere über Jahre. Allen gemein ist, dass die Depression Spuren in ihrem Leben hinterlassen hat.

Wer an einer Depression leidet, zieht sich häufig zurück, grübelt, meidet die Öffentlichkeit, zieht sich in depressiven Phasen am liebsten die Bettdecke über den Kopf. Tanja Schwarz rät Betroffenen, sich zu überlegen, welche Tätigkeit ihnen gefallen könnte. „Oft hilft Sport, das ständige Gedankenkarussell zu durchbrechen. Außerdem ist es wichtig, sich eine Tagesstruktur zu geben und nicht den ganzen Tag zu Hause zu sitzen.“

Zum Thema

Die Treffen der Selbsthilfegruppe finden an jedem vierten Donnerstag im Monat von 18 bis 19.30 Uhr in der Psychiatrischen Tagesklinik des Lukas-Krankenhauses statt. Tanja Schwarz ist unter ' 0162 4564260 ab 18 Uhr zu erreichen.

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