Urteil am Landgericht Münster
Vater verletzt Säugling tödlich und muss für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis

Gronau/Münster -

Ein 25-jähriger Gronauer ist am Dienstag vor dem Landgericht Münster zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Die Strafkammer sah es als erwiesen an, dass der Mann im Juni 2018 seinen damals elf Wochen alten Sohn so heftig geschüttelt hat, dass dieser zwei Tage später an den Folgen gestorben ist. Die Staatsanwaltschaft hat Revision eingelegt.

Freitag, 11.01.2019, 16:45 Uhr aktualisiert: 11.01.2019, 16:47 Uhr
Vor der Verhandlung am Dienstag begrüßt der 25-Jährige im Gerichtssaal einen seiner Anwälte. Dreieinhalb Stunden später wurde er an selber Stelle verurteilt Foto: Frank Zimmermann

Der Mann, der seit dem 29. Juni 2018 in Untersuchungshaft sitzt, bleibt auch weiter in Haft. Das Gericht sah die Gefahr, dass er ansonsten versuchen könnte, in sein Heimatland Polen zurückzukehren und dort „abzutauchen“.

Sowohl in den Plädoyers als auch in der Urteilsbegründung wurde die Geschichte um den frühen Tod des Säuglings noch einmal nachgezeichnet: Sein Vater, der nun Verurteilte, hatte sein Leben trotz einiger Schicksalsschläge – darunter ein alkoholkranker Vater, die frühe Trennung der Eltern und eine chronische Erkrankung – ganz gut im Griff.

Gemeinsam mit seiner Frau, seinen beiden Söhnen und seiner Mutter lebte er in einer Wohnung in Gronau. Weil er seit dem Frühjahr 2018 arbeitslos war und seine Frau und seine Mutter im Schichtdienst arbeiteten, war der 25-Jährige auch in die Betreuung der Kinder eingebunden. Während der Gerichtsverhandlung wurde er von Zeugen als liebevoller, geduldiger Vater beschrieben.

"Absolutes Momentversagen"

Doch am 23. Juni 2018 muss bei dem Mann ein „absolutes Momentversagen“ eingetreten sein, wie die Vorsitzende Richterin es in der Urteilsbegründung formulierte. Für einige Sekunden muss er seinen jüngeren Sohn so heftig geschüttelt haben, dass unter anderem dessen Hirn so schwer geschädigt wurde, dass er an diesem Schütteltrauma schließlich verstarb. Warum es dazu kam, das konnte oder wollte der 25-Jährige auch bei der letzen Gelegenheit vor Gericht nicht sagen: „Ich möchte nichts mehr sagen, das alles fällt mir sehr schwer“, sagte er unter Tränen.

Schon früh hatte der junge Mann sowohl gegenüber dem Jugendamt als auch gegenüber der Polizei die Einsicht signalisiert, er könne für den Tod seines Sohnes verantwortlich sein. Ein Umstand, der sich strafmildernd auswirkte. „Hätte die Familie von Anfang an dicht gemacht, hätten wir niemanden konkret für die Tat zur Rechenschaft ziehen können“, räumte die Vorsitzende ein.

Seine Darstellung, das Schütteln sei beim Spielen passiert und wohl nur etwas zu kräftig ausgefallen, ließ das Gericht allerdings nicht gelten. Dagegen spreche das massive Verletzungsbild des Säuglings, über das ein medizinischer Gutachter während der Verhandlung gesagt hatte, dass er dergleichen in dieser Ausprägung noch nie gesehen habe.

"Angemessenes" Strafmaß

Unter Abwägung aller bekannten Faken kam das Gericht zu dem Urteil, dass es sich um einen minderschweren Fall von Körperverletzung mit Todesfolge handle. Das Strafmaß sei unter anderem auf dreieinhalb Jahre Haft festgelegt worden, weil eine solche Tat „angemessen gesühnt“ werden müsse. Der Verurteilte habe sich mit seiner Tat aber auch erheblich selbst bestraft.

Der Staatsanwalt hatte auf acht Jahre Haft plädiert, die Verteidiger hätten eine Bewährungsstrafe für angemessen gehalten. Gegen das Urteil kann binnen einer Woche Revision eingelegt werden, gegen die Aufrechterhaltung des Haftbefehls ist eine Beschwerde zulässig.

Nachtrag:

Gegen das Urteil der 2. Großen Strafkammer am Landgericht Münster hat die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt. Der Staatsanwalt war davon ausgegangen, dass es sich nicht um einen minderschweren Fall handelte und hatte deshalb auf eine achtjährige Haftstrafe plädiert. Die Staatsanwaltschaft warte nun die Zustellung des Urteils mit Begründung ab und entscheide dann, ob sie die Revision tatsächlich durchführe, erklärte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt auf Nachfrage.

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